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nachtodliche Belehrung – vom Abendmahl

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VOM ABENDMAHL

Eine nachtodliche Belehrung durch den talentvollen, hochgelehrten,
reichbegnadeten, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,
durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat;

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften sowie Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Mar-burg/Lahn; davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Vieharzneikunde – an der Universität Heidelberg und vordem seit 1778 in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern;

ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft in Elberfeld, dort auch Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenheilkunde und behördlich bestellter Brun-nenarzt sowie Lehrender in Physiologie; der Kurpfälzischen ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie von 1781 an bis zum Verbot der Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet durch Erlass vom 22. Juni 1784 aus München auch der erlauchten Loge
„Karl August zu den drei flammenden Herzen“ in Kaiserslautern Mitglied

und
dem Auftrag zur Bekanntgabe der wohlannehmlichen Redwechslung mit englischer Hülfe allerfüglichst Genüge leistend, hieraufhin anmit in eifervollem Bestreben dienstfertig erge-ben für das Internet werkstellig gemacht, dabei alle Leser beständiger gÖttlicher Obhut und getreuen Schutzes himmlischer Geister innigst empfehlend

durch

Stetsmehr Diesseitsfremd
in Lichthausen, Grafschaft Leisenburg*.

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Markus-Gilde, Siegen

Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung durch die
löbliche Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland)

mailto: merk@vwl.wiwi.uni-siegen.de

Vom Abendmahl

Bummel durch ein Grosskaufhaus in Hamburg

Vergnügen schafft mir überaus
Zu schlendern durch ein Warenhaus.
Nicht, dass ich dabei kaufen müsste:
Es sind bloss reine Schau-Gelüste!

Was tut als Mode neu sich dar
Bei Herren-Kleidung dieses Jahr?
Sind Schuhe spitz jetzt oder rund,
Die Socken uni oder bunt?

Was gibt es Neues für die Küche?
Bevorzugt man Gewürz-Gerüche
Jetzt auch bei Seifen und Kosmetik?
Ist Rohkost Trumpf in der Diätik?

Sind klein schon wieder alle Tassen,
Dass kaum sie drei Schluck Kaffee fassen,
Auch oben breit und unten schmal:
Ob dessen wacklig allemal,
Ersonnen wohl von einem Gauch,
Dem fremd zu sein scheint der Gebrauch
Und wichtig wohl nur, dass abnorm
Der Tasse „Styling“: ihre Form?

Was scheint bei Möbel derzeit Mode?
Kehrt wieder denn die Stil-Kommode?
Sind Teppiche jetzt flauschig-hoch?
Hat man den Kokos-Läufer noch?

Was ist bei Rechnern aktuell?
Was bringt an Leistung ein Modell?
Sind Bücher in der Billig-Kiste,
Die Monats-Besten auf der Liste?
Hängt Bilder man daheim nun auf
Mit bunten Klecksen bloss zuhauf?

Unmittelbarkeit des Warenangebots unerlässlich

Ich sehe überall mich um
Und widme mich dem Studium
Des Angebots an Waren dort;
Wie schon erwähnt: für mich ein Sport.

Bis heute kann ich kaum verstehen,
Wie jemand Waren kann besehen
Im Katalog von A bis Zett,
Bestellen dann im Internet.
Ich muss die Ware auch befühlen,
Wenn möglich im Regal gar wühlen
Und nehmen wahr dazu den Duft:
Zum Online-Handel eine Kluft!

Versetztsein in eine andere Welt

So sah in Hamburgs Innenstadt
Ich morgens mich an Waren satt
In einem Kaufhaus von Format;
Vom Haupt-Tor aus ich es betrat.

Jetzt hatte ich genug gesehen;
Nach draussen war ich just am gehen
Und schritt zum Hinter-Ausgang hin.
Jetzt eben stand ich mittendrin
Dort zwischen beiden Flügel-Türen,
Als Trugbild wähnte ich zu spüren.

Hier ist nicht mehr die Innenstadt:
Es nirgendwo noch Häuser hat
Kein Lärm, Gestank von Auspuff-Gasen;
Man sieht noch nicht einmal mehr Strassen.

Statt Hamburgs flacher, platter Flur
Zeigt nun sich Hügelland-Natur.
Verschwunden ist der leichte Regen,
Der über Hamburg heut gelegen;
Kein Nebel mehr; die Sonne lacht,
Ein lauer Luftzug fächelt sacht.

Ich rieche frischer Blumen Duft,
Der ringsumher liegt in der Luft.
Auf sanften Auen tief in Grün
Wohl Tausende von Pflanzen blühn
In Farben, die dem Auge weich,
An Formen und Gepräge reich.
Kein Laut mehr von der Stadt Krawall:
Nur tiefe Stille überall.

Erklärung des Ungewöhnlichen wird gesucht

Die mannigfachen Pflanzen-Arten,
Die sich dem Auge offenbarten,
Beflügelten stracks die Vernunft:
Hier hat bestimmt die Gärtner-Zunft
Mit Umsicht, Kenntnis und Geschick
Natur wohl als Reklame-Trick
Geformt, um Samen zu verkaufen
Nebst Blumen-Zwiebeln gleich in Haufen.

Doch halt! Das kann bestimmt nicht sein,
Belehrend mein Verstand fiel ein.
Wie soll die Stadt denn ganz verschwinden?
Wer könnte Mittel wohl erfinden,
Dass plötzlich Sonne, wo jetzt Regen
Und Ruhe dort, wo Autos fegen;
Gestank sich ganz zu Wohlduft wandelt;
Die Umwelt bleibt nicht mehr verschandelt?
Die eine Wahl bot sich nur dar:
Dies Trugbild oder Wunder war!

Ich nannte das Sinnieren grad,
Das ich ob dieser Lage tat.
Konkret blieb es Gedanken-Ticken:
War Sache nur von Augenblicken.

Engel Siona kommt auf mich zu

Verdutzt, erstaunt stand so ich da,
Als nahte sich Geist Siona.1
Von einem Hügel kam er her;
Mir schien, als ob in Hast er wär‘.

„Herr Stetsmehr: lasst von Hamburg ihr
Euch führen durch das Land von mir
Nach dort, zu jener Niederung,
Wo harret eurer Hofrat Jung.2

Der Engel nahm mich bei der Hand;
Sekunden höchstens ich empfand,
Als Siona bereits hielt an;
Auf einer Bank ich Platz gewann,
Allwo bereits Jung-Stilling sass,
Der mich mit froher Miene mass.
Geist Siona sogleich verschwand,
Noch ehe ich ein Dankwort fand.

Belehrung wird angesagt

„Mein Stillings-Freund3“, sprach Hofrat Jung,
„Verzeiht mir die Belästigung!
Ich habe Siona gebeten,
In eure Schritte einzutreten:
Zu mir euch flugs hierher zu bringen
Mit Hilfe seiner Engels-Schwingen.
Wollt ihr hier bleiben für ein Stück?
Bald Siona bringt euch zurück.“ –

„Ich fühle mich geschätzt, geehrt,
Dass ich, Herr Hofrat4, bin es wert
In diese Himmels-Landschaft hier
Versetzt zu sein durch den Kurier,
Den sandten sie nach Hamburg grad,
Als dort ich einen Rundgang tat.“ –

„Herr Stetsmehr“, Stilling unterbrach,
„Im Selbstlob bitte seid gemach!
Nicht euretwillen dies geschah.
Ihr sollt es vielmehr bringen nah
Den Stillings-Freunden auf der Welt:
Nur dazu hat man euch bestellt!
Vermeidet alle Eitelkeit
Und seid zum Dienen bloss bereit!“

Gesenkten Hauptes sass ich da:
Beschämt, zerknirscht, den Tränen nah.
Jung-Stilling stand nun auf vom Platz;
Auch ich sprang auf in einem Satz.
Nach Osten er begann zu schreiten,
Er winkte mir, ihn zu begleiten.

