# Vom Sinn des Leides

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- Modified: 2023-06-27T16:19:08+00:00
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## Definition

Eine nachtodliche Belehrung durch den hochgelehrten und lebenserfahrenen Herrn Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817), der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor, seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat, durch Verleihung ab 1808 Grossherzoglich Badischer Geheimer Hofrat; zu Lebzeiten bis 1803 Professor für Ökonomik an der Universität Marburg/Lahn, dortselbst auch Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät; davor bis 1787 Professor für angewandte ökonomische Wissenschaften – mit Einschluss der Vieharzneikunde – an der Universität Heidelberg und vordem ab 1778 mit gleichem Lehrauftrag an der Kurfürstlichen Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern, ehedem Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft in Elberfeld (heute Teil der Stadt Wuppertal), dort auch Arzt für Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Augenkrankheiten sowie ab 1775 behördlich bestellter Brunnenarzt; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch bis zum 1784 erlassenen Verbot der Geheimgesellschaften (so auch der Freimaurerei) im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsgebiet der erlauchten Loge "Karl August zu den drei flammenden Herzen" in Kaiserslautern Mitglied, dann aber dank englischer Hülfe niedergeschrieben und durch Einstellung ins World Wide Web lautmährig gemacht, alle Leser dabei beständiger gÖttlicher Obhut und getreuen englischen Schutzes innigst empfehlend von Glaubrecht Andersieg, zu Salen, Grafschaft Leisenburg* ₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪ Markus-Gilde, Siegen Leicht verändert Online-Fassung der gleichnamigen, im Verlag der Jung-Stilling-Gesellschaft im Jahre 1995 erschienenen Schrift zu Ehren von Herrn Bundesminister Dr. Dr. h.c. Christian Schwarz-Schilling, ISBN 3-928984-15-2. – Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der schriftlichen Einwilligung des Copyright-Inhabers, der löblichen Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen. info@jung-stilling-gesellschaft.de Contents 1 Bahnfahrt zu einer Konferenz in Frankfurt 2 Unergiebige Beratungen gilt es grundsätzlich zu vermeiden 3 Am Bildschirm überanstrengte Augen suchen nach Entspannung 4 Blicke in das Innenleben einzelner Abteile des Zuges 5 Antlitz eines Reisenden fällt auf 6 Jung-Stilling und Engel Siona sind im Zug! 7 Jung-Stilling und Siona, unversehens allein im Kupee, laden mich zu sich ein 8 Eintritt ins Abteil zu Jung-Stilling und Siona 9 Initiative zum Gespräch wird meinerseits in die Hand genommen 10 Zweck des Zusammentreffens tut sich auf 11 Notebook, noch eingeschaltet an meinem Sitz, wird angefordert 12 Bereitschaft zur Belehrung 13 Leid, und nicht Glückseligkeit, ist Gegenstand der Unterweisung durch Jung-Stilling 14 Leid: ein unbeliebtes, lästiges Thema;`moderne´ Themen werden bevorzugt 15 Gliederung der Belehrung wird angezeigt 16 Übel steht objektiv in fester Beziehung zum irdischen Leben 17 Subjektive Seite des Übels ist das persönliche Leid 18 Seichter Optimismus verkennt reinweg das entscheidende Problem 19 Vertröstung auf das bessere Jenseits 20 Unterbruch der Rede vor dem Hauptbahnhof Reichenburg 21 Kupee wird durch Zusteigende in Reichenburg nicht belegt 22 Jung-Stilling fasst bisherige Belehrung kurz zusammen 23 Warum ist die Erde ein Jammertal? 24 Gedanke der Strafe allgemein ist verständlich und nachfühlbar 25 Erhebliche Bedenken bei der Strafzumessung an einzelne Personen 26 Zweifel an der Gerechtigkeit GOttes werden aufgeworfen 27 Falsche Argumente in Bezug auf die Gerechtigkeit GOttes 28 Widerlegung der Argumente über den strafenden GOtt 29 Übelbeschaffenheit der Welt als Straffolge der ersten Sünde der Stammeltern? 30 Herkömmliche kirchliche Lehre alles andere als befriedigend 31 Übergang zum Hauptteil 32 Zweck und Bestimmung der Welt und des Menschen 33 Masstab der Wertung entscheidend 34 Welten-Optimismus bedingt andereSicht weltlicher Vergänglichkeit 35 Vollendungszustand des Menschen setzt>auf der Welt bereits ein 36 Liebesgesinnung muss hienieden gelernt und eingeübt werden 37 Ungewollte, schicksalhafte Leiden sind ein weiteres Problem 38 Sinn schicksalhafter Leiden 39 Abkehr des Trachtens vom Weltlichen 40 Leiden vermögen die innere Kraft des Menschen zu stärken 41 Strafleid als Erziehungszweck 42 Optimistische Auffassung vom Leid bleibt Nichtgläubigen ein Rätsel 43 Schwierige Zusatzfrage 44 Relativität der Zeit 45 Unterschiedliche Reifungs-Chancen bei einzelnen Personen 46 Endziel des Menschen ist ganz allein das Wesentliche 47 Gesetzmässigkeit der natürlichen Welt und menschliches Einzelschicksal 48 Kollisionsthese liegt ein verkehrtes, deïstisches Gottesbild zugrunde 49 Gläubigkeit als Voraussetzung für den christlichen Optimismus 50 Widmungsträger wird genannt 51 Zug befindet sich kurz vor der Einfahrt nach Frankfurt 52 Jung-Stilling und Siona entweichen 53 Belehrung erscheint jambisch in Reim 54 Dank an GOtt für die Belehrung 55 Zu Nutz aller ins Internet gestellt 56 Hinweise, Erläuterungen und Quellen Bahnfahrt zu einer Konferenz in Frankfurt Zu Basel stieg ich in die Bahn, Die rollt im Takt nach festem Plan Entlang des Oberlaufs vom Rhein Zur alten Messe-Stadt am Main. In Frankfurt hatte ich zu tun. Ich lud – bequem im Zuge nun – Bald auf mein Notebook jene Daten, Die wichtig, dass auch gut geraten Gespräche, die ich führen musste, Von denen – wie sehr wohl ich wusste – Für andre Menschen hing viel ab: Fast schien die Zeit dafür schon knapp.   Unergiebige Beratungen gilt es grundsätzlich zu vermeiden Denn wer zu einer Sitzung schreitet, Sei stets gut darauf vorbereitet: Sonst hat er – dessen kaum bewusst – Rasch Nachteil, Schaden und Verlust. Und dass gar manche Konferenz Oft nur von schwacher Effizienz, Lässt so fast immer sich erklären: Der Kenntnis welche hier entbehren! Just diese aber tun sich gross: Sie quasseln dauernd keck drauf los.   Am Bildschirm überanstrengte Augen suchen nach Entspannung Nun wurde in der letzten Zeit Der Bildschirm nach und nach so breit, Dass kaum das Aug spürt Müdesein. Doch ist er relativ noch klein, Wie dies der Fall beim Notebook meist, Dann bald es vor den Augen kreist. So ging es mir nun auch im Zug. Ob dessen hielt ich es für klug, Jetzt eine Pause einzulegen Und mich ein wenig zu bewegen. Gemach schritt darob ich entlang Durch meines Wagens Aussen-Gang, Den Blick gerichtet mehr nach draussen, Wo rasch ich sah vorübersausen Fabriken, Strassen, kleine Wälder, Gewässer, Bäume, Dörfer, Felder, Auch hohe Fernseh-Türme: Masten, Die scheinbar in die Wolken fassten. Ich drehte an des Ganges Ende, Dass nun zurück ich wieder fände In mein Abteil, das vorne lag. Ich nie gern in die Mitte mag: Das Kofferschleppen ist mir Graus, Ganz vorn steigt leicht man zu und aus.   Blicke in das Innenleben einzelner Abteile des Zuges Zurück jetzt sah ich unauffällig Und nicht bewusst – mehr unterschwellig – In die Abteile, wer da sass. Ich Menschen mannigfach ermass, Die lasen, schliefen oder dösten, Gespräche führten, Rätsel lösten. Ein Mobile hielt ein junger Mann Ans Ohr und sprach auch dann und wann; Mir offenbarte sein Gesicht, Dass er mit seiner Liebsten spricht. Denn wer im Ausdruck ganz verzückt, Verliebt ist oder auch verrückt; Wobei hier die Erfahrung steht: Verliebte sind zumeist verdreht; Selbst wenn auch nicht notwendig irr, So doch ver=narrt, was meist heisst: wirr.   Antlitz eines Reisenden fällt auf Da plötzlich seh' ich ein Gesicht, Das prompt mir in die Augen sticht. Der Herr, gekleidet elegant, Scheint irgendwie mir doch bekannt! Er sitzt am Fenster obenan; In dem Abteil sind noch vier Mann. Erneut ich durch den Wagen schreite, Dass abermals mein Auge gleite Zu diesem Herrn, der Zeitung liest Und diese offenbar geniesst. Obzwar ich nur verstohlen schaue, Zu mustern ihn mich nicht getraue, Scheint, dass er meinen Blick empfand: Er legt die Zeitung aus der Hand. Ich seh' nun deutlich sein Gesicht Im Strahl sogar von Sonnenlicht, Das jetzt – in diesem Augenblick – Hervortritt aus Gewölk grau-dick.   