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Armut in älteren Dokumenten auch Dalles und Pauperität (poverty)

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Armut in älteren Dokumenten auch Dalles und Pauperität (poverty): Allgemein ein wirtschaftlicher Notstand, die andauernd die Lebenslage bestimmt. Unterschieden wird in der Regel eine –  1..absolute Armut (absolute poverty, destitution), bei der grundlegende menschliche Notwendigkeiten wie Wasser, Nahrung, Kleidung, Obdach, Gesundheitspflege und Schulbesuch (basic human needs which usually includes water, nutrition, clothing, shelter, health care and schooling) nicht befriedigt werden können. In anderer Definition wird ein bestimmter Geldbetrag angegeben, der jedem Bewohner zur Verfügung steht. Dies hat den Vorteil, dass die absolute Armut dadurch genau bestimmt werden kann. Im Jahr 2014 hatten 1,2 Milliarden Menschen ein Einkommen von weniger als 1,25 USD pro Tag und waren damit nach den Berechnungen der Weltbank absolut arm. Daneben gibt es eine –  2..relative Armut (relative poverty) in entwickelten Volkswirtschaften. Von dieser spricht man in der Regel dann, wenn jemand ein Einkommen von weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens aller Bewohner bezieht (commonly, relative poverty is measured as the percentage of population with income less than the half of median income). Diese Gruppe der armen Unterschicht wird auch Prekariat (precariat) genannt. Schliesslich be-trifft die –  3..gefühlte Armut (feeled poverty, socio-cultural poverty) diejenigen, die sich aufgrund gesellschaftlicher Ausgrenzung (unequal social status and inequitable social relationships, experienced as social exclusion, dependency, and diminished capacity to participate, or to develop meaningful connections with other persons in society) als arm betrachten; zusamt denjenigen, die in beständiger Furcht vor einem bevorstehenden wirtschaftlichen Notstand leben und entsprechend handeln. – Ein auch in reichen Staaten wohl nicht ausrottbare Erscheinung ist die –  4..geistige Armut (intellectual poverty) sie beschreibt einen Geisteszustand von Einfallslosigkeit, Gedankenarmut, mangelnder Vorstellungskraft, kurz: von Stumpfsinn und Dummheit (generally, it refers to a state of delayed intellectual development). Fachleute zählen bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung Deutschlands zur Gruppe der geistig Armen. Diese werden durch besondere Presseerzeugnisse (allein eine täglich erscheinendes Boulevardblatt [tabloid] erreichte 2014 fast 18 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren, das sind fast 12 Mio Menschen) und Fernsehsendungen bedient.

Sparsamkeitsregel und Prinzip der Parsimonität (principle of parsimony)

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Sparsamkeitsregel und Prinzip der Parsimonität (principle of parsimony; parsimony = late Latin artificial word from parcimōnia, from parcere = here : to spare and monia = money): In Bezug auf die Wissenschaft allgemein und damit auch auf die Geldtheorie weithin anerkannte Richtschnur. Danach sollen zur Begründung und Erklärung eines Zusammenhangs nur wenige Annahmen und Variablen herangezogen werden, wenn der bezügliche Sachverhalt damit hinlänglich begründet werden kann. Je weniger Hypothesen (hypotheses: suppositions or explanations which are provisionally accepted in order to interpret certain events or phenomena, and to provide guidance for further investigation) und Variable (variables: magnitudes capable of assuming any of a set of values) nämlich eingeführt sind, desto leichter lassen sich diese falsifizieren (falsify; a statement, hypothesis, or theory is termed falsifiable if it is possible to conceive an observation or an argument which proves the proposition in question to be false). – Indessen handelt es sich um einen Grundsatz, der lediglich ein einziges, obzwar wichtiges Kennzeichen für die Zweckdienlichkeit einer Theorie ausdrückt. Über die Gültigkeit von Erklärungsansätzen (validity of explanatory approaches) sagt die Sparsamkeitsregel nichts aus. – Siehe Datenunsicherheit, Eckdaten, makroökonomische, Geldpolitik, vorausschauende, Gleichgewichtsmodelle, dynamisch-stochastische, Modelle, geldpolitische, Modellunsicherheit, Paradoxomanie, Strukturunsicherheit, Unsicherheit, Vorhersagetauglichkeit, Wechselkursverlauf, unerklärbarer, Zwei-Säulen-Prinzip.

