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Abwichsgeld auch Anerbgeld und Astantengeld (renunciation payment)

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Frühere Abstandszahlung an den zurücktretenden bäuerlichen Alleinerben (= Anerben: derjenige, auf den das ungeteilte Erbe [der Hof] übergeht, meistens der älteste Sohn). Die Höhe der Abfindungssumme wurde in Streitfällen vom zuständigen Anerbgericht festgestellt. – Abwich = hier: zurückweichen, weggehen, das Feld räumen; Astant von astare = hier: jemand, der beitritt, nämlich der zur Auszahlung des Anerben bereite Erbe.

Abwertung, fiskalische (fiscal devaluation)

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Versuch, mit Hilfe des Steuersystems die Wirkung einer Verschlechterung des Wechselkurses in solchen Staaten nachzubilden, die aufgrund der gemeinsamen Währung in einem Währungsgebiet unter anhaltenden Leistungsbilanzdefiziten leiden. Im wesentlichen kann dies durch – ➊ Anhebung der Einfuhrsteuern und – ➋ Senkung der Abgaben auf Exportgüter erreicht werden. Indessen können solche Massnahmen eine gesamthafte Anpassung des Landes an den Stand internationaler Wettbewerbsfähigkeit nicht ersetzen.
Siehe Balassa-Index, Fiskalpakt, Handelsbilanz, Importgehalt, Offenheitsgrad, Strukturwandel, Terms of Trade, Wachstumsbeitrag, Wettbewerbs-Status, internationaler, Zahlungsbilanz.
Vgl. Monatsbericht der EZB vom Dezember 2011, S. 110 ff. (Vorstellung einzelner steuerlicher Massnahmen; Abwägung des Erfolges).

Abwertung auch Devaluation und Devalvation (devaluation)

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➀ Die behördliche Neufestsetzung des Vergleichswerts einer Währung zu einem zugrunde gelegten Masstab (Gold, USD, Sonderziehungsrecht) nach unten. Dies bietet sich an, wenn der Wechselkurs einer Währung über längere Zeit hinweg und erwartungsgemäss auch in Zukunft über dem festgelegten Austauschverhältnis liegt. – Wird eine nötige Abwertung (necessary devaluation) zu lange hinausgeschoben, dann gerät die entsprechende Währung in das Blickfeld der Spekulation. So erzwangen gewaltige Terminverkäufe (forward sales) an GBP von England am 16. September 1992 die bis dahin unterlassene Abwertung, und das Land trat an diesem Tag aus dem Europäischen Währungssystem aus. – ➁ Früher auch gesagt für die Wertminderung des Geldes, für Inflation (dies ist ein neueres Wort, das in heutiger Bedeutung ab etwa 1865 aus den Verhältnissen im amerikanischen Bürgerkrieg geboren wurde). – ➂ Der marktbedingte (market-induced) oder materialbedingte (substance-caused) Wertverlust eines Vermögensgegenstandes.
Siehe Aufwertung, Depretiation, Geldwertstabilität, Parität, Plan C, Soros-Spekulation.

Abwehr(diskont)satz (penal [bank] rate)

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Eine Zentralbank stellt den Banken zwar Liquidität zur Verfügung; dies jedoch zu einem Preis, der (weit) über dem höchsten Zinssatz auf dem Kreditmarkt liegt. Sie macht damit ihre Absicht deutlich, die Geldmenge zu beschränken.
Siehe Geldmarkt-Operationen.

Abwerbegeld (poaching payment)

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An einzelne Personen (wie Spitzenmanager, Fussballspieler, Musiker, Theaterleute) bezahlte Summe, wenn sie aus ihrem Vertrag aussteigen und sich in den Dienst des Zahlenden begeben. – Die Grenze zwischen Abwerbegeld und Begrüssungsgeld ist oft nur schwer feststellbar.
Siehe Ablöse, Anwerbegeld, Douceur, Draufgeld, Geld, weiches, Handgeld, Schmiergeld, Taxe.