Jung-Stilling und Engel Siona sind im Zug! Gerührt bin ich gleichwie vom Blitz, Es zieht durch meinen Körper spitz; Nicht möglich ist Verwechselung: Der Herr ist Hofrat Doktor Jung1, Der nun zu seinem Nachbarn spricht: Auch dieser zeigt mir sein Gesicht, So dass ich ihn ganz klar nun sehe, Da ich vorbei am Kupee gehe. Wer sitzt gleich neben Stilling da, Ist fraglos Engel Siona2!   Jung-Stilling und Siona, unversehens allein im Kupee, laden mich zu sich ein Noch eh ich schlüssig, was ich tu, Winkt Stilling mir schon freundlich zu, Dass trete ein ich ins Kupee, Vor dem erstaunt ich nunmehr steh. Verwundert nehme ich jetzt wahr, Dass nur die Zwei ganz offenbar Befinden im Abteil sich noch; Die andren Reisenden jedoch Samt ihren Mänteln und Gepäck Verschwunden waren: einfach weg!   Eintritt ins Abteil zu Jung-Stilling und Siona Ich folge Hofrat Jungs Begehr, Wie dies ich tat schon oft vorher, Und trete nun in das Abteil, Damit mir abermals zuteil Belehrung wird aus seinem Mund: So manches tat er ja schon kund3. Er wies auf die vier freien Plätze, Damit auf einen ich mich setze. Ich wähle so, dass Beide kann Von vis-à-vis ich sehen an.   Initiative zum Gespräch wird meinerseits in die Hand genommen Bisher begann zu reden ich; Woran dann jeweils anschloss sich Gespräch, bei dem Jung-Stilling bald Erklärte einen Sachverhalt. So nehme auch an diesem Ort Nach kurzem Zögern ich das Wort. "Herr Hofrat4 Jung, Ohephiah5! Herr Himmelsbote Siona! Wie ich sind sie heut gleicherweise Im Zug nach Frankfurt auf der Reise? Als ehdem sie noch im Gebein, Begaben sie sich an den Main, Herr Hofrat, ziemlich häufig ja; Und sicher war auch Siona Auf jeder Reise ihr Begleiter Als Schutzgeist und als Wegbereiter. Doch darf ich fragen, was sie nun In Frankfurt haben heut zu tun? Ich schätze, dass sie nieden weilen, Um Augen-Kranke dort zu heilen. Sie haben einst ja operiert Zu Frankfurt Blinde sehr versiert6." –   Zweck des Zusammentreffens tut sich auf "Zunächst, mein Stillings-Freund7, stimmt ein: `Gelobt sei GOtt der HErr allein, Der alle Menschen innig liebt Und sie mit SEiner Huld umgibt!´ Dass ihr in diesem Zug uns seht, Dass leiblich ihr uns jetzt erspäht, Hat einzig darin seinen Grund, Dass werde euch durch uns heut kund Belehrung, die für diese Zeit Ist wichtig zur Glückseligkeit.   Notebook, noch eingeschaltet an meinem Sitz, wird angefordert Bevor jedoch ich unterweise, Erst wegzutreten ich euch heisse. Bewegt euch rasch in das Kupee, Wo eingeschaltet ich noch seh' Des Notebooks Bildschirm; stellt ihn ab: Die Stromversorgung wird sonst knapp. Doch bringt nach hierher das Gerät! Damit euch nichts von dem entgeht, Was jetzt ich sage insgemein, Tippt meine Rede hier gleich ein. Druckt ihr den Text dann später aus, Sind Jamben schön geworden draus. Wenn fragt ihr, wie denn das geschah, So dankt dem Engel Siona, Der half mir einst beim Dichten viel, Besorgte heimlich Reim und Stil. Ich sage euch dann noch am Schluss, Wem dies gewidmet werden muss." Nach vorn in mein Abteil ich schritt, Dass nehme ich von da mir mit Mein Notebook (Stilling recht erkannte: Tatsächlich noch der Bildschirm brannte!). Mit meinem Notebook in der Hand, Zurück zu dem Kupee ich fand, Wo Stilling und Geist Siona Sich heute zeigten sinnennah.   Bereitschaft zur Belehrung "Hier bin ich wieder und bereit, Dass lehrten in Glückseligkeit Sie diesmal mich, Herr Hofrat Jung: Ich harre ihrer Schilderung." Ich nahm das Notebook auf den Schoss. Die Ungeduld war riesengross, Von Stilling nun zu hören gleich Gedanken tief und segensreich.   Leid, und nicht Glückseligkeit, ist Gegenstand der Unterweisung durch Jung-Stilling "Herr Glaubrecht, ich tat nicht verheissen, Euch hier im Zug zu unterweisen Im Endziel: der Glückseligkeit! Ich will vielmehr von Harm und Leid In diesem Leben etwas sagen: Den Sinn des Schmerzes hinterfragen. Zum Glück des Menschen habe ich Verbreitet ja erst neulich mich8. Mir scheint, dass just zu dieser Zeit Bloss wenige sind noch bereit Ihr Augenmerk aufs Leid zu lenken: Darüber tiefer nachzudenken.   Leid: ein unbeliebtes, lästiges Thema;`moderne´ Themen werden bevorzugt Es haben selbst die Theologen Vom Leid sich jetzt zurückgezogen. Es scheint wohl ihnen mehr zu bringen, Wenn reden sie von andren Dingen, Wie Bischofs-Ämter für die Frau, Verschuldungskrise, Wohnungsbau, Reform der kirchlichen Struktur, Zerstörung, Schändung der Natur, Gelebte Sexualität, Die jede Einengung verschmäht, `Gerechten´ Lohn, Berufsarbeit, Erwerb, Gewinnst, Geschäftigkeit, Entwicklungshilfe, Weltwirtschaft, Athletentum und Leibeskraft; Der Deutschen Drang zur Reiserei Und zur alpinen Kraxelei, Computern, Daten-Autobahnen, Die `grosse Zeiten´ lassen ahnen, (Tatsächlich aber so gedeiht Viel rascher nur die Einsamkeit; Denn klärlich führt der Netzverbund Zu menschlicher Kontakte Schwund: Mag tausendmal `inter-aktiv´ Man nennen diesen Trend naiv – Doch dies sei nur am Rand gesagt Und künftig von mir hinterfragt), Samt tausend andrer solcher Themen, Die jetzt sind weithin zu entnehmen Den Blättern der Theologie: Von Leid lest kaum ihr oder nie, Wiewohl das Leid trifft jeden ja, Solang er ist auf Erden da!   Gliederung der Belehrung wird angezeigt Gegliedert so mein Vortrag sei, Dass erst dem Leid ich ordne bei Bedeutung, die es hat im Leben; Um dann damit mich abzugeben, Wie man gelöst den Widerstreit, Der macht zu diesem Punkt sich breit. Am Schluss dann stelle ich euch hin Aus Himmels-Sicht des Leides Sinn. Sofern ihr etwas nicht versteht, Auch falls ihr noch Probleme seht (Vielleicht ich auch nicht deutlich sprach), Dann bitte fragt nur offen nach. Zwar bleibt Geheimnis letzt das Leid: Entzieht sich der Gelehrsamkeit, Doch kann das Herz viel davon spüren Und seinen Kern halbwegs entschnüren.   Übel steht objektiv in fester Beziehung zum irdischen Leben Betrachtet hier als erstes sei, Dass Übel fest geordnet bei Dem Leben innert dieser Welt. Was dieses fördert, stützt, erhält, Nennt gut und heilsam man zurecht: Das Übel tut dem Leben schlecht. Dieselben Mächte der Natur, Durch die das Leben Kraft erfuhr, Vermögen Leben auch zu schaden Und es mit Übeln zu beladen. Noch mehr: es gilt gewiss von allen, Dass sie dem Schmerz und Tod verfallen.   Subjektive Seite des Übels ist das persönliche Leid Was Leben objektiv zerwühlt, Vom Menschen wird als Leid gefühlt. Bewirkt des Körpers guter Stand Behagen als Gefühl brillant, So bringen Krankheit, Siechtum, Leid Gefühl des Wehs, der Bangigkeit9. Kein Mensch, der hier auf Erden wohnt, Bleibt ganz von Leid und Weh verschont. Merkt wohl, Herr Glaubrecht, allesamt Zu Leid und Sterben sind verdammt! Den Sportsmann, der voll Kraft jetzt loht, Ereilt am Ende harsch der Tod. Für keinen Mediziner gar Ist das Verscheiden abwendbar. Oft ist von Leiden aller Art Ein einzelner speziell umschart, Der dadurch tief wird gramgebeugt: Erfahrung dies ja klar bezeugt. Denkt ihr an Ijob hierbei nur, Den jäh geballtes Leid umfuhr.   Seichter Optimismus verkennt reinweg das entscheidende Problem Sehr häufig nun man dazu sagt: Das Leid wird viel zu tief beklagt! Das Schöne, Gute nieden sei Bei weitem stärker zweiflesfrei10. Auch gehe ständig es bergauf: Es drängt die Welt im Zeitverlauf Das Übel und das Leid zurück, Vermehrt hingegen wird das Glück; Und schliesslich sei so manches Leid Am Ende reine Freudenszeit. Oft derlei seichter Optimismus Sich gibt – durchwebt mit Idealismus – Sogar als christliche Idee! Die Vatergüte GOttes steh Auch hinter Leid und Schmerz samt Tod: GOtt wandle jedes Menschen Not; Man müsse IHm nur recht vertrauen, Bei Leid stets in die Zukunft schauen. Ihr hört selbst heut noch diese Predigt, Die ächtem Christenglauben schädigt: Sie ist ein böses Schelmenstück, Weil JEsu Botschaft nicht das Glück Und Wohlsein hier in diesem Leben Verheissend Menschen hat gegeben. Vertröstung auf das bessere Jenseits Ihr kennt, Herr Glaubrecht, ganz bestimmt Die Predigt, die es unternimmt, Licht Jenseits-Freuden auszumalen, Dass diese glänzend überstrahlen Das Leid, das hier der Mensch erfährt Und niederdrückend ihn beschwert. Novalis selbst hat so gedacht In seinen `Hymnen an die Nacht´11. Zu nähren Hoffnung so ist gut: Gewiss stärkt das den Glaubensmut. Allein, dies ist die Lösung nicht! Sie führt nie zu der Zuversicht, Die voll das GOttvertraun begründet Und Liebensbrand im Herzen zündet. Bewirkt wird so nur Fatalismus Gleich wie im Muhamedanismus: Ergeben nimmt man an das Leid Für diese kurze Erdenzeit Aus Allahs Hand, weil sicher man, Dass Freud sich schliesst im Jenseits an."   