Sparsamkeit (thrift, economicalness)

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Sparsamkeit (thrift, economicalness): Das –  1..planvolle, freiwillige Unterlassen der Verausgabung gegenwärtig zur Verfügung stehender Zahlungsmittel – manchmal auch auf materielle Güter (Sachgüter, physical goods) bezogen – und –  2..deren dadurch bedingte Anhäufung –  3..zwecks späterer, besserer und zweckentsprechenderer Verwendung. – Die freiwillige Zurücklegen von Geld durch Verzicht auf die gegenwärtige Verausgabung (current spending) hat die Sparsamkeit zwar mit dem Geiz und der Habsucht gemein. Aber bei der Sparsamkeit geschieht das Anhäufen aus ganz anderer Einsicht, aus anderen Gründen und Zwecken. Veranlassung und Absicht der Sparsamkeit sind die Möglichkeit und der Wille zu späterer besserer und zweckmässigeren Verwendung, als diese in der Gegenwart geschehen könnte (possibility and willingness on better and more effective use at a later time than it could be currently), und nicht die aus Überschätzung hervorgehende Begierde nach Besitz von Reichtum. Die Sparsamkeit geht somit als Handlung aus richtiger Sacheinsicht (acting on the basis of right understanding of the matter) und aus sittlich guter Willensrichtung (morally good purposes) des vernünftigen Menschen hervor. Sie ist daher eine sittliche Tugend (moral virtue), die mithilft, den Menschen in rechte Beziehung und Ordnung zum Geld und den Sachgütern zu setzen, und diese dabei dem Menschen und seiner Bestimmung unterzuordnen. Daher ist es durchaus richtig, wenn in der frühkindlichen Erziehung bereits (already in childhood education and care) Sparsamkeit eingeübt wird. – Siehe Argyromanie, Chremagogik, Geldethik, Geldglaube. Geldspar-verhalten, Geldpsychologie, Geldstolz, Harpax, Horten, Konsumausgaben, Konsumenten-geld, Kontensparen, Mammonismus, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Misoch-rematie, Opportunitätskosten, Polyplusius, Sparen, Sparquote, Vorsichtssparen.

Geldbetrag (amount of money, money amount)

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Geldbetrag (amount of money, money amount): Eine bestimmte Summe Geldes. Der in der deutschen Sprache gängige Ausdruck (term in common use) wurde gerügt, weil Betrag ja schon eine Einheit in Geld bezeichne, und es sich hier folglich um ein Hendiadyoin (the expression of a notion by the use of two independent words, meaning the same) handle. Aber selbst wenn dem so ist: das Wort lässt sich kaum aus dem Sprachgebrauch ausmerzen (could hardly be removed from our linguistic usage, as is, for example, the case with the Hitler salute; anyone who pronounced this salutation in a little while has to appear before a court). – Siehe Papiergewinn, Posten, Total, Wert.

Zinssatz, risikoloser und risikofreier (risk-free interest rate)

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Zinssatz, risikoloser und risikofreier (risk-free interest rate):  1..Die Rendite einer vollkommen liquiden Anleihe, die keinerlei Risiko birgt. In den Modellen der Geldtheorie spielt ein solcher Zinssatz die Rolle eines Vergleichsmassstabs (comparsion basis, benchmark) für die Bepreisung risikobehafteter Vermögenswerte. Erstklassig bewertete Staatsanleihen (government bonds of issuers with first-class ratings) kommen diesem Musterbild nahe und werden daher auch von der Zentralbank bei ihren geldpolitischen Entscheidungen als Messgrösse zugrundegelegt. – 2.. Zinszahlungen erfolgen immer aufgrund eines Vertrags. Damit ist zwangsläufig ein Kontrahentenrisiko (counterparty risk: the possibility that the other party in an agreement will default) verbunden. Allein bei Geschäften mit der Zentralbank ist ein risikoloser Zahlungsstrom zugrunde zu legen. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 69 ff. (ausführliche, lehrbuchmässige Darstellung; viele Übersichten; sprachlich teilweise grauenhaft: der risikofreie Zinssatz ist ein „theoretisches Konzept“ [S. 69] und wird „in konzeptioneller Hinsicht“ [S. 70] erörtert; Literaturhinweise).

Strukturreformen (structural reforms)