Wort und Sakrament in der Kirche

„Wenn zieht ihr, Stetsmehr, in Betracht
All das, was GOtt uns zugedacht:
Was ist die grösste Gnaden-Gabe,
Der Güte GOttes höchste Labe?“ –

„Das ist, Herr Hofrat, jener Hort
Gegeben uns in GOttes Wort
Das über allem Reden steht,
Voll Kraft und Macht, weil in ihm weht
Der HEilge GEist, so dass das Wort
SEin Mittel, Ausdruck wie auch Ort.“ –

„Was ihr hier sagt, ist in sich richtig:
Das Wort ist ausschlaggebend wichtig.
Stets drum in reformierten Kreisen,
Tat Ehrfurcht man dem Wort erweisen,
Wiewohl grad hier die Theologen
Es griffen an und dreist verbogen:
Begannen schamlos zu sezieren
Und zu ‚ent-mythologisieren‘.

Indes auch unsre Kirche kennt
Daneben noch das Sakrament!
Die grösste Gnade allzumal
Wird Menschen bei dem Abendmahl,
Wie uns die Bibel klärlich lehrt,
Der Katechismus auch erklärt.5
Doch leider hat man nicht nur jetzt
Dies Sakrament hintangesetzt;
Tat dessen reiches Gnaden-Wirken
Auf karge Fälle einbezirken.
Es stand dies wunderbare Mahl
Karfreitags schliesslich bloss zur Wahl.“

Fragen zum Abendmahl

Gespannt sah mich Jung-Stilling an;
Mit Fragen daher ich begann.
„Herr Hofrat Jung! Soll Abendmahl
Genossen werden jedesmal
Wenn Gottesdienst gefeiert wird?
Gemeinde wäre dann verwirrt,
Weil bisher man doch so verfuhr
Dass Weihnacht, Ostern, Pfingsten nur
Das Abendmahl wird ausgeteilt –
Wenn schon die Meisten sind enteilt –
In einem Anhang beigefügt:
Und dies den Leuten voll genügt,
Die bleiben noch zum Abendmahl:
Gering bei uns ist ihre Zahl!

Vier Dinge gälte es zu klären.
Warum soll man das Mahl begehren?
Ist heilsnotwenig sein Genuss,
So dass der Christ es nehmen muss?
Bringt Abendmahl spezielle Gnaden,
Weshalb es jedem anzuraten?
Und schliesslich noch: wer reicht das Brot?
Wie ist genau des HErrn Gebot?
Zu diesen Fragen bitte ich,
Dass sie belehren heute mich.“

Im Abendmahl ist JEsus gegenwärtig

„Mein Stillings-Freund! Zur ersten Frage
Habt Acht, was Grosses ich euch sage:
Im Abendmahl ist JEsus da!
Die Schrift ist überdeutlich ja
In diesem Punkt, wenn leset ihr,
Was dazu ausgesagt ist hier.6

Der Streit um ‚ist‘ scheint lächerlich;
Der HErr hat klar geäussert sich:
In Kraft und Wirkung ER ist da,
Mitnichten irgendwie bloss nah;
Natürlich ‚da‘ nicht so, dass ER
In Brot und Wein kommt zum Verzehr;
Genau so wenig, wie dass ganz
Verlören Brot und Wein Substanz.

Wer einschränkt ‚ist‘ auf dürres ’nah‘,
Und bietet nur ein Gleichnis da,
Versündigt sich am Sakrament
Und Christen so von JEsus trennt.

Heilswirkungen des Abendmahls

Nun komme ich zu Frage zwei:
Ob Abendmahl denn nötig sei,
Damit der Mensch erlangt das Heil?
Im Abendmahl wird ihm zuteil
Ein Unterpfand der Ewigkeit7:
Gemeinschaft es mit GOtt verleiht.

Drum sollte man es nutzen doch;
Es ist Geschenk, allein kein Joch!
Denn GOttes Gnade ist nicht zwingend,
Und JEsu Minne nicht verschlingend.8
Wo immer Liebe wird zur Pflicht,
Die Neigung ziemlich rasch zerbricht.

Die Gnaden-Gaben allzumal,
Geschenkt dem Christ im Abendmahl,
Sind gar nicht völlig zu ermessen;
In Gruppen lasset mich indessen
Versuchen, sie zu unterscheiden;
Doch will ich lange Rede meiden.

(1) Zunächst legt uns die Bibel dar,
Dass JEsus schenkt sich wunderbar
Dem Christen, der nach freier Wahl
Geniesst mit Ernst das Abendmahl.
Geheimnis dies des Glaubens ist:
Der Menschengeist dies nie ermisst.9

(2) Sodann knüpft sich ein Liebens-Band
Mit jedem, der im Christenstand
Als Bruder, Schwester sich ermisst
Und mit uns an dem Tische isst.10
Gemeinschaft dieses Mahl löst aus:
Es ist nicht Ausdruck bloss daraus!
Das ist es auch; doch nicht primär:
Geschieht doch dies erst hinterher.

(3) Es tilgt das Abendmahl auch Sünden,
Kann GOttes-Kindschaft neu begründen.
Drum ist die Beicht auch überflüssig –
Aus manchen Gründen gar verdrüssig,
Wie ich versuchte zu vertiefen
Beweisend in den Sulzer-Briefen.11

(4) Die Sinnlichkeit, wie ich sie seh‘
In meiner Schrift ‚Theodicee’12
Ist durch das Abendmahl gemindert;
Ihr Überborden so verhindert.
Gestärkt die Lust am Heile wird,
Der Christ zum Guten angeschirrt.

(5) Als Wegleitung zur Seligkeit
Das Abendmahl die Macht verleiht,
Versöhnung jetzt schon zu erschliessen,
Im Jenseits GOtt ganz zu geniessen.13

Letztlich ist das Abendmahl ein Geheimnis des Glaubens

Doch sei, Herr Stetsmehr, nicht vergessen:
Man kann mit dem Verstand ermessen
Dies Rätsel, Wunder nimmermehr:
Geheimnis bleibt es inhaltsschwer.
Es warnen daher auch die Alten
Mit Grübeln sich hier aufzuhalten.14
Man kann im Glauben hier allein
Des HErren Dasein sehen ein.

Wer soll das Abendmahl feiern?

Zur letzten nun von euren Fragen:
Wem sei von GOtt es aufgetragen
Zu feiern hier das Abendmahl?
Im Grunde ist das ganz egal,
Solang ein Christ im Glauben steht,
Im Kreis von andren nach Gebet
In Demut rufet JEsum an,
In Würde teilt es aus sodann.

Der Glaube gibt dem Wirken Kraft,
Die Ehrfurcht daraus Früchte schafft.
Drum warnt der HErr mit Nachdruck auch
Vor würdelosem Mahl-Gebrauch.15

Ich lag bereits im Sterben schon,
Die Seele halb zum HErrn entflohn,
Als ich das Brot den Meinen brach,
Den Abschieds-Segen darauf sprach.16

Das Abendmahl im eignen Haus
Schliesst keineswegs natürlich aus,
Dass auch man in der Kirche trät‘:
Im grossen Kreis zum Mahle geht.