Unterbruch der Rede vor dem Hauptbahnhof Reichenburg Miteins als nächste Halt-Station Rief auf der Zug-Funk Mannheim schon. In mir kam etwas Unrast auf, Weil mir bekannt, dass stets zu Hauf Dort steigen Leute aus und zu. Ich hatte deshalb keine Ruh, Weil noch mein Mantel und Gepäck Befanden sich am selben Fleck Im Zugabteil, das ich verliess, Als auf Ohephiah5 ich stiess. Doch blieben diese meine Sorgen Ersichtlich Stilling nicht verborgen, Der jetzt die Rede unterbrach Und freundlich zu Siona sprach. "Ich bitte, Himmlische12, euch sehr: Holt Glaubrechts Sachen nach hierher, Die ich noch immer liegen seh Ganz vorn, gleich links dort im Kupee. In Reichenburg13 hält bald der Zug. Es scheint vernünftig mir und klug, Den Sitzplatz Glaubrechts aufzugeben, Um sich von Sorgen zu entheben. Mir ahnt voraus, ich fühl' schon jetzt, Dass gleich die Plätze voll besetzt." Was Stilling hiess, der Engel tat. Ins Zugabteil er kurz drauf trat Mit meinem Mantel samt Gepäck; Er legte beides sorgsam weg.   Kupee wird durch Zusteigende in Reichenburg nicht belegt "Habt keine Furcht: es kann nicht sein, Dass jemand tritt zu uns herein", Sprach Stilling, der ganz offenbar Nun spürte, dass mir bange war, Dass gleich auch dies Abteil besetzt, Und Stilling schwindet daher letzt. "Bis Frankfurt sind wir hier allein; Stimmt wieder euch aufs Thema ein!" Beruhigt sammelte ich mich. Ich blieb gefasst auch innerlich, Als bald in Mannheim ganze Reihn In unser Kupee sahn herein. Für sie schien es ganz offenbar, Dass jeder Platz belegt schon war. Mit meinem Notebook auf dem Schoss, Sass da ich nahzu regungslos, Drauf harrend, dass gleich fahre fort Jung-Stilling nun in seinem Wort.   Jung-Stilling fasst bisherige Belehrung kurz zusammen "Ich hatte, Glaubrecht, euch erklärt, Dass jeder Mensch hier Leid erfährt; Dass man der Wirklichkeit entflieht, Wenn solches einfach man nicht sieht; Dass die Vertröstung, alles Leid Sich kehre einst zu Seligkeit, Verleitet leicht zum Fatalismus, Wie er im Muhamedanismus.   Warum ist die Erde ein Jammertal? Lasst nunmehr stellen mich die Frage: Weshalb ist Leben eine Plage, Wieso die Welt ein Jammertal, Kein Paradies, kein Ort ideal? Die Antwort, die ihr hört drauf meist, Zunächst als schlüssig sich erweist: Das Übel auf der Welt sich gründe Allein und einzig auf die Sünde14. Das Leid die Strafe GOttes sei: Das lehre Mose zweifelsfrei15.   Gedanke der Strafe allgemein ist verständlich und nachfühlbar Dass Böses Unrecht nach sich zieht – Den Schmerz der Strafe – leicht man sieht: Dies leuchtet unsrem Urteil ein. Man meint, es müsse so auch sein Bei der Erziehung unsrer Kinder Sowie in der Justiz nicht minder. Nach diesem Muster GOtt vergelte, Indem ein Urteil ER nun fällte: Aus Gründen der Gerechtigkeit Schickt ER für Sünd und Schuld das Leid.   Erhebliche Bedenken bei der Strafzumessung an einzelne Personen Allein, der Schluss nur so lang packt, Wie er gezogen wird abstrakt. Betrachtet aber näher man, Wen fasst das Leid am stärksten an, So treten starke Zweifel auf, Die türmen hoch sich rasch zuhauf. Denkt, Glaubrecht, bloss an jene Armen, Die krank und hungrig zum Erbarmen Derzeit auf dieser Erde leben, Von Dürre, Wüste rings umgeben. Stellt vor euch ferners jene auch In Krieg, Zerstörung, Trümmern, Rauch: Verloren alle ihre Habe, Die Nächsten durch den Krieg im Grabe. Seht an euch den gequälten Mann, Den griff das Aids durch Zufall an; Die Frau, vom Krebs halb aufgezehrt: Verlassen und bedauernswert. Derweil nun diese durch viel Leid Gedrückt in Gram und Mattigkeit, Erfreun sich Böse guten Lebens: Nach Leid späht dort ihr ganz vergebens. Sie leben in den Tag hinein (In Üppigkeit noch obendrein!) Die ganzen Jahre, jede Stunde, Und sterben in der Tafelrunde – Auf ihren Lippen noch ein Scherz – Ganz ohne Pein, ganz ohne Schmerz. Das Leid, das einzelne erfahren – Darüber seid ihr wohl im klaren – Steht n i c h t in rechter Relation Zu Schuld und Sünde der Person!   Zweifel an der Gerechtigkeit GOttes werden aufgeworfen So führt notwendig jene Lehre, Die Leid misst an der Sünden Schwere Zu starkem Zweifel, ob denn sei Gerecht auch GOtt: zu Krittelei. Ihr kennt die Seufzer der Psalmisten, Des Ijob und so mancher Christen. Man ruft laut klagend aus dem Leid Dann nach der Angemessenheit: Fragt bang, ob denn die eigne Sünde Ein solches schweres Los begründe: Ob GOtt den einzelnen vergisst, Der Not und Kümmernis durchmisst?   Falsche Argumente in Bezug auf die Gerechtigkeit GOttes Die Antwort, die auf solche Klagen Man hört bis hin zu diesen Tagen, Bringt vor hierzu stets zweierlei. Als erstes zu bedenken sei, Dass Glück, dem Bösen zugewandt, Sei bloss von flüchtigem Bestand; Derweil dem Frommen, jetzt in Leid, Wird Glück und Heil in Ewigkeit. Zum zweiten könnte es wohl sein, Dass treffe Leid und Glück nun ein Als Strafe (andernfalls als Lohn) Für Tun der Generation, Die vordem lebte in der Welt: Dass also auf die Kinder fällt, Was Eltern einst zuvor getan, Als diese in der Lebensbahn. Das Psalmbuch wird herangezogen, Zu spannen straffer noch den Bogen: Es lohne GOtt die Kindeskinder Und strafe diese auch nicht minder16.   Widerlegung der Argumente über den strafenden GOtt Doch, lieber Glaubrecht, wer so spricht, Beachtet wohl drei Dinge nicht.  Zunächst uns die Geschichte lehrt, Dass Leid sich oft zu Frommen kehrt – Und zwar zu sämtlichen Personen Durch viele Generationen – Derweil in Wollust, Saus und Braus Der Böse schlemmt tagein, tagaus: Oft Freigeist, ja gar GOttverächter: Und zwar auch hier durch die Geschlechter.  Sodann scheint es höchst ungerecht, Und stünde an dem HErrn GOtt schlecht, Wenn strafte Väter ER an Kindern: Drum würde deren Leben hindern. Dies spricht der Vorstellung glatt Hohn, Dass pflichtig jeder als Person Vor GOtt und allen Menschen steht In Individualität.  Doch nun, mein Stillings-Freund, zum End Das wirkungsvollste Argument: Der HErr hat, als ER weilte nieden, Ganz klar und zweifelsfrei entschieden, Dass Unglück einzlner Leute man Darf nicht als Strafe sehen an, Die ob der Schuld sie nunmehr tragen: Es sei ganz irrig, so zu fragen.17"–   Übelbeschaffenheit der Welt als Straffolge der ersten Sünde der Stammeltern? "Herr Hofrat Jung", ich unterbrach, "Sie machten klar mir nach und nach, Dass Leid nicht Zeichen ist für Schuld, Und Glück auch nicht für GOttes Huld. Sie haben überzeugt mich ganz Durch ihre Schlusskraft und Prägnanz. Doch was für einzlne Menschen richtig, Ist allgemein nicht offensichtig! Ich meine damit, dass doch klar Die Bibel stellt uns mehrfach dar: Der Übelstand der ganzen Welt Als Sündenstrafe auf uns fällt Ob erster Menschen grosser Schuld, Durch die verlor sich GOttes Huld19, Und Mühsal, Leiden, Pein und Tod Die Menschen nunmehr hier bedroht, Die einst im Paradies umgeben Mit Glück und Freude nur im Leben." –   Herkömmliche kirchliche Lehre alles andere als befriedigend "Mein Stillings-Freund: was ihr gesagt, Als Kirchenlehre überragt Die Zeiten und es sicher trifft Erklärung, die uns gibt die Schrift – Zumindest wenn man einzlne Stellen Heranzieht und sie nutzt als Quellen. Doch bitte, überlegt euch nur: Wenn GOtt tatsächlich so verfuhr (Dass ER auf des Adams Einzelsünde Den Fluch der ganzen Menschheit gründe, Stellt drum sie unter Leides Fron Durch jede Generation): Ganz sicher wäre ER alsdann Ein böser, eiserner Tyrann! Allein, als Christen wissen wir, Dass GOtt zerfliesst vor Liebe schier! Vergeltung, Strafgerechtigkeit Zählt nebensächlich, insoweit Die Liebe alles übertrifft: So lehrt es klar uns doch die Schrift!" –   Übergang zum Hauptteil "Herr Hofrat Jung", sprach nunmehr ich, "Sie sind wohl nicht erbost auf mich, Wenn ich den Hinweis mir erlaube, Dass bisher viel von falschem Glaube Gesprochen wurde recht gescheit. Doch hörte weder ich, wie Leid Man anzusehen hat als Christ, Noch was aus GOttes Sicht es ist." – "Herr Glaubrecht: wies ich zu Beginn Euch auf die Gliederung nicht hin, Die meiner Unterweisung Grund? Es wird als nächstes jetzt euch kund, Wie löst man das Problem des Leids, Dass überzeugt ihr eurerseits: Ihr dessen dürft ganz sicher sein! Gebt weiter meine Rede ein In euer Notebook; dabei seht, Dass nichts davon verloren geht.   