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Strukturreformen (structural reforms): Alle Massnahmen zur Anpassung einer Volkswirtschaft an veränderte Gegebenheiten im eigenen Land und damit verbunden in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. In erster Linie sind dabei –  1..die Gütermärkte und –  2..der Arbeitsmarkt (hier vor allem durch Regelungen für den Ruhestand [retirement plans], Schulungsmassnahmen, wirkungsvolle Arbeitsvermittlung, flexible Lohnsetzung, Lockerung des Kündigungsschutzes [easing of dismissal protection]) betroffen. Indessen bedarf es oftmals auch –  3..einer Umgestaltung des beruflichen Bildungswesens (reorganisation of the vocational training), –  4..des Ausbaus der Verkehrswege (expansion of traffic network) und der Telekommunikation (telecommunications sector) sowie –  5.. eines Technologieschubs (better promotion of innovation and technology). Geschieht das alles nicht laufend, sondern wird verschleppt (is delayed), so verschlechtert sich der Aussenwert der Währung. Das Land gleitet mehr oder minder schnell in den Staatsbankrott ab. – In einem gemeinsamen Währungsraum wie dem Eurogebiet kann ein reformunwilliges Mitglied alle anderen Teilnehmer in eine Krise stürzen. Es ist daher durchaus berechtigt, wenn reformunwillige (reform-averse) Teilnehmer der EWU durch Gruppendruck zum Abbau makroökonomischer Ungleichgewichte gedrängt werden. – Siehe Angleichungsautomatismus, Bail-out, Blame game, Erpressungspotential, Euro-Bonds, Europäische Schuldenagentur, Europäische Währungsunion, Grundfehler, Europäischer Stabilitätsmechanismus, EWU-Sprengsatz, Finanzstabilität, Goldopfer, Grexit, Gruppendruck, Haushaltskonsolidierung, Irland-Krise, Neuro, Politikklammer, Politikverzug, Rückschlag-Effekt, Schuldenclub, Schuldendroge, Schuldentragfähigkeit, Semester, europäisches, Solidarität, finanzielle, Staatsverschuldungs-Druck, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Grundfehler, Steuerungs-rahmen, Transferunion, Verfassungsartikel eins, Verkrustungen, strukturelle, Verschul-dung-Produktivität-Verkettung, Vertragstreue, Wachstum-Schulden-Tatsache, geschichtli-che. – Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2014, S. 21 ff. (ausführliche Darstellung der Wirkungen verpasster Strukturreformen bei Mitgliedern der EWU; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 63 ff. (kurzfristige und langfristige Wirkungen von Strukturreformen, Übertragungseffekte; Literaturhinweise; Übersichten).

Rückprall-Effekt (rebound effect)

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Rückprall-Effekt (rebound effect): In Zusammenhang mit der Konjunkturdiagnose die empirisch belegte Tatsache, dass grundsätzlich (as a rule, i.e.: there are exceptions) eine wirtschaftliche Erholung umso stärker eintritt, je schwächer das Bruttoinlandsprodukt in den Perioden davor wuchs. – Siehe Ansteckungswirkungen, Antizyklizität, Apfelernte-Schluss, Baisse, zyklische, Konjunktur, Konjunkturzyklus, Periptose, Prozyklizität, Spinnweben-Modell, Zyklik. – Vgl. Monatsbericht der EZB vom Juli 2014, S. 57 (Erklärung des Rückprall-Effektes; Situa-tionsbedingtheit; Literaturhinweise; Übersichten).

Bucketing (wie im Englischen), seltener Abschöpferei (bucketing, occasionally called bucketeering)

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Bucketing (wie im Englischen), seltener Abschöpferei (bucketing, occasionally called bucketeering): Eine unzulässige Börsenpraxis, bei welcher der Broker den Auftrag eines Kunden annimmt. Er gibt diesen aber nicht sofort an die Börse weiter. Vielmehr wartet er ab, bis die Ausführung des Auftrags für ihn selbst, jedoch zum Schaden des Kunden, vorteilhaft ist (the practice in which a broker that agrees to buy or sell on behalf of clients at a given price instead buys at a lower price or sells at a higher price in order to keep the difference as profit). – Siehe Bucketshop, Kursschnitt, Scalping, Winkelmakler.

Börsen-Arbeitskabinen (exchange booths)

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Börsen-Arbeitskabinen (exchange booths): An der Börse mit moderner IT-Technik ausgestattete, abhörsichere Räume, die Börsenmitglieder zwecks Verbindung mit der Börsenabteilung des eigenen Instituts bzw. unmittelbar mit Kunden nutzen können (bug-proofed workspaces on the exchange where members can receive orders). Mit –  1 der Verbreitung relativ sicherer, leistungsfähiger tragbarer Geräte (difficult-to hack powerful portable information devices) aller Art ab etwa 2010 sowie –  2 dem Aufkommen elektronischer Börsen sank die bis anhin wichtige Bedeutung der Kabinen. – Siehe Devisenhandel, computerisierter, Flash Crash, Geisterstunde, Handelssystem, alternatives, Dematerialisierung, Eurex, Parkett, Platzgebrauch, Präsenzbörse, Springer, Taubengeld, XXetra.

Friedhof (boneyard)

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Friedhof (boneyard): Wenn nicht anders definiert im Jargon der Finanzwelt der USA die Landeszentralbank Neuyork innert des amerikanischen Zentralbanksystems (a nickname for the Federal Reserve Bank of New York; boneyard = a cemetery because it is full of bones from all the dead bodies; in the figurative sense: persons without brain, lacking of competence). Demgegenüber besteht das Personal der Zentralbanken in ganz Europa – und in der Teutonie zumal – nur aus höchst sachkundigen, arbeitsfreudigen und strebsamen Menschen.