Gewiss setzt das jedoch voraus,
Dass viel mehr auch im Gotteshaus
Dies Sakrament gefeiert wird;
Denn grad der Reformierte irrt,
Der wähnt, dass für Karfreitag nur
Das Mahl die Stiftung einst erfuhr.“

Kult des Abendmahls nicht geboten

„Herr Hofrat Jung! Mir fällt noch ein:
Ob ratsam, nützlich es kann sein,
Wenn man zur Demonstration
Zeigt vor in einer Prozession
Geweihtes Brot, wie heute noch
Bei Katholiken üblich doch?“ —

Mein Stillings-Freund: es steht wohl fest,
Der HErr sagt: ‚Nehmet hin und esst!“6
Man hieraus kaum begründen kann;
‚Tragt es herum und betet an!‘
Doch Katholiken stehe frei,
Das Abendmahl auch solcherlei
Zu ehren, feiern öffentlich,
Wo sie sind völlig unter sich.

Bedenkt, dass ihre Liturgie
Ja vieles von den Römern lieh;
Und dort war Festzug mit Symbolen,
Mit Fahnen, Zeichen und Idolen
Gebräuchlich: dieses sog dann auf
Die alte Kirche ja zuhauf.

Die Kirchen der Reformation
Verbannten diese Tradition:
Man sah das ‚reine‘ Christentum
Vermengt hier eng mit Heidentum.

Ob dem so ist, sei nicht erfragt;
Heut überall die Einsicht tagt,
Dass Glaube sich ‚akkulturiert‘:17
Er jeweils eine Art gebiert,
Durchsetzt mit Formen haufenweise
Aus einzlner Völker Lebensweise.

So hat auch deutsche Denkungsart
Sich mit dem Luthertum gepaart;
Und reformierte Lehrdoktrin
Hat viel von Zürich und Genf geliehn.18

Denkt nur, wie deutsche Sprache ja
Das Luthertum mit Schub versah!
Seitdem im Gottesdienst ging ein
Bei Katholiken das Latein,19
Fand ein Bewusstsein Lagerstätte,
Das Febron20 selbst geglaubt kaum hätte.
Doch dies führt ab sehr tief in Weiten,
Die ich heut möchte nicht beschreiten.

Man lasse also ruhig ziehn –
Auch mit Monstranz21 und Baldachin22 –
Die Katholiken querfeldein,
Wo sie sind unter sich allein.

In Städten und Gemischtgebieten,
Wo dies stört leicht den Kirchenfrieden,
Fronleichnam23 sei gerichtet aus
Daheim im eignem Gotteshaus.
So ist es ja inzwischen auch
In Deutschland insgemein der Brauch.“

Ende der Belehrung; Siona erscheint wieder

Jung-Stilling wollte reden mehr,
Doch nun kam Siona daher
Und blickte Stilling seltsam an;
Der drehte sich zu mir sodann.

„Mein Stillings-Freund: so viel für heute!
Es war mir eine grosse Freude,
Zu stehen Rede allen Fragen,
Die euch zum Mahl am Herzen lagen.
Geist Siona bringt euch retour
Nach Hamburgs wohlvertrauter Flur.

Schreibt auf, was ich euch heut gesagt,
Solang ihr es im Sinne tragt;
Und fasst es bitte auch in Reime,
Auf dass im Herz es besser keime.

Bleibt stets der Demut beigetan;
Gefährdet euch nicht durch den Wahn,
Dass ihr, weil viel euch ward gesagt,
Die andren darob überragt,
Und seid nicht eingeschnappt, dass ich
Euch mahne darin brüderlich.
Grüsst alle Stillings-Freunde mir:
Sie haben Heimat-Rechte hier!“

Siona führt mich nach Hamburg zurück

Geist Siona schritt auf mich zu;
Er führte schwebend mich im Nu
Zurück nach Hamburg, dorthin grad,
Wo vorhin ich nach aussen trat.

Doch diesmal blieb die Zeit nicht stehn!
Im Gegenteil: es war statt zehn
Inzwischen fünfzehn Uhr geworden;
So lang war ich bei Stilling dorten!

Überraschung im Café des Kaufhauses

Gleich ging ins Kaufhaus ich zurück
Und hatte auch das grosse Glück,
Dass ich durch Zufall noch erwisch‘
Im Café einen freien Tisch.
Dort brachte gleich ich zu Papier,
Was Stilling eben sagte mir.

Drauf achtsam ganz, nahm ich nicht wahr
Zunächst den Herrn, der offenbar
Vom Nachbartisch aus sah mir zu,
Beflissen spähend, was ich tu‘.

Das Haupt ich nun nach hinten legte
Und dabei grübelnd Rückschau hegte,
Ob mein Gedächtnis hat noch mehr
Als das, was schrieb ich auf bisher.

Geist Guël bringt den Text in Form und Reim

Da trifft mein Aug des Fremden Blick.
Mein Kopf erstarrte im Genick,
Vor Schreck ging auch der Mund mir auf,
Der Puls schlug wie nach raschem Lauf:
Der Herr am Nebentisch ganz klar
Der Himmelbote Guël24 war!

Es löste die Erstarrung sich,
Als Guël trat an meinen Tisch.
„Herr Diesseitsfremd“, sprach er mich an,
„Ihr sitzt da wie ein Hampelmann!
Reckt hoch den Kopf und schliesst den Mund;
Bin ich denn eures Schreckens Grund?

Das tät mir leid! Ich dachte doch
Dass, Stillings-Freund, ihr kennt mich noch!
Ich soll euch hier zur Seite stehen,
Was ihr geschrieben, übersehen
Sowie auch bringen insgeheim
Jung-Stillings Rede schön in Reim.
Doch trägt sich zu das alles nicht,
Falls eurem Wunsch es nicht entspricht.“

Erleichtert, frohgemut im Sinn,
Gab Guël nun mein Blatt ich hin.
Mit Windeseile schrieb er nieder,
Was hier der Leser findet wieder.

Auf einmal löst sich Guël auf:
Entzieht sich wohl dem Erdenlauf.
Hell fängt sein Körper an zu flimmern,
Um allgemach drauf zu verschimmern.
Zuletzt fiel zuckend mehrmals ein
Dort, wo er sass, noch bleicher Schein,
Wie er sich zeigt, wenn voller Mond
Nachts über glattem Wasser thront.

Kritiker mögen an anderen Dingen Anstoss nehmen

Damit sich alle Stillings-Treuen
An dieser Botschaft auch erfreuen,
Gab ein das alles ich komplett
Zum Download in das Internet.

Natürlich werden welche knurren,
Und andere vernehmbar murren,
Weil es nach deren Vorurteil
Nicht sein darf, dass je wird zuteil
Den Menschen nieden einen Kunden
Aus eines Jenseits-Wesens Munde.

Die Armen ach! Sie sind verrannt
In ihren Herzen und Verstand
Ins Diesseits bloss und daher blind
Für das, was Geister wohlgesinnt
Die Erdenbürger lassen wissen:
Sie leugnen solches starr verbissen.

Euch fleh ich an: seht doch auch ein,
Dass jemand mag umgeben sein
Von Geisteswesen, die ihn lehren,
Mit Jenseitsbotschaft reichlich nähren!

Dass das Genörgel ihr doch dämmt:
Drum bittet Stetsmehr Diesseitsfremd,
Der grüsst die Leserschaft heraussen
Aus Leisenburg, vom Dorf Lichthausen.*

Anmerkungen, Quellen und Hinweise

*   Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zu-ge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Be-zirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Sie-gen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theo-dor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsver-lauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register.