Zweck und Bestimmung der Welt und des Menschen Die Welt, Herr Glaubrecht, Mittel ist, Dass GOttes Reich, das sich bemisst Als überweltlich, herzustellen. Die Menschen sind in allen Fällen Bestimmt, dass sie im Erdenwalten Zur GOtteskindschaft sich entfalten. Die beiden Sätze sind im Kern Die Botschaft CHristi unsres HErrn. Als Massstab reichen sie sehr weit: Sie legen aus den Sinn von Leid. Masstab der Wertung entscheidend Bisher schien es ganz folgerecht, Dass Mass dafür, was gut, was schlecht Sich misst auf dieser Erde bei, Bestand gesunden Lebens sei. Was Wohlsein dienlich, ist stets gut Und schlecht, was diesem schaden tut. Jedoch im christlichen System Heischt andre Antwort dies Problem! Hier wahrhaft gut und heilsam ist, Was immer sich danach bemisst, Ob es entspricht dem Zweck der Welt. All solches Schädliches enthält, Was hindert wenig oder viel Den Menschen an dem letzten Ziel: Die GOtteskindschaft als Option, Die ihn vollendet als Person. Betrachtet so, kann es wohl sein, Dass etwas, das geschätzt wird ein Als Übel aus der Sicht der Welt, Nach diesem Massstab sich erhellt Als Gnadengabe, die GOtt gibt, Weil ER die SEinen innig liebt. Beachtet, Glaubrecht, dabei klar: Es stellt sich etwas Übles dar Nicht so, dass neben dem Effekt Man darin Gutes auch entdeckt! Es gilt vielmehr, dass was das Glück Beeinträchtigt (und drängt zurück Die Zwecksetzung von Mensch und Welt, Wie sie aus GOttes Sicht gestellt), In jedem Falle schädlich ist In kurzer wie in langer Frist. Die Welt samt ihren Übeln ist Vollkommen gut, wenn man sie misst An ihrem dargelegten Zweck! Sie ist in allem und durchweg Produkt der reinen GOttesliebe, Die regelt weise ihr Getriebe. Ein solcher Welten-Optimismus Ist Wirklichkeit, ist Realismus, Wie uns die Frohbotschaft belehrt Und rechte Weltweisheit erklärt. Denkt hier an Leibniz' klaren Schluss, Den ich wohl nicht erklären muss, Und den mein Stillings-Freund G. Merk Stellt fasslich dar in einem Werk19.   Welten-Optimismus bedingt andereSicht weltlicher Vergänglichkeit Es zeigt darob sich anderweit Die irdische Vergänglichkeit! Ein jeder Mensch ist in die Welt Zum Durchgang bloss hineingestellt. Entwicklungs-Stadium ist das Leben: Ein Mittel, um ihn zu erheben Zu einem höhren Wesens-Stand, Der dann den Menschen nur umspannt, Wenn er des Leibes Hülle bar: Und so stellt dann der Tod sich dar! Als grösstes Übel, höchste Not Gilt Scheiden von der Welt: der Tod Für die, so ohne Hoffnung sind. Doch für den Christen jetzt beginnt Das Leben, das für ihn bereitet, In das er nun auf ewig schreitet. Ihm kann der Tod nur schädlich sein, Wenn jener Keim, gepflanzt ihm ein Zu seinem höhren Wesens-Stand, Erstickt in ihm, drum ganz verschwand; Und dies trifft zu, wo schuldhaft er Verbohrt in Sünde harrte schwer. Dann ist sein Leben ganz verloht: Das Sterben wird zum zweiten Tod20.   Vollendungszustand des Menschen setzt>auf der Welt bereits ein Jedoch der Mensch muss nicht erst dann, Wenn tritt der Tod an ihn heran, Sich ändern in den Wesens-Stand, Den vorhin habe ich benannt Als die Erfüllung der Person. Er kann in diesem Leben schon Entwickeln sich zu der Vollendung Durch seiner Art und Sinne Wendung Zum Liebeszustand: er kann reifen Und hier ein Stück von dem ergreifen, Was nach dem Tod als Seligkeit Stellt GOtt der HErr für ihn bereit.   Liebesgesinnung muss hienieden gelernt und eingeübt werden Jetzt stellt euch vor, dass Hochgenuss Begleite stets den Lebensfluss. Charakterbildung bliebe dann Ganz sicher völlig hintenan21. Bei steter Sattheit wird der Wille Nicht wirksam: er bleibt schwach und stille. Bedürfnis weckt den Willen richtig: Es reizt, erregt ihn offensichtig. Der Wille dann erst wird autark, Energisch, eisern, fest und stark, Wenn er mit Not und Schwierigkeiten: Mit Hindernissen hat zu streiten22. Die Liebe, welche selbstlos gibt, Und die das Wohltun nie verschiebt23: Die dient, die hilft, die geben will, Bedarf des Leides; sie braucht Drill Der weckt, der stärkt, der läutert sie: Erfüllt sie so mit Energie. Im Gegensatz zur Selbstsucht nur, Die eignem Wohl ist auf der Spur24, Durch festen Willen auf Verzicht Auf das, was Selbstgenuss entspricht: Im Sichversagen des Gewinnes Aus Opferfreudigkeit des Sinnes Spriesst Nächstenliebe, Edelmut, Barmherzigkeit, die Gutes tut, Die bald auch den Charakter fest Und unbeirrbar werden lösst, So dass zum Ziel er hingerichtet, Auf Irdsches aber gern verzichtet25. Ihr kennt ja meinen Lebenslauf Und wisst, dass ich mich himmelauf Durch Lenkung meines Willens hob: Wie Selbstsucht ich beiseite schob26. Auch brachte ich im `Heimweh´ ja Den Weg der Liebe kundbar nah27." –   Ungewollte, schicksalhafte Leiden sind ein weiteres Problem "Herr Hofrat Jung! Die sind bereit, Verzicht zu üben und auch Leid Auf sich zu nehmen ganz freiwillig, Um den Charakter recht und billig Zu stählen und sich zu erziehn Dass sie dem Endbild fast affin, Tun richtig; ja, für jeden Christ Dies sicher Lebens-Auftrag ist. So lehrt es klar ja auch die Bibel; Selbst dem Verstand ist dies plausibel: Denn nur durch ächte Nächstenliebe Veredelt sich das Weltgeschiebe. Jedoch, Herr Hofrat, wird zuteil Den Menschen nieden alleweil Der Leiden, Schmerzen vielerlei Ganz ungewollt, oft nebenbei! An Krankheit sei erinnert nur, An Schädigung durch die Natur: Wie schlimmer Ausbruch des Vulkans, Gebirgssturz, Flut des Ozeans; Auch denke hier ich an den Krieg, Dem stets Zerstörung ja entstieg Nebst Armut und Verlust von Lieben, Gefallen auf dem Feld geblieben. Stehn diese Leiden nicht deswegen Der Reifung der Person entgegen, Weil nicht gewollt sie und von aussen Wie schicksalhaft hernieder saussen?"   Sinn schicksalhafter Leiden "Herr Glaubrecht, lasst von mir euch sagen, Dass grade die genannten Plagen Den Menschen können sonders rühren: Zu einem Schub aufs Endziel führen. Drum sind sie auch -- von GOtt gesehen -- Als Gnadengabe zu verstehen. Lasst mich drei Dinge hierzu sagen, Aus denen seht hervor ihr ragen, Wie schicksalhaftes Leid dem Zweck Des Endziels dienlich ist durchweg.   Abkehr des Trachtens vom Weltlichen Als erstes solltet ihr beachten, Dass Leiden können wohl das Trachten Der Menschen nur auf diese Welt: Auf Luxus, Mammon, Pracht und Geld, Bewegen weg und richten hin Den irrgeführten, blinden Sinn Auf jene Güter unvergänglich, Die GOtt uns schenkte überschwenglich. Sehr lange auf der Erdenbahn28, Hat mir sich deutlich kundgetan, Wie sehr die Menschen doch vertrauen Auf Weltliches und fest auch bauen Auf andre Menschen, statt auf DEn, Der sie allein kann ganz verstehn Und ihnen SEine Huld und Macht Aus Freundlichkeit hat zugedacht. Der Menschen Sinn ist leicht betört Durch Irdisches; er überhört Den leisen Ruf von GOttes Gnade: Ist taub für diesen nachgerade. Wenn er durch Leid erführe nicht, Wie kärglich seine Zuversicht Auf irdsche Güter, Diesseits-Wohl: Wenn nie ging auf ihm, wie doch hohl, Beschränkt, vergänglich sich bemisst Was immer nieden Halt ihm ist: Der Mensch fänd nie Gelegenheit, Zu spüren die Glückseligkeit, Die Jenseits-Güter ihm gewähren, Und die er dann erst wird begehren, Wenn er gefühlt lebendig diese In Leid, in einer Lebenskrise. Verdeutlicht findet ihr das tief Gleich mehrmals im Korintherbrief29. Schaut bitte in den Text hinein: Es wird euch dies dann klarer sein.   