Abwehrmassnahme (opt out)

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Bei Übernahme-Angeboten die Möglichkeit der bezielten Gesellschaft, den Erfolg eines entsprechenden Angebots zu verhindern. Weil hier in (fast) jedem Falle auch Rechte von Aktionären, Banken und anderen Marktteilnehmern berührt werden, prüfen die Aufsichtsbehörden das jeweilige Angebotsverfahren in Bezug auf seine Stimmigkeit nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG).
Siehe Aktionärstimmenjagd, Aktientausch-Übernahme, Asset Sales Deal, Bieter, Buy out, Erwerbsangebot, Fusionen und Übernahmen, Freier, Gifttablette, Greenmail, Handgeld, Material-Adverse-Change-Klauseln, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Spin-off, Squeeze-out, Stimmrecht-Datenbank, Synergiepotentiale, Trade Sale, Transaktionsbonus, Übernahme-Ankündigung, Übernahme-Appell.
Vgl. Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 184 (Erläuterung der Möglichkeiten der Abwehr).

Abwartehaltung (wait-and-see position)

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➀ Auf dem Finanzmarkt allgemein ein Zustand, bei dem sich die Käufer (seltener auch auf die Verkäufer bezogen) aufgrund bestimmter Erwartungen zurückhalten. – ➁ Bei der Zentralbank ein Verhalten, bei dem diese (oftmals ungeachtet von Aufforderungen aus der Öffentlichkeit) keine ihrer Massnahmen einsetzt, unter Umständen aber Entwicklungen auf dem Finanzmarkt kommentiert.
Siehe Abundanz, Anlage-Notstand, Attentismus, Codewörter, Liquiditätsfalle, Marktschwäche, Moral Suasion, Politik des offenen Mundes, Signalwirkung, Stille, Tarnkappen-Politik, Wachsamkeit, hohe.
Vgl. Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 67 ff. (lehrbuchmässige Darstellung der Kommunikation der EZB mit dem Finanzmarkt).

Abwanderungsquote und Fluktuationsrate (churn rate)

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➀ Allgemein die Anzahl der Kunden, die ein Unternehmen in einer bestimmten Periode verliert (in its broadest sense: the number of customers moving out over a specific period of time). – ➁ Beieiner Bank oder Versicherung der Teil der Kunden, welcher nach Auslaufen eines Vertrags die Beziehung zu dem Unternehmen abbricht (the percentage of clients which, upon expiry of their contract, decide not to be in contact with this entity any longer). Eine auffallende Abwanderungsquote deutet auf Unzulänglichkeiten im Produktangebot oder/und Mängel in der Kundenpflege hin.
Siehe Behördenmanagement, bankliches, Beziehungsbankgeschäfte, Beziehungsmanagement, Clubbing, Customasing, Geomarketing, bankliches, Hausbank, Intensivstation, Internetbank, reine, Kredit-Punktebewertungsverfahren, Kundenkapital, Kundeninteresse, Kundennähe, Kundenpfleger, Kundenzentrierung, McDonaldisation, Online-Banking, Ortsbank, Profiling, Regenmacher, Zinsschnäppchenjäger.

Abwanderung auch Exodus (expatriation, exodus)

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Auf dem Finanzmarkt gesagt für die Sitzverlegung einer natürlichen oder juristischen Person von einem Hoheitsgebiet in ein anders, in der Regel aus aufsichtsrechtlichen oder steuerlichen Gründen (the removal of ones legal residence or citizenship from one country to another for the most part to avoid high taxation or regulatory overkill).
Siehe Kundendaten-Informationspflicht, Zweitausweis.

Abundanz (abundance)

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In der älteren Literatur und in Börsenberichten ein Ausdruck für reichlich vorhandenes Geld, das eine Anlage sucht.
Siehe Attentismus, Liquiditätsfalle, Marktschwäche.