Lichthausen = bei Jung-Stilling die ehemalige selbständige, durch den Bergbau geprägte Gemeinde Littfeld im vormaligen Fürstentum Nassau-Siegen; seit 1. Januar 1969 Teil der Stadt Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein. Durchflossen wird der Ort von der rund 13 Kilometer langen Littfe, einem wasserreichen Zufluss in den rund 24 Kilome-ter langen Ferndorfbach, der seinerseits ein rechten Nebenfluss der Sieg ist und im Zent-rum von Siegen-Weidenau in die Sieg mündet.

Die Littfe ihrerseits wird im Ortsgebiet von Littfeld von Osten durch den Heimkäu-ser Bach (offizieller Name im Gewässerverzeichnis des Landes NRW: Die Heimkaus, 4,7 Kilometer lang) und von Westen durch den Limbach (2,1 Kilometer lang) gespeist.

Der Name Littfeld leitet sich ab aus dem keltischen Wort „Let“ für „Lehm“. Die in vielen Gewässernamen der Gegend vorzufindende Endsilbe „-phe“ ist die sprachlich ab-geschliffene Form von „apha“ = der Bach.

Aus Littfeld kam die Mutter Johanna Dorothea Fischer (1717-1742) von Jung-Stilling; dort wirkte auch sein Patenonkel Johann Heinrich Jung. – Siehe zu dieser her-ausragenden Persönlichkeit Gerhard Merk: Oberbergmeister Johann Heinrich Jung (1711-1786). Ein Lebensbild. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1989.

Im wirtschaftsgeschichtlich in vieler Hinsicht bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 2) geboren, he-rangewachsen und dort hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1   Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdi-scher Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Rohm) 1999, S. 219 ff. (S. 279: „Siona hatte mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert“).

(a)    Der Name Siona bedeutet letztlich „die Himmlische“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: THESAURI BIBLICI PARS SECUNDA, NEMPE ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO-ETYMOLOGICUM. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. (ein bis heute kaum übertroffenes Standardwerk, das viele Nachdrucke und Übersetzungen erfuhr) oder auch bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA, SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (ein gleichfalls bewährtes und häufig nachgedrucktes Werk).

(b)    Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als –  „unaus-sprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), die ihn „immer ungesehen umschwebt“ (ebenda, S. 271) –  „göttliche Freundin“ (ebenda, S. 223) bzw. –  „göttliche Lehrerin“ (ebenda, S. 228), dankt der –  „erhabenen Dol-metscherin“ (ebenda, S. 241), die ihm – oft ungesehen –  als Engel „immer liebvoll zur Seite ist“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Ge-sängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282),

aber –  auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und –  Jung-Stilling, der im Chrysäon Selmar (wohl in Anlehnung an den Rufname Selma seiner zweiten Ehefrau Maria Salome) heisst, auf einer „Himmels-Leiter“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Maria Salome von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Ge-sang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen „in müdes Weltge-wühle“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

(c)    Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff. – Vgl. zum Grundsätzlichen auch Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet die Ad-resse <http://www.himmelsboten.de>

2   Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (Philosophie [Universität Heidelberg, ehrenhalber 1786]) und Arzneigelehrtheit (Medizin [Universität Strassburg, Promotion 1772]) Doktor. – Siehe kurz zusammenfassend Gustav Adolf Benrath: Artikel „Jung-Stilling, Johann Heinrich“, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 17. Berlin, New York (Walter de Gruyter) 1987, S. 467 ff. sowie Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensge-schichte. Vollständige Ausgabe, hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. IX–XXXI (Einleitung) – Jung-Stilling wurde in der letzten Zeit wiederholt auf Erden gesehen.

(a)    Siehe Grundsätzliches zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt Johann Hein-rich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsi-gen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererschei-nungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw‘-sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987 und öfters), S. 220 ff. – Es erschienen damals bei Raw im Frühjahr 1808 zwei Ausgaben der „Theorie der Geister=Kunde“, und zwar auf verschiedenartigem Papier gedruckt. Im gleichen Jahr kam dann auch noch ein (Raub-)Nachdruck „Frankfurt und Leipzig [ohne Verlagsanga-be], 1808“ heraus.

(b)   Die „Theorie der Geister=Kunde“ von Jung-Stilling wurde seither bis in unsere Tage in vielen Ausgaben veröffentlicht und auch –  1812 ins Schwedische (veranlasst durch Prinz Karl von Hessen-Kassel [1744–1836], mit dem Jung-Stilling zu jener Zeit in enger Verbindung stand); –  1814 ins Niederländische (durch Joan Petrus Kleyn [1760–1805]), –  1834 ins Englische (durch Samuel Jackson aus Tulse Hill, heute Stadtteil von London) sowie –  1851 ins Amerikanische (durch Pfarrer George Bush) und –  1862 auch ins Französische (wahrscheinlich durch Pfarrer Gustave-Adolphe Rosselet aus Cor-taillod im Kanton Neuenburg) übersetzt. – Für die deutschsprachigen Leser in den Verei-nigten Staaten kam 1816 eine Ausgabe bei dem Verleger Heinrich B. Sage in Reading, Pennsylvania heraus; Jung-Stilling hatte dort eine ansehnliche Lesergemeinde, und Sage brachte auch andere Werke von Jung-Stilling dort zum Druck. – Siehe hierzu und zur Jung-Stilling-Literatur gesamthaft die Zusammenstellung bei Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993 (Schriften der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland, Bd. 28).

(c)    Vgl. zu Themenkreis der „Theorie der Geister=Kunde“ auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. und eingel. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2) sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995. Diese Schrift ist auch unentgeltlich als Download-File bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar.

(d)   Siehe in diesem Zusammenhang die entsprechenden Erscheinungs-Berichte (soweit diese im Druck erschienen bzw. veröffentlicht sind) zuletzt aufgezählt bei Bleibfest Stil-lingtreu: Wundersame Begegnung an der Sal. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 2000, S. 51 ff.

3   Stillings-Freund(in) meint –  Gönner, Förderer, später –  Verehrer und Anhänger („Fan“: vom lateinischen FANATICUS = begeistert, entzückt) sowie auch nur –  eifriger Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Ausdruck stammt von Jung-Stilling selbst. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit An-merkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buch-gesellschaft) 1992, S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. – Auf der anderen Seite gibt es aber auch   „Stillings-Feinde“, siehe ebendort, S. 316.

4   Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern vom 31. März 1785 die Ernennung zum „Kurpfälzischen Hofrat“; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 2), S. 427.

(a)   Jung-Stilling hatte dem Wittelsbacher Kurfürsten 1772 seine an der Universität Strassburg eingereichte medizinische Doktorarbeit gewidmet und im März 1772 dem Kur-fürsten bei Hofe zu Mannheim persönlich überreicht. Diese trägt die Aufschrift „SPECIMEN DE HISTORIA MARTIS NASSOVICO-SIEGENENSIS“; sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Eisenerzeugung im Fürstentum Nassau-Siegen. – Mars = hier: FERRUM, QUIA ROMANIS OLIM FERREUS MARS FUIT; siehe zur älteren Metall-Lehre übersichtlich, in drei Thesen ge-ordnet Anton Lütgens: METALLORUM NATURAM ET DIFFERENTIAS EXPLICANS DISSERTATIO PHY-SICA. Kiel (Barthold Reuther) 1707.

(b)   Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger mancherlei Vergünstigungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt insonders zum Vorteil gereichte) an Wegschranken, Pos-ten, Schildwachen, Stadttoren, Fähren, Übergängen, Brücken sowie an den seinerzeit auch innerlands unzähligen Schlagbäumen vor Post-, Maut- und Grenzstationen.

(c)   Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II. bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die dauernde Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt.