Leiden vermögen die innere Kraft des Menschen zu stärken Es kann und soll daneben Leid Auch stärken die Beständigkeit Des Menschen: nämlich seine Kraft, Dass Schweres, Plagen er auch schafft. Ertragen mühevollen Lebens Trägt bei zur Kräftigung des Strebens Nach jener Heimat, die zum Ziel Zu schenken allen GOtt gefiel. Lest nach, was dazu Paulus lehrt30 Sowie Jakobus auch erklärt31. Ihr werdet tiefer dann erkennen, Dass Leid man oft kann Gnade nennen.   Strafleid als Erziehungszweck Ein Drittes lasst mich kurz noch sagen. Die Lehre, dass stets Leid und Plagen Die Strafe nur für Sünde sei, Ist falsch und irrig zweifelsfrei. Ich habe vorhin schon erklärt: Sie ist und bleibt durchaus verkehrt. Doch darf man drum nicht zweifeln an, Dass Leid durchaus auch haben kann Zu Sünde einen Strafbezug! Den Menschen, der im Höhenflug Des Bösen eben sich befindet, Kann stoppen Leid, dass er entwindet Sich völlig aus dem Netz der Sünde, Und Selbsterkenntnis jetzt begründe, Dass er dem Heil sich wendet hin, So ändernd völlig seinen Sinn. In diesem Fall hat Leid den Zweck, Dass kommt der Mensch vom Bösen weg. Das Strafleid stets drum Gnade ist, Die GOtt aus Liebe, Gunst bemisst32. Erinnert euch auch zur Erklärung An Pauli schmerzliche Bekehrung33.   Optimistische Auffassung vom Leid bleibt Nichtgläubigen ein Rätsel Herr Glaubrecht: seht ihr nun, wieweit Dem Menschen heilsam ist das Leid? Wie alle Übel sind durchweg Bloss Mittel GOttes zu dem Zweck, Dass von der Welt man sich entbindet Und seine Endbestimmung findet? Nur der, der GOttes Liebe kennt Und CHristum seinen Bruder nennt, Ist fähig, dass in dieser Zeit Ihm auftut sich der Sinn von Leid. Er wird dann ohne viel zu klagen Das Leid als Gnade GOttes tragen, Wie dies Milliarden Christen taten, Die in des HEilands Spuren traten, Ja, gar Martyrium erlitten: Gefasst dem Tod entgegen schritten. Ihr kennt, Herr Glaubrecht, ja das Lied, Aus dem man diesen Geist ersieht: `Was Gott tut, das ist wohlgetan! Es bleibt gerecht SEin Wille; Wie ER fängt meine Sachen an, Will ich IHm halten stille. ER ist der GOtt, der in der Not Mich wohl weiss zu erhalten; Drum lass ich IHn nur walten. Was GOtt tut, das ist wohlgetan! ER ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann; Ich will mich IHm ergeben In Freud und Leid, es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich ER es meinet´34." Jung-Stilling sang das Lied herzinnig Und Siona fiel ein frohsinnig Mit zweiter Stimme – streng methodisch –, So dass das Ganze klang melodisch. Mir kam der Zwiegesang so vor, Als sänge hier ein Engels-Chor.   Schwierige Zusatzfrage "Herr Hofrat", sagte nunmehr ich, "Ich danke ihnen sonderlich Für dieses Lehrstück, das den Sinn Des Leides stellt so fasslich hin. Ich sehe nunmehr vieles klar, Was bislang rätselhaft mir war. Zwar habe ich noch ein Problem; Doch ist es sicher unbequem, Zu diskutieren dieses noch, Da wir uns Frankfurt nähern doch, Und dafür in so knapper Frist Bestimmt heut keine Zeit mehr ist. Vielleicht, dass ich an andrem Tag Sie dazu dann noch hören mag?" –   Relativität der Zeit "Begreift, Herr Glaubrecht, dass die Zeit Ist Zukunft wie Vergangenheit! Das heisst, die Zeit ist relativ: Der Mensch schaut sie bloss subjektiv35. Indessen, Zeitlichkeit verrinnt, Sobald wir aus dem Körper sind. Ein jeder Christ taucht dann hinein In end- und anfangloses Sein, In dem ihm Glück und Freude ist Bloss Liebe des HErrn JEsu CHrist. Zum Aufschluss dessen legt zugrunde Die `Theorie der Geister=Kunde´36. Lest diese und empfehlet sie: Dazu auch die `Apologie´, Die jüngst ein Freund gab neu heraus37: Ich möchte, dass dies Buch zuhaus Die Stillings-Freunde stehen haben, Um sich und andre dran zu laben. Ihr könnt, Herr Glaubrecht, mich drum fragen Ganz unbedenklich, ohne Zagen, Was so sehr euch am Herzen liegt: Von mir gewiss ihr Antwort kriegt! Seid ohne Furcht, dass heut im Zug Sei nicht der Zeit dafür genug. Bis Frankfurt ist es noch sehr weit, Gemessen relativ in Zeit!" –   Unterschiedliche Reifungs-Chancen bei einzelnen Personen "Sehr wohl, Herr Hofrat: gern will ich Noch äussern, was beschäftigt mich. Es gibt auf Erden viele Leiden, Die Menschen klärlich doch beschneiden Als geistig-sittliche Person, Wie Irrsinn oder Depression. Als Arzt ist ihnen dies nicht fremd: Oft ist die Seele hier geklemmt. Ist möglich es bei den Beschwerden, Dass kann dadurch gefördert werden Die innere Entwicklung noch, Wenn fehlt das Ichbewusstsein doch? Recht viele Menschen auch verscheiden, Noch ehe sie durch Kampf und Leiden Je konnten machen sich bereit Zur formen die Persönlichkeit. Ich denke hier an kleine Kinder, An Jugendliche auch nicht minder. Stellt hier sich nicht ein Abbruch dar, Der innere Entwicklung klar Verunmöglicht, so dass das Ziel Der Reifung bleibt ein Gaukelspiel? Nun gut: ich will die Antwort hier Für diesmal selber geben mir. Es eignet GOtt Allwissenheit: ER sieht ein Leben kurz wie weit38. Drum auch aus dieser SEiner Sicht In jedem Falle Güte spricht: Stets darf man dessen sicher sein, Sieht man als Mensch es auch nicht ein." –   Endziel des Menschen ist ganz allein das Wesentliche "Es habt, Herr Glaubrecht, damit ihr Erspart die Antwort diesmal mir. Es ist genau, wie ihr es sagt: Die Güte GOttes überragt All das, was in der Welt geschieht, Auch wenn der Mensch es meist nicht sieht39. Das Leid aus solcher Schau bringt nah Euch Theresa von Avila40. Auch Grosses schrieb in der Karbäuse Zu diesem Thema Heinrich Seuse41; Wenn Zeit ihr habt, dann lest auch nach, Was GOtt zu Paul vom Kreuze42 sprach. Die Mystik dieser GOtterwählten – Nebst Zeugnis auch von Ungezählten, Die Leid erlitten und dem HErrn Trotz dessen dienten froh und gern – Kann euch bei weitem mehr erklären, Als ich gedrängt vermag zu lehren. Es steht des Christen Optimismus Entgegen dumpfen Fatalismus. Der HErr GOtt will, dass jeder leicht Das ihm gesteckte Ziel erreicht43: Und das heisst Selbstverwirklichung44, Glückseligkeit, Begnadigung45: In ewges Glück geschlossen ein Durch Mitgenuss an GOttes Sein46. Doch sehe eurem Blick ich an, Dass ich euch noch belehren kann. Was ist für euch nach alledem Auch jetzt noch immer ein Problem?" –   Gesetzmässigkeit der natürlichen Welt und menschliches Einzelschicksal "Sie sehen dies, Herr Hofrat, richtig! Es ist ein Zweifel sehr gewichtig, Den ihrem Urteil ich bescheiden Will ganz zum Schluss noch unterbreiten. Die Übel werden in der Welt Dem einzelnen ja zugestellt Konkret im Rahmen der Geschichte (Dass etwa Krieg das Land vernichte) Beziehungsweise der Natur (Man denke hier an Seuchen nur). Kann der gesetzte Weltverlauf Nicht drängen die Vermutung auf, Dass individuelles Leid Ist nicht gestaltbar allezeit Auf jenen Zweck, der Wohlsein ja Dem einzelnen bringt letztlich nah? Gefragt dies anders: steht im Streit Die Zwecksetzung von Schmerz und Leid (Durch die dem einzlnen Menschen Heil Ja letztlich immer wird zuteil) Mit jener Welten-Ordnung, die Gesetzt von GOtt in Symmetrie? Kommt hier es nicht zur Kollision: Zu Diskrepanz, wo die Person Und ihr Heil steht in andrer Sicht Als der, die Weltenplan entspricht? Noch deutlicher! Da GOtt die Welt In festes Gleichmass hat gestellt: Besteht jetzt noch die Möglichkeit, Dass Einzelschicksal, Einzelleid Von GOtt gestaltet werden kann? Dass peilt ER noch den einzlnen an?"–   Kollisionsthese liegt ein verkehrtes, deïstisches Gottesbild zugrunde "Mein lieber Stillings-Freund: wer denkt, Es sei GOtt solcherart beschränkt, Der hat ein falsches GOttesbild, Wie aus der Aufklärung es quillt: Es ist der Standpunkt des Deismus, Der leitet hin zum Fatalismus. Doch Kern der frohen Botschaft ist, Dass keinen Menschen GOtt vergisst: Dass ER als Vater stets in Huld Dem einzelnen mit viel Geduld Sich zuneigt ihm und nahe ist Mit Liebe, die kein Mensch ermisst! Die Liebe GOttes ging so weit, Dass ER sogar im Menschenkleid Zur Erde kam und SEine Güte In Wort und Sakrament versprühte. In JEsus CHristus war er da, Und ist auf Erden jetzt noch nah Im Abendmahl, in SEinem Geist, Der Menschen Glück und Heil erweist. Es klingt wie Ironie, wie Spott, Wenn diesen milden LiebesGOtt Man unterstellt, dass Menschen ER Ein ferner Weltenlenker wär. Nein, nein, Herr Glaubrecht, denkt euch nicht Beschränkt des HErren Liebessicht Auf jede einzelne Person Durch seine Rolle und Funktion Als Weltenschöpfer, HErr des Alls! Vergessen wird ER keinesfalls Je einen einzlnen Menschen nur, Ja: kein Stück seiner Kreatur -- Was schliesst die ganze Tierwelt ein, Die Pflanzen, Steine obendrein.   