(d)   In Artikel 6 des Vertrags heisst es im einzelnen genauer: „S. M. l’Empereur et Roi (nämlich Franz II, der letzte Kaiser des alten Reichs; er legte nach Bildung des Rhein-bundes am 6. August 1808 die deutsche Kaiserkrone nieder), tant en Son nom qu’en celui de l’Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg du Rhin (= die Schiffahrts-Rinne) soit désormais la limite entre la République française et l’Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l’endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le terri-toire helvétique, jusqu’à celui où il entre dans le territoire batave.“

(e)   Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die ihre (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten.

(f)   Durch besondere günstige Umstände (verwandtschaftliche Beziehungen zu Frank-reich traten später hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete am 6./7. April 1806 zu Paris Stéphanie de Beauharnais [1789–1860], die 17jährige Adoptiv-tochter von Napoléon Bonaparte) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung stieg von ungefähr 175 000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel „Königliche Hoheit“ auf.

(g)   Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der al-ten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der [seit 1720] neuen Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommer-Residenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgar-ten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 („Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs“) der „kurpfälzische“ DE JURE PUBLICO automatisch nunmehr zum „badischen“ Hofrat.

(h)   Anfang April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als persönlicher Berater des Grossherzogs von Baden („ohne mein Suchen“, wie er selbst betont) zum „Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen“ ernannt. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Ver-lag) 2002, S. 404.

(i)   Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (un-bekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergesslichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw’sche Buch-handlung) 1820, S. 27.

(j)   Jung-Stilling stand nach seinem, aus eigener Entscheidung gewählten Abschied von der Universität Marburg ab 1803 im Dienste des Hauses Baden. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbau-ungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersu-chung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vanden-hoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) so-wie zum Verhältnis zwischen beiden Persönlichkeiten auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erwe-ckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1).

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(k)   Karl Friedrich galt in Karlsruhe gleichsam als Übermensch. Als gelegentlich eines Trauergottesdienstes der katholische Stadtpfarrer Thaddäus Anton Dereser (1757-1827) nicht in den übertriebenen Lobgesang für den Verstorbenen einstimmen wollte, sondern am Rande der Predigt auch die teilweise rohe und schamlose Ausplünderung der katholi-schen Einrichtungen unter seiner Herrschaft ansprach, musste er Karlsruhe unverzüglich verlassen.

Siehe zur Person von Dereser die Broschüre von Joseph Gass: Der Exeget Dere-ser. Eine geschichtliche Studie. Strassburg (Le Roux) 1915 (mit einem Portrait von Dere-ser), Franz Xaver Münch: Der äußere Lebensgang des Aufklärungstheologen Thaddäus Anton Dereser. Bonn (Dissertation der Katholisch-Theologischen Fakultät) 1929 (aus-zugsweise im Druck) sowie Karl-Friedrich Kemper: Artikel „Dereser, Thaddaeus a Sancto Adama“, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. 32 (2003), Spalte 222-229.

Siehe zu den unterdrückenden obrigkeitlichen Massnahmen gegen die Katholiken unter der Regierungsgewalt der badischen Grossherzöge auch (Franz Joseph Mone:) Die katholischen Zustände in Baden, 2 Bde. Mit urkundlichen Beilagen. Regensburg (Manz) 1841/1843 und überaus einseitig und unsachlich zur Predigt von Dereser auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und hrsg. von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen) 2002, S. 485.

(l)   Als Beispiel der bei Hofe zu Karlsruhe genehmen Trauerreden von Geistlichen seien erwähnt –  Bernhard Boll: Trauerrede bey der kirchlichen Todten-Feyer seiner königli-chen Hoheit Karl Friedrichs, Großherzogs zu Baden, Herzogs zu Zähringen, gehalten in der Haupt- und Münsterpfarrkirche zu Freyburg den 1. July 1811. Freiburg (Wagner) 1811 (der Zisterzienser und Münsterpfarrer zu Freiburg Bernhard Boll (1756-1836) wurde 1827 mit 71 Jahren erster Erzbischof von Freiburg); –  [Gerhard Anton Holdermann 1772-1843]: Beschreibung der am 30ten Juny und 1ten July 1811 zu Ratsatt Statt gehab-ten Trauer-Feyerlichkeit nach dem Hintritte unsers (so!) höchstseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Rastatt (Sprinzing) 1811. Holdermann (1772–1843) wirkte als Pfar-rer zunächst in Heidelberg und bis 1829 in Rastatt.

Als elektronische Ressource im Rahmen der „Freiburger historischen Bestände–digitalisiert“ ist einsehbar –  die in lateinischer Sprache vorgetragene, an Lobpreisun-gen überladen-theatralische Rede von Johann Kaspar Adam Ruef (1748-1825): JUSTA FUNEBRIA SERENISSIMO DUM VIVERET AC CELSISSIMO PRINCIPI DIVO CAROLO FRIDERICO MAGNO DUCI BADARUM … DIE 22 JULII 1811 IN TEMPLO ACADEMICO PIISSIMA ET GRATISSIMA MENTE PER-SOLVENDA INDICIT JOANNES CASPARUS RUEF. Freiburg (Herder) 1811. – Ruef war Professor des katholischen Kirchenrechts an der Universität Freiburg, Oberbibliothekar und (wie Jung-Stilling seit 1806) Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat.

Gleichsam als Heiligen sieht den Verstorbenen –  Aloys Wilhelm Schreiber: Le-bensbeschreibung Karl Friedrichs Großherzog von Baden, 1728–1811. Heidelberg (En-gelmann) 1811 (Schreiber [1761–1841]) war seit 1805 Professor für Ästhetik in Heidel-berg und ab 1813 bis zu seiner Pensionierung Hofgeschichtsschreiber in Karlsruhe)

Vgl. auch –  Gedächtnißreden bey dem Tode Sr. K. Hoheit des Großherzogs Carl Friedrich von Baden. Gehalten von den Pfarrern der drey christlichen Confessionen zu Mannheim. Mannheim (Schwan) 1811 (Brochure), in der sich der reformierte, lutheri-sche und katholische Geistliche an Lob auf den verstorbenen Karl Friedrich offenkundig überbieten.

Geradezu bescheiden wirken demgegenüber andere Predigten, wie etwa –  [Christian Emanuel Hauber]: Kurze Abschilderung Sr. Königlichen Hoheit Carl Friedrichs Grosherzogs (so!) von Baden. Karlsruhe (Macklot) 1811 (Brochure); –  Theodor Fried-rich Volz: Gedächtnißpredigt auf den Höchstseeligen Großherzog von Baden Karl Fried-rich, gehalten den 30. Junius 1811 in der Stadtkirche zu Karlsruhe. Karlsruhe (Müller) 1811 (Brochure). Volz [1759-1813]), in Jena 1778 bereits promoviert, bemüht sich er-kennbar um die im Rahmen des Anlasses mögliche Sachlichkeit.

Aufgebläht, schwulstig und völlig kritiklos sind auch viele der zahlreichen Zentari-ums-Reden auf Karl Friedrich von Baden, wie –  Karl Joseph Beck: Rede bei der aka-demischen Feier des hundertsten Geburtsfestes des Hochseligen Großherzogs Karl Friedrich zu Baden … Gehalten von dem derzeitigen Prorector der Albert-Ludwigs-Hochschule. Freiburg im Breisgau (Wagner) 1828. Karl Joseph Beck (1794-1838) war Mediziner und Stifter des „Corps Rhenania“ in Freiburg.

Überspannt auch –  Friedrich Junker: Lobrede auf Carl Friedrich, ersten Groß-herzog von Baden. Bei der Säcularfeier der Geburt des unvergleichlichen Fürsten den 22. November 1828 gesprochen in Mannheim. Mannheim (Schwan & Götz) 1829 (Bro-chure); Junker hatte sich als Interpret des Philosophen Epiktet sowie als Schriftausleger einen Namen gemacht.

Beinahe als Halbgott stellt den badischen Herrscher dar –  Karl Wilhelm Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn: Gemälde über Karl Friedrich den Markgrafen, Kurfürsten und Großherzog von Baden. Ein Beitrag zur Säkular-Feier der Geburt des unvergeßli-chen Fürsten. Mannheim (Schwan und Götz) 1828 (Drais [1761–1851] gilt als der Erfin-der des Fahrrads (Laufrads, „Draisine“); sein Vater war badischer Oberhofrichter und Karl Friedrich sein Taufpate).

Weithin unkritisch gegenüber den Schattenseiten der Regierung von Karl Friedrich neuerdings auch Annette Borchardt-Wenzel: Karl Friedrich von Baden. Mensch und Le-gende. Gernsbach (Katz) 2006. – Ebenso blendet Gerald Maria Landgraf (Moderate et prudenter, Studien zur aufgeklärten Reformpolitik Karl Friedrichs von Baden [1728-1811] Dissertation Universität Regensburg 2008, im Internet abrufbar) das persönliche Leid vie-ler Menschen durch der Religionspolitik des Fürsten völlig aus.

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(m)   Bei nachtodlichen Erscheinungen wird Jung-Stilling gewöhnlich mit „Herr Hofrat“ angeredet, seltener mit „Herr Geheimrat“; siehe die in Anmerkung 2c genannten Berichte. Auch Siona, Schutzengel von Jung-Stilling, nennt diesen Dritten gegenüber „Hofrat Jung“. – Der Titel ist hier gleichsam als ein fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS, wie etwa „Apostel Paulus“ oder „Kaiser Karl“) zu verstehen, und  n i c h t  als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS, wie er zu Lebzeiten Jung-Stillings mit der Ver-leihung beabsichtigt war).

(n)   „Stilling“ (= ein friedfertiger, verträglicher Mensch) ist ein individueller Beiname (AP-PELLATIO PROPRIA; der Sinn dieser Namenszulegung ist beinebens bis heute noch nicht eindeutig und befriedigend erklärt; Jung-Stilling äussert sich selbst dazu nicht) und wirkt sehr vertraulich.

(o)   Ein jeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, empfängt von GOtt einen neuen Na-men, siehe Offenbarung 2, 17 sowie (Johann Heinrich Jung-Stilling:) Die Siegsgeschichte der christlichen Religion in einer gemeinnüzigen (so!) Erklärung der Offenbarung Johan-nis. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1799, S. 89. – Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). Siehe [Christi-an Gottlob Barth:] Stillings Siegesfeyer. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freun-den und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817.

5   Siehe Mt 26, 26–28, Mk 14, 22–24, Joh 6, 48–59; 1 Kor 11, 24–28.

6   Siehe Mt 26, 26 („Nehmet hin und esset: das ist mein Leib“); Mk 14, 22 („Nehmet hin: das ist mein Leib!“); 1 Kor 11, 24 („Nehmet hin und esset: das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“).

7   Siehe Joh 6, 54 („Wer mein Fleisch isst und wer mein Blut trinkt,  der erlangt das ewi-ge Leben; und ich werde ihn am Jüngsten Tag auferwecken“). – Siehe auch Aurelius Au-gustinus: Die Auslegung der Psalmen. Christus und sein mystischer Leib. Ausgewählt und übertragen von Hugo Weber. Paderborn (Schöningh) 1960, Bernhard Welzel: Eucha-ristie und mystischer Leib Christi. Basel (Nazareth) 1936 und sehr tiefgreifend Josef Schierl: In Christus. Deutschsprachige Stimmen zur Verbindung der Gläubigen mit Chris-tus im Vorfeld der Enzyklika Pius‘ XII „Mystici Corporis (1943). Regensburg (Pustet 1994 (Eichstätter Studien, N.F., Bd. 35), mit ausführlichem Literatur-Verzeichnis (S. 351 ff.).

8   Siehe hierzu mehr bei Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 155 f. und aus der reichhaltigen Literatur zu die-sem Themenkreis den inhaltsreichen Vortrag von Karl Barth: Die Botschaft von der freien Gnade Gottes. Zollikon-Zürich (Evangelischer Verlag) 1947 (Theologische Studien, Heft 23) sowie zum freien Angebot zum Gnadenleben Brennan Manning: Weil Gott uns un-endlich liebt. Von der Gnade, die unser Leben verwandelt. Wuppertal (Brockhaus) 2004 (Edition Aufatmen).

9   Siehe Joh 6, 56–59; Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich (Anm. 8), S. 190 sowie tiefer begründend Matthias Josef Scheeben: Die Mysterien des Christentums. Wesen, Bedeutung und Zusammenhang derselben nach der in ihrem übernatürlichen Charakter gegebenen Perspektive dargestellt. Freiburg im Breisgau (Herder) 1958, S. 416 ff. (Gesammelte Schriften, Bd. 2). – Der Text von Scheeben stellt hohe Ansprüche an das Verstehen, was ein sehr sorgfältiges Lesen erfordert.

10   Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Antwort durch Wahrheit in Liebe auf die an mich gerichteten Briefe des Herrn Professor Sulzers in Konstanz über Katholicismus und Pro-testantismus. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1811, S. 175.

Zur gemeinschaftsstiftenden Wirkung des Abendmahls im Verständnis der alten Kirche siehe auch Michael Theobald: Die Eucharistie als Quelle sozialen Handelns. Eine Spurensuche zur frühchristlichen Spiritualität. Neukirchen-Vluyn (Neukirchener Verlag) 2009 (Biblisch-theologische Studien, Bd. 77).

11   Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Antwort in Wahrheit in Liebe (Anm. 10), S. 187, S. 190. – Vgl. zu diesen Fragen auch Johannes Rehm: Das Abendmahl. Römisch-Katholische und Evangelisch-Lutherische Kirche im Dialog, 2. Aufl. Tübingen (TVT-Medienverlag) 2000.

12   Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Die Theodicee des Hirtenknaben als Berichti-gung und Verteidigung der Schleuder desselben. Frankfurt (Eichenbergische Erben) 1776, S. 72 sowie Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 152 f.

13   Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Antwort durch Wahrheit in Liebe (Anm. 10), S. 159 sowie Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 12), S. 1.

14   Siehe besonders Thomas von Kempen: Nachfolge Christi, Buch 4, das ganze Kapitel 18. „Willst du nicht in tiefe Zweifel tauchen, dann hüte dich vor neugierigen und nutzlosen Grübeleien über dieses tiefgründende Sakrament“, so beginnen die entsprechenden Er-mahnungen.

15   Siehe Joh 6, 59 sowie 1. Kor 11, 27.

16   „An seinem Todestage versammelte er Morgens vier Uhr als christlicher Hausvater und kraft des Rechtes des allgemeinen Priesterthums der Gläubigen … alle die Seinen um sich her, ließ sie knien und bereitete sie zur gemeinsamen Feier des heiligen Abend-mahls vor“, berichtet Max Göbel: Jung-Stilling als christlicher Volksschriftsteller, am Ende des achtzehnten und im Anfange des neunzehnten Jahrhunderts (1793-1817), in: Protes-tantische Monatsblätter für innere Zeitgeschichte, Bd. 14 (1859), S. 69.

Weitläufiger geschildert ist dieses Ereignis bei Wilhelm Heinrich Elias Schwarz: Vater Stilling’s Lebensende, in: Johann Heinrich Jung’s, genannt Stilling, sämmtliche Werke. Neue vollständige Ausgabe, 1. Band. Stuttgart (Scheible, Rieger & Sattler) 1843, S. 819 f. – Siehe auch Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine Literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodi-schen Schriften 1795–1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 330 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32).

17   Akkulturation (= Kultur-Anpassung) meint hier den Vorgang, bei dem die christliche Botschaft sich in einer ganzen besonderen Weise in die (nicht zuletzt auch durch die je-weilige Sprache geprägten) Vorstellungen einer gesellschaftlichen Gruppe (eines Volkes) einbettet.

(a)   Andererseits enthalten dementsprechend die in altem Bibelhebräisch auf uns ge-kommenen Schriften des Alten Testaments in vielem eigentümlich hebräische Denkwei-sen; das Alte Testament ist fast das einzige Denkmal des Althebräischen. Diese Sprache wurde als Umgangssprache nach der Babylonischen Gefangenschaft (nach 538 v. Chr.) vom Aramäischen verdrängt. Zur Zeit Christi war das Bibelhebräisch nur noch Sprache des Gottesdienstes und des gehobenen Schrifttums.

(b)   Die Schriften des Neuen Testaments sind wesentlich vom Hellenismus und der grie-chischen nachklassischen Sprache geprägt. Freilich finden sich darin auch aramäische Redewendungen, etwa Abba, Pascha oder Hosianna. Diese belegen, dass Aramäisch auch die Sprache Jesu war.

(c)   Manchmal wird in Bezug auf die (meisten) Schriften des Neuen Testaments auch von „Bibelgriechisch“ gesprochen. Man meint damit die Prägung, welche das griechische Sprachgefüge und die Begrifflichkeit durch die Übernahme hebräischer Erzählweisen und Assoziationskomplexe (associational clusters: die gedanklich Verbindung von Begriffen mit dem damit bewirkten Auftreten neuer Vorstellungsinhalte) erfuhr. Vorhandene grie-chische Wörter bekamen so als Wiedergabe hebräischer Ausdrücke einen veränderten Gehalt (etwa DÓXA = Herrlichkeit, DIATHÉKE = Bund oder DIKAIOSÝNE = Gerechtigkeit). Da-zu verdrängen, grammatikalisch betrachtet, vielfach Hauptsatzreihungen die im klassi-schen Griechisch bevorzugten Nebensatzgliederungen. Auch logische Doppelungen (et-wa: APOKRITHEIS EIPEN = er antwortete und sprach) weisen auf hebräische Sprachwen-dungen hin.

(d)   Dies alles (und weitere Tatsachen dazu) begründet einen sorgsamen und überlegten Umgang mit den biblischen Aussagen in der deutschen Sprache. Denn bei der Überset-zung vom Althebräischen und Bibelgriechischen in die jeweilige Landessprache entste-hen sehr häufig im Grundtext nicht enthaltene und keineswegs beabsichtigte Assoziati-onskomplexe. Davon lassen sich die meisten „Bibelchristen“ indessen nicht überzeugen. Sie halten jede (auch rein sprachliche) Bibelkritik als zumindest unerlaubt.

Siehe zum Zeithintergrund der Evangelien auch Eduard Wechssler: Hellas im Evangelium, 2. Aufl. Hamburg (Schröder) 1947 und zur frühen Rezeptionsgeschichte Ka-ren Piepenbrink: Christliche Identität und Assimilation in er Spätantike. Probleme des Christseins in der Reflexion der Zeitgenossen. Frankfurt am Main (Verlag Antike) 2005 (Studien zur Alten Geschichte, Bd. 3) und die dort angegebene Literatur.

18   Bei dem Schweizer Reformator Huldreich Zwingli (1484–1531) floss manches aus der freisinnigen Zürcher Stadtkultur seiner Tage ein; siehe hierzu Rudolf Stähelin: Huld-reich Zwingli. Sein Leben und Wirken nach den Quellen dargestellt. Bd. 1: Die reformato-rische Grundlegung. Basel (Benno Schwabe) 1895 sowie kürzer Ulrich Gäbler: Huldrych Zwingli. Eine Einführung in sein Leben und sein Werk, 3. Aufl. Zürich (Theologischer Ver-lag) 2004; in beiden Werken Hinweise auf weiterführende Literatur.

Obgleich Johannes Calvin (1509–1564) von Geburt Franzose war, fand in seinem Wir-ken zu Genf unmittelbar und mittelbar (oft in Gegenposition und im Widerstand zu örtlich vorgefundenen Denk- und Handlungsmuster) manches Eingang, was für das Genfer Bürgertum seinerzeit im Guten wie im Schlechten kennzeichnend war; siehe hierzu Franz Wilhelm Kampschulte: Johann Calvin. Seine Kirche und sein Staat in Genf. Genf (Slatki-ne Reprints) 1972 sowie Volker Reinhardt: Die Tyrannei der Tugend. Calvin und die Re-formation in Genf. München (Beck) 2009.

19   Die lateinische Sprache beim katholischen Hauptgottesdienst, der Messfeier, er-zwang und sicherte in der weltweit ausgebreiteten römisch-katholischen Gesamtkirche die typisch lateinische Geistesart: den besonderen Denkstil des (spät)antiken Roms. Denkstil meint dabei ein in bestimmter Weise ausgerichtetes Wahrnehmen mit entspre-chendem gedanklichen und sachlichem Verarbeiten des Wahrgenommenen. Dieser la-teinische Denkstil übte nachweislich einen sehr starken, prägenden Einfluss auf die Be-findlichkeit der einzelnen Katholiken, der Gemeinden vor Ort, der Diözesen und der je-weiligen Nationalkirche („Denkkollektive“) aus.

Mit der für den Regelfall erfolgten Einführung der Landessprache bei der gemeind-lichen Messfeier (diese wurde in Deutschland allerdings in weiten Kreisen schon zuvor angewendet) durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) vollzog sich auch eine Wandlung im (deutschen) katholischen Denkstil. – Siehe hierzu Angelus Albert Häussling: Das Missale deutsch. Materialien zur Rezeptionsgeschichte der lateinischen Meßliturgie im deutschen Sprachgebiet bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Münster (Aschendorff) 1984 (Reihe Liturgiewissenschaftliche Quellen und Forschungen, Bd. 66) sowie derselbe: Christliche Identität aus der Liturgie. Theologische und historische Studien zum Gottes-dienst der Kirche. Münster (Aschendorff) 1997 (Reihe Liturgiewissenschaftliche Quellen und Forschungen, Bd. 79).

20   Justinus Febronius war das Pseudonym des Trierer Weihbischofs Johann Nikolaus von Hontheim (1701–1790); er verfasste eine zu seiner Zeit in der Katholischen Kirche aufseherregende Schrift.

(a)   Febronius will an der aristokratischen Verfassung der Kirche zunächst nichts ändern. Aber Christus hat die Schlüsselgewalt der Gesamtkirche übergeben, welche diese durch Papst und Bischöfe ausüben lässt (die Gesamtheit der Gläubigen besitzt diese Gewalt zwar RADICALITER und PRINCIPALITER, die Prälaten jedoch USUALITER und USUFRUCTALITER). Der Papst ist wohl der Kern der kirchlichen Einheit, aber den Bischöfen gegenüber nur PRIMUS INTER PARES: der Erste unter Gleichgestellten. Er hat ein Primat in, nicht jedoch auch über die Kirche. Daher kann er ohne Zustimmung der Bischöfe weder Glaubensent-scheidungen treffen, noch Irrlehren verwerden, noch Anordnungen für die Kirche ge-samthaft erlassen, und demzufolge auch keine Handlungen in Bezug auf die Gesetzge-bung, Rechtsprechung und Verwaltung einzelner Diözesen vornehmen. Ein allgemeines Konzil steht über dem Papst und kann auch ohne ihn einberufen werden. Alles dies führt nach Febronius auch über kurz oder lang zu einer Wiedervereinigung der protestanti-schen mit der katholischen Kirche.

(b)   Erste Schritte, um die der päpstlichen Kurie die ihr nicht zustehenden Rechte wieder abzunehmen, wurden im Emser Kongress unternommen. Vertreter der Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln und Salzburg berieten im Sommer 1786 zu Bad Ems an der Lahn über Mittel und Wege, den Eingriffen der päpstlichen Kurie in die bischöflichen Gerechtsame Schranken zu setzen. Falls der Papst diesen Forderungen nicht nachzukommen bereit wäre, dann sollten diese Anliegen durch ein allgemeines deutsches Nationalkonzil erle-digt werden. – Siehe mehr dazu bei Volker Pitzer: Justinus Febronius. Das Ringen eines katholischen Irenikers um die Einheit der Kirche im Zeitalter der Aufklärung. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1976 (Kirche und Konfession, Bd. 20) und der dort angege-benen Literatur.

(c)   Der Ausbruch der Französischen Revolution im Juli 1789, die Enteignung des kirch-lichen Vermögens durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 (sog. Säkularisation) und später der starke Druck auf die Katholische Kirche in Deutsch-land durch die Fürstenhöfe verhinderten die Gründung einer nach den Vorschlägen von Febronius verfassten deutschen Nationalkirche.

(d)   Es trat gerade das Gegenteil ein. Denn die Bedrückung, Drangsalierung und Bevor-mundung der deutschen Katholiken, nicht zuletzt auch im Kulturkampf 1871–1887 (Feld-zug des deutschen protestantischen Kaisertums gegen die Katholische Kirche unter dem Reichskanzler Otto von Bismarck unter Zustimmung und Beihilfe des Grossteils der evangelischen Kirche), schweisste die deutschen Katholiken mit dem Papst eng zusam-men. – Siehe hierzu Heinrich Brück: Lehrbuch der Kirchengeschichte für akademische Vorlesungen und zum Selbststudium, 9. Aufl. Münster (Aschendorff) 1906, S. 799 ff. so-wie derselbe: Das Vaticanische Concil und der so genannte Culturkampf in Preußen bis zur Anknüpfung von Verhandlungen mit Rom. Hildesheim Olms) 2006 (Nachdruck der Ausgabe von 1901)

21   Monstranz (vom lateinischen MONSTRARE = zeigen) ein meist aus Edelmetall gefertig-tes und in der Regel reich verziertes Schaugefäss zur Aufbewahrung und Ausstellung einer Hostie (Abendmahlsoblate: geweihtes Brot); die offizielle kirchliche Benennung ist Ostensorium (vom lateinischen OSTENDERE= zeigen, den Blicken darbieten). –

(a)   Monstranzen tauchen in der alten Kirche spätestens seit dem 13. Jahrhundert auf. Sie bestehen meist aus einem schweren, massivem Fuss, einem Schaft und einem fens-terartigen Aufsatz, welcher die Hostien-Kapsel aus Glas oder Kristall aufnimmt. Die Hos-tie selbst befindet sich dabei in einer sichelförmigem Halterung, der sogenannten Lunula (= kleiner Mond, Mondsichel, Halbmond).

(b)   In der Spätgotik herrschte die Gestalt der (an seinerzeitigen Architekturformen aus-gerichteten) Turm-Monstranz vor; in der Barockzeit setzte sich das Muster der Sonnen-Monstranz mit einem Strahlenkranz (dieser als Symbol der von Gott ausgehenden Liebe) durch. Monstranzen werden in der Katholischen Kirche bis heute oftmals auf Prozessio-nen mitgeführt. – Siehe zum Geschichtlichen und Abbildungen von Monstranzen auch Dorothea Kampmann: Rheinische Monstranzen. Goldschmiedearbeiten des 17. und 18. Jahrhunderts. Rheinbach-Merzbach (CMZ-Verlag) 1995 und die dort angegebene Litera-tur.

22   Baldachin (ursprünglich Name eines in Baldach = Bagdad erzeugten Prachtstoffes) meint in diesem Zusammenhang den Traghimmel, der bei Prozessionen über der Monst-ranz gehalten wird. – Siehe zur Geschichte des Baldachins und zahlreichen Zeichnungen Marga Weber: Baldachine und Statuenschreine. Rom (Bretschneider) 1990 (Archaeolo-gica, Bd. 87).

23   Fronleichnam (Fron = zum Herren gehörend, Leichnam = ursprünglich der lebende [also nicht wie heute der tote] Leib; offizieller lateinischer Name: FESTUM CORPORIS CHRIS-TI): seit 1264 von Papst Urban IV für die ganze Katholische Kirche eingeführtes, zuvor nur in Teilen der Kirche gefeiertes Fest zum Dank an das von Jesus gestiftete Abend-mahl am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag (Trinitatis). – Siehe zum Fronleich-namsfest und auch zu der innert der Katholischen Kirche geforderten Abschaffung sowie mit Literaturverzeichnis Guido Fuchs: Fronleichnam. Ein Fest in Bewegung. Regensburg (Pustet) 2006 (Reihe Liturgie und Alltag).

(a)   Die sprachlich und inhaltlich hervorragenden Texte zu diesem Tag (Festoffizium samt Hymnen [= Lobgesängen]) verfasste im Auftrag des Papstes Thomas von Aquin (1225–1274). Sein Hymnus „LAUDA SION“ zählt zu den Spitzen der spätlateinischen Dich-tung.

(b)   Es handelt sich näherhin um Strophen besonderer Bauart dadurch, dass die erste (vier volle Trochäen, also acht Silben umfassende) Hälfte eines Verses verdoppelt wird und darauf dann jeweils die zweite unvollständige (das heisst: nur siebensilbige) Hälfte folgt. Dabei sind die Strophen gewöhnlich sechszeilig, nur die drei letzten Strophen sind anders gebildet. Die zehnte und elfte Strophe wird nämlich achtzeilig, weil dem katalekti-schen (= mit einem unvollständigen Versfuss endendem) Vers drei akatalektische vo-rausgehen. Die zwölfte Strophe wird sogar zehnzeilig; denn hier folgt der katalektische Vers erst auf vier akatelektische. –

Siehe Karl Simrock: Lauda Sion. Auswahl der schönsten lateinischen Kirchenhym-nen mit deutscher Übersetzung, 2. Aufl. Stuttgart (Cotta) 1868) sowie den lateinischen Text philologisch und etymologisch sehr eingehend auseinanderlegend Nikolaus Gihr: Die Sequenzen des römischen Meßbuches dogmatisch und ascetisch erklärt. Freiburg im Breisgau (Herder) 1887, S. 302 ff. (Theologische Bibliothek, Zweite Serie). In der Zweitauflage 1900 sind die ausführlichen sprachlichen und grammatikalischen Erläute-rungen nicht mehr enthalten.

24   Guël („Majestät GOttes“) stellte sich Jung-Stilling schlicht als ein „Diener des Erha-benen vor“. – Zu seinen besonderen Aufgaben gehört es, „einen Geist zu richten, der Unordnung in der Schöpfung und in der himmlischen Natur anrichtet“. Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich (Anm. 8), S. 94.

‚Anoi@cai oäfdalmou\j (Act XXVI, 18)


Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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