Gläubigkeit als Voraussetzung für den christlichen Optimismus Ich weiss, Herr Glaubrecht, dass all dies, Was heute ich euch unterwies, Nur dem verstehbar, fühlbar ist, Der glaubt an GOtt durch JEsu CHrist. Ein solcher Glaube allemal Ist Gnade, ist ein Lichtes-Strahl. Doch wer in diesem Glaubenslicht, Dem schenkt GOtt auch die Zuversicht, Dass selbst kein Haar von seinem Haupt Verliert sich wahllos, unerlaubt47.   Widmungsträger wird genannt Dass meine Leibeserben heute In GOttes Gnade, ist mir Freude. Ich habe sonders im Visier Den Tochterspross48 Schwarz-Schilling hier. Auf ihn bin ich ausnehmend stolz: Er ist von ächtem Stillings-Holz. Just wird er fünf und sechzig Jahre; Er ist mit mir aufs untrennbare Verbunden hier allschon auf Erden, Mag dies auch gar nicht sichtbar werden. Doch wie oft war ihm helfend nah Bei Schwierigkeiten Siona! Mit Dank sah ich ihn Geld auch stiften, Dass neu man druckt jetzt meine Schriften, Durch die sich viele recht besinnen Und Scharen daraus Trost gewinnen, Der macht zum Harren sie bereit Zu dieser schlimmen Erdenzeit. Ich bitte euch, Herr Glaubrecht, sehr: Erfüllet sorgsam mein Begehr Und schreibt schön auf das Titelblatt: Man diese Schrift geboten hat Herrn Christian Schwarz-Schilling da, Dem Enkel von Ohephia5, Den GOtt mit Absicht hat gestellt Zu dieser Zeit grad in die Welt."   Zug befindet sich kurz vor der Einfahrt nach Frankfurt Jung-Stilling brach hier ab die Rede. Ich sah vom Notebook auf und drehte Den Kopf in Richtung Fenster hin, Damit Erkenntnis ich Gewinn, Wo denn der Zug inzwischen sei? Ich war nicht ganz von Sorge frei, Den Ausstieg doch noch zu verträumen, Die Konferenz drum zu versäumen, Zu der ja unterwegs ich war An jenem Tag im Februar. Du liebe Zeit! Der Zug bog ein Just zu der Brücke an dem Main! Ich wurde sehr nervös nun doch, Zumal jetzt Reisende auch noch Im Gang mit dem Gepäck schon standen, In Richtung Tür gar welche rannten. Jung-Stilling wollte bitten ich, Dass er entlässt ob dessen mich Aus dem Gespräch (so dass genug An Zeit mir bleibt, dass aus dem Zug Auch ich kann ruhig steigen aus): Ihm sagen dieses freiheraus.   Jung-Stilling und Siona entweichen Als darob ich zu Stilling schaute, Ich schier nicht meinen Augen traute: Jung-Stilling blickte mild mich an; Er nickte zu mir und begann Auf einmal langsam zu verblassen! Ich konnte erst es schwerlich fassen, Dass er sich einfach löste auf: Entzog sich so dem Erdenlauf Und tauchte nunmehr wieder ein Ins zeitenlose Seligsein. Mein Blick ging nun zu Siona. Der Engel sass noch leiblich da. Doch eh ich etwas konnte sagen, Tat auch sich er der Welt versagen. Er war noch licht; mit einem Mal Sah Siona ich bleich und fahl. Er wurde matter allgemach: Verlor dem Aug sich nach und nach. Kurz war ein Flimmern noch zu sehen, Das nach und nach kam zum Vergehen. Der Platz war nunmehr völlig leer, Wo Siona noch sass vorher. Erschrocken sah ich nunmehr ein: Ich war in dem Abteil allein!   Belehrung erscheint jambisch in Reim Vier Tage drauf fand ich zu Haus Die Zeit, den Text zu drucken aus. Was Stilling sagte (dass daheim Der Text erscheine hübsch in Reim), Fand voll bestätigt sich und wahr: Die Reden boten so sich dar, Wie findet vor man diese hier In Druck gebracht auf das Papier: Gebunden in ein Versgeflecht, Gereimt zu Jamben kunstgerecht.   Dank an GOtt für die Belehrung Ich dankte GOtt für diese Gnaden: Dass Siona und Stilling nahten Sich mir im Zug und mich belehrten, Den Zweck des Leides mir erklärten, Und bat auch GOtt, dass möglich viele, Die Leiden nieden hart umspiele, In ihnen öffne sich der Sinn Zu ihrer Endbestimmung hin. Gedankt sei hierfür warm dem Engel; Doch zeihe ihn man nicht der Mängel! Man schimpfe vielmehr allemalen Auf Glaubrecht Andersieg zu Salen, Der dies in Himmels-Auftrag schrieb Und dem vertraut sind Schmäh und Hieb.   Zu Nutz aller ins Internet gestellt Damit sich alle Stillings-Treuen An dieser Botschaft recht erfreuen, Gab ein die Botschaft ich komplett Die Woche drauf ins Internet. Natürlich werden welche knurren, Und andere vernehmbar murren, Weil es nach deren Vorurteil Nicht sein darf, dass je wird zuteil Den Menschen nieden eine Kunde Aus eines Jenseits-Wesens Munde. Die Armen ach! Sie sind verrannt In ihren Herzen und Verstand Ins Diesseits bloss und daher blind Für das, was Geister wohlgesinnt Die Erdenbürger lassen wissen: Sie leugnen solches starr verbissen. Euch fleh ich an: seht doch auch ein, Dass jemand mag umgeben sein Von Geisteswesen, die ihn lehren, Mit Jenseitsbotschaft reichlich nähren. Lasst ab von Anfeindung und Krieg: Drum bittet Glaubrecht Andersieg. Hinweise, Erläuterungen und Quellen * Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Gebietsteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland. Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110'000 Bewohnern, am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie gemessen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilometer), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer). Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register). Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 1) geboren, herangewachsen und hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt. 1 Geheimer Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817), der Philosophie (zeitgenössisch: Weltweisheit) und der Medizin (zeitgenössisch: Arzneikunde oder auch Arzneigelehrtheit) Doktor. Dieser wurde in der letzten Zeit wiederholt hier auf Erden gesehen. Eine Aufzählung entsprechender Berichte findet sich bei Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 , ISBN 3-928984-11-X, S. 97 ff. – Zusätzlich zu den dort aufgezählten Beschreibungen wäre noch zu nennen Treugott Stillingsfreund: Zur Verschuldung der Entwicklungsländer. Ein Gespräch zwischen Johann Heinrich Jung-Stilling und Treugott Stillingsfreund vom Frühjahr 1987, 2. Aufl. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Broschüre, nicht im Buchhandel) sowie Treugott Stillingsfreund: Teuflisches Wirken heute. Zur Definition der Ungüter. Zwei nachtodliche Gespräche mit Hofrat Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 (Broschüre; nicht im Buchhandel). – Alle der genannten Belehrungen von Jung-Stilling sind inzwischen auch als Download-File unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/~stilling> abrufbar. 2 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: "Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert"). Der Name Siona bedeutet letztlich "die Himmlische"; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO–ETYMOLOCIUM, Bd. 2. Augsburg (Veith) 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa "ORNAMENTUM TRACTUS" oder "GAUDIUM TOTIUS TERRAE" und "LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS"). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen. Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als –  "unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit" (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), –  "göttliche Freundin" (ebenda, S. 223), dankt der –  "erhabenen Dolmetscherin" (ebenda, S. 241), die ihm –  oft ungesehen als Engel "immer liebvoll zur Seite ist" (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw'sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber –  auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und –  Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst) auf einer "Himmels-Leiter" zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786-1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760-1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen "in müdes Weltgewühle" zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87). Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits (Anm. 3), S. 16 ff. – Vgl. auch zum Grundsätzlichen Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet die Dateien bei <http://www.himmelsboten.de> 3 Siehe die in Anm. 1 genannten Erscheinungs-Berichte sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995. Dieses Buch ist frei downloadbar bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>, allerdings ohne die der Druckausgabe beigegebenen Abbildungen. 4 Jung-Stilling erhielt als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität Heidelberg durch Erlass des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern (ihm hatte er auch seine medizinische Doktorarbeit gewidmet und im März 1772 persönlich bei Hofe zu Mannheim überreicht) vom 31. März 1785 die Ernennung zum "Kurpfälzischen Hofrat". Das mit dem Hofrats-Titel verbundene gesellschaftliche Ansehen war zu jener Zeit beträchtlich. Es gewährte dem Träger manche Begünstigungen, so auch (was Jung-Stilling als reisenden Augenarzt ganz besonders zum Vorteil gereichte) an Posten, Schildwachen, Stadttoren, Überfuhren, Brücken, Fähren sowie an den zu jener Zeit auch innerlands zahlreichen Schlagbäumen vor den Post-, Maut- und Grenzstationen. Der Friedensvertrag von Campo Formio (7 km südwestlich von Udine in Venetien) vom 17. Oktober 1797 zwischen Napoléon und Kaiser Franz II., bestimmte in Artikel 20 den Rhein als die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland. Dies wurde im Frieden von Lunéville (südöstlich von Nanzig [französisch: Nancy] gelegen; ehemalige Residenz der Herzöge von Lothringen) am 9. Februar 1801 bestätigt. In Artikel 6 heisst es genauer: "S. M. l'Empereur et Roi, tant en Son nom qu'en celui de l'Empire Germanique, consent à ce que la République française possède désormais (= von nun an) en toute souveraineté et propriété, les pays et domaines situés à la rive gauche du Rhin, … le Thalweg (= die Fahr-Rinne für die Schiffahrt) du Rhin soit désormais la limite entre la République française et l'Empire Germanique, savoir (= und zwar) depuis l'endroit (= von der Stelle an) où le Rhin quitte le territoire helvétique, jusqu'à celui où il entre dans le territoire batave." Eine ausserordentliche Reichsdeputation, eingesetzt am 7. November 1801, beriet daraufhin zu Regensburg (seit 1663 der Tagungsort des Immerwährenden Reichstags) über die Entschädigung an deutsche Fürsten, die ihre (links der neuen Staatsgrenze zu Frankreich gelegene) Gebiete an Frankreich abtreten mussten. Durch besondere günstige Umstände (späterhin traten auch noch verwandtschaftliche Beziehungen mit Frankreich hinzu: sein Enkel und Thronfolger Karl [1786/1811–1818] heiratete zu Paris am 7./8. April 1806 Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais [1789–1860], die knapp 17jährige Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte, dem Kaiser der Franzosen) vergrösserte Karl Friedrich von Baden (1728/1746–1811) bei dieser Gelegenheit sein Gebiet um mehr das Vierfache; die Bevölkerung seines Landes stieg von 175'000 auf fast 1 Million Bewohner. Die pfälzische Kurwürde ging auf ihn über; Karl Friedrich wurde damit 1803 vom Markgrafen zum Kurfürsten erhoben. – Wenig später rückte er durch den Rheinbundvertrag vom 12. Juli 1806 nach Artikel 5 gar zum Grossherzog mit dem Titel "Königliche Hoheit" auf (die bereits 1818 zur Witwe gewordene Grossherzogin Stéphanie nahm übrigens später wieder den Titel "Kaiserliche Hoheit“ an). Mit dem Besitzwechsel der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (so auch der alten Residenz- und Universitätsstadt Heidelberg, der neuen [seit 1720] Residenzstadt Mannheim [mit dem grössten Barockschloss in Deutschland] und der Sommerresidenz Schwetzingen [mit dem kurfürstlichen Lustschloss samt 76 Hektar grossen Schlossgarten, Moschee, Badehaus und Theater]) an das Haus Baden durch den Regensburger Reichsdeputations-Hauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde gemäss § 59, Abs. 1 ("Unabgekürzter lebenslänglicher Fortgenuß des bisherigen Rangs") der "kurpfälzische" DE JURE PUBLICO automatisch nunmehr zum "badischen" Hofrat. Im April des Jahres 1808 wird Jung-Stilling dann als Berater des Grossherzogs Karl Friedrich in Karlsruhe ("ohne mein Suchen", wie er selbst hervorhebt) zum "Geheimen Hofrat in Geistlichen Sachen" ernannt. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von Gerhard Schwinge. Giessen, Basel (Brunnen Verlag) 2002, S. 404 (dort die Anmerkung 10). Beim Eintritt von Jung-Stilling in den Himmel kommt ihm Karl Friedrich von Baden freudig entgegen und heisst ihn in der Seligkeit als Bruder herzlich willkommen. – Siehe hierzu und überhaupt zum Übergang von Jung-Stilling in das Jenseits des näheren (unbekannte Verfasserin): Sieg des Getreuen. Eine Blüthe hingeweht auf das ferne Grab meines unvergeßlichen väterlichen Freundes Jung=Stilling. Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung) 1820, S. 27. Jung-Stilling stand nach seinem frei gewählten Abschied von der Universität Marburg ab 1803 im Dienste des Hauses Baden und empfing von Karl Friedrich eine Ehrensold. Ein Ruhegehalt gewährte die Universität Marburg bzw. die Landesregierung in Kassel Jung-Stilling nicht. – Siehe hierzu Gerhard Schwinge: Jung-Stilling am Hofe Karl Friedrichs in Karlsruhe, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, Bd. 135 (1987), S. 183 ff., Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795-1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 219 ff. (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32) sowie zum Verhältnis zwischen beiden Persönlichkeiten auch Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 237 ff. (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie, Bd. 1). Bei nachtodlichen Erscheinungen von Jung-Stilling wird dieser gewöhnlich mit "Herr Hofrat" (seltener mit "Herr Geheimrat") angesprochen, auch von seinem Engel Siona. Der Titel "Hofrat" ist gleichsam fester Bestandteil des Namens (ADJUNCTIO NOMINIS), wie etwa "Apostel Paulus", "Kaiser Karl" oder "Prinz Eugen" zu verstehen, und nicht als ehrenvolle Benennung (TITULUS HONORIS). – "Stilling" ist ein individueller Beiname (APPELLATIO PROPRIA) und klingt zu vertraulich. – "Professor Jung" und "Doktor Jung" greift eine Stufe niedriger als "Hofrat Jung"; das heisst: der Titel "Hofrat" steht über der Amtsbezeichnung "Professor" oder dem akademischen Grad bzw. volkstümlich der Berufsbezeichnung (= Arzt) "Doktor". 5 Einjeder Christ, der in die Seligkeit eingeht, erhält von GOtt einen neuen Namen; siehe Offb 2, 17. Der besondere Name, mit dem Jung-Stilling im Jenseits beschenkt wurde, ist Ohephiah (= der GOtt liebt). – Siehe hierzu [Christian Gottlob Barth:] Stillings Siegesfeier. Eine Scene aus der Geisterwelt. Seinen Freunden und Verehrern. Stuttgart (Steinkopf) 1817, neu abgedruckt in: Johann Heinrich Jung's, genannt Stilling, sämmtliche Werke. Neue vollständige Ausgabe, Erster Band. Stuttgart (Scheible, Rieger & Sattler) 1843, S. 853 ff. – Siehe auch Gerhard Schwinge: Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller der Erweckung. Eine literatur- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchung seiner periodischen Schriften 1795–1816 und ihres Umfelds. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1994, S. 316 (Arbeiten zur Geschichte des Pietismus, Bd. 32). 6 Siehe zu den Reisen von Jung-Stilling nach Frankfurt am Main genauer Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. 770 f. (Register, Stichwort "Frankfurt") sowie zu den Augenoperationen in Frankfurt Johann Heinrich Jung-Stilling: Geschichte meiner Staar Curen und Heylung anderer Augenkrankheiten, hrsg. von Gerhard Berneaud-Kötz. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992, S. 135 ff. (Patienten-Verzeichnis). 7 Stillings-Freund meint –  Gönner, Förderer, später –  Verehrer und Anhänger ("Fan": dieses heute gebräuchliche Wort vom lateinischen FANATICUS = begeistert, entzückt) oder auch nur –  wohlwollender Leser der Schriften von Jung-Stilling. Der Ausdruck stammt von Jung-Stilling selbst. Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 6), S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. – Auf der anderen Seite gibt es aber  auch "Stillings-Feinde", siehe ebendort, S. 316. 8 Siehe Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992, S. 47 ff. (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2). Hier äussert sich Jung-Stilling näher über das zeitliche und ewige Glück des Menschen. Auch abrufbar bei der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> 9 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Wirtschaft. Berlin (Duncker & Humblot) 1988, S. 23 (Stichwort "Entelechie"). 10 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 139 (Stichwort "Schöne, Gute"). 11 Jung-Stilling spielt hier sicher an die fünfte der "Hymnen an die Nacht" von Novalis (Friedrich von Hardenberg, 1722–1801) an, die der Komponist Franz Schubert (1797–1828) tief nachempfindend vertont hat. In dieser Hymne heisst es gegen Ende: "Und jede Pein wird einst ein Stachel der Wollust sein." 12 Jung-Stilling schreibt dem Engel Siona in seinen Schriften stets das weibliche Geschlecht zu; siehe auch Anm. 2. 13 Reichenburg heisst bei Jung-Stilling die ehemalige (ab 1720 und bis zum Wegzug des Kurfürsten Karl Theodor zwecks Erbantritts in München 1778) kurpfälzische Haupt- und Residenzstadt Mannheim, am Zusammenfluss von Neckar und Rhein gelegen. – Jung-Stilling und seine Familie hatten vielfältige Beziehungen zu dieser Stadt; siehe darüber mehr bei Gotthold Umtermschloß: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope Verlag) 1988, S. 79 ff. sowie (unbekannte Verfasserin:) Amalie Jung und das Großherzogliche Fräulein=Institut in Mannheim. Ein Lebens=und Charakter=Bild. Weimar (Böhlau) 1873 sowie die Datei "Wirkkraft der Geister" bei dem URL <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> 14 Siehe zum Begriff "Sünde" bei Jung-Stilling Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 156 ("Alles was uns von der wahren Erkenntnis Gottes abführt ist Sünde"). 15 Siehe Gen 3 (Bericht über den Sündenfall). 16 Siehe hierzu vor allem die Psalmen 37, 49 und 73. 17 Siehe Lk 13, 1-3; Joh 9, 2-3. 18 Siehe Röm 5, 12. 19 Siehe Gerhard Merk: Grundbegriffe der Erkenntnislehre für Ökonomen. Berlin (Duncker & Humblot) 1985, S. 42. – Hier wird der berühmte Schluss des Mathematikers und Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) so wiedergegeben: "Wenn die bestehende Welt nicht die beste wäre, dann hätte Gott eine bessere entweder nicht gekannt, oder nicht schaffen wollen oder nicht hervorbringen können. Diese drei Fälle sind aus Gottes Allwissenheit, Allgüte und Allmacht ausgeschlossen. Also ist die bestehende Welt die beste unter allen möglichen." 20 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 163 (Stichwort "Tod, zweiter"). 21 Zum Begriff "Charakter" siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 105 (Stichwort "Mensch/Charakter") und S. 107 f. (Stichwort "Menschen-Typen"). 22 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 3 (Stichwort "Abtötungen"). 23 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 111 f. (Stichwort "Nächstenliebe"). 24 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 29 f. (Stichwort "Eigenliebe"), S. 58 (Stichwort "Gemeinwohl/Pflichtcharakter") und S. 148 (Stichwort "Selbstsucht"). 25 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 23 f. (Stichwortfolge "Christ, wahrer"). 26 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 100 (Stichwort "Leiden", Zitat aus der "Lebensgeschichte"). 27 Jung-Stilling gab zwischen 1794 und 1796 in vier Teilen den Roman "Das Heimweh" heraus, ergänzt um einen "Schlüssel zum Heimweh". – Siehe hierzu gut zusammenfassend Otto W. Hahn: Jung-Stillings "Heimweh", in: Michael Frost (Hrsg.): Blicke auf Jung-Stilling. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1991, S. 115 ff. 28 Jung-Stilling wurde 77 Jahre alt und hatte eine sehr reiche Lebenserfahrung als Handwerker, Lehrer, Kaufmann, Arzt, Augenarzt, Universitätsprofessor und fürstlicher Berater. Jung-Stilling war dreimal verheiratet; er verlor zwei Ehefrauen und sieben Kinder durch frühen Tod. – Siehe neben der in Anm. 6 genannten Ausgabe der selbstverfassten Lebensgeschichte auch Gerhard Merk: Jung-Stilling. Ein Umriss seines Lebens. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988. 29 Siehe 2 Kor 1, 8 f.; 4, 7 ff.; 12, 7 ff. 30 Siehe Röm 5, 3 ff. 31 Siehe Jak 1, 2 ff. 32 Siehe Hebr 12, 4 - 11. 33 Der Christenverfolger Saulus wurde mit Blindheit geschlagen und dadurch zur Annahme der Gnade GOttes bereitet; siehe Apg 9, 1-24. 34 Das Lied dichtete der Thüringer Samuel Rodigast (1649–1708). Es wird bis heute in den christlichen Gemeinden nach eigener Melodie (von Johann Pachelbel, 1653–1706) gesungen. Hier werden die erste und die vierte Strophe von Jung-Stilling und Engel Siona vorgetragen. 35 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 128 f. (Stichwort "Raum und Zeit"). 36 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so!) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so, also mit Eszett). Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung) 1808, S. 33 f., S. 211. – Vgl. zur Zeittheorie von Jung-Stilling auch Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 25 ff., S. 106 f., als Download-File (ohne die der Druckausgabe beigegebenen Abbildungen) unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar. 37 Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlasst durch ein über dieselbe abgefasstes Gutachten des Hochwürdigen (so!) geistlichen Ministeriums zu Basel. Als Erster Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde. Nürnberg (Raw'sche Buchhandlung) 1809. – Die "Apologie" erschien kommentiert im Neudruck bei Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 2). 38 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 140 (Stichwort "Schöpfung") sowie Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling (Anm. 36), S. 108. 39 Siehe Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 64 f. (Stichwort "Gnadenwirken"). 40 Theresia von Avila (1515–1582), spanische Nonne aus dem Karmeliterorden, der es vergönnt war, die Gegenwart GOttes in ihrer Seele unmittelbar innezuwerden. Ihre "Seelenburg", 1577 erstmals erschienen, blieb bis heute hoch geschätzt. Ihre "Sämtlichen Schriften" in neuer deutscher Übersetzung erreichten in den letzten Jahren hohe Auflagen. 41 Der süddeutsche Dominikanermönch Heinrich Seuse (1295–1366) lehrte das Entbildetwerden und Überbildetwerden der Kreatur mit CHristus in GOtt und die Überwindung des Leids. Zahlreiche Veröffentlichungen auch der jüngsten Zeit zeugen vom fortdauernden Anklang seiner Gedanken. 42 Der aus sehr einfachen Verhältnissen stammende Italiener Paul vom Kreuz (1694–1775) ist der Gründer des Passionistenordens. In der besonderen Verehrung der Passion JEsu CHristi sah er den Sinn des Leides für die Welt aufleuchten. 43 Siehe Gerhard Merk Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 108 f. (Stichwort "Menschheit"). 44 Siehe Gerhard Merk Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 148 f. (Stichwort "Selbstverwirklichung"), S. 176 (Stichwort "Vervollkommnung/Ziel"). 45 Siehe Gerhard Merk Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 122 (Stichwort "Pflicht"). 46 Siehe Gerhard Merk Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion (Anm. 2), S. 157 (Stichwort "Sündhaftigkeit/Bewusstsein"). 47 Siehe Lk 12, 7; 21, 18. 48 Jung-Stillings älteste Tochter Johanna (Hanna, 1773–1826) aus der ersten Ehe mit Christine Heyder (1751-1781) heiratete 1792 den hessischen Pfarrer und (ab 1804) Theologieprofessor Friedrich Heinrich Christian Schwarz (1766–1837), der als Lehrstuhlinhaber in Heidelberg zwölf wichtige Werke zur Pädagogik hinterliess. Aus dieser Verbindung stammt der Widmungsträger, Christian Schwarz-Schilling, direkt ab. Jung-Stilling hatte zu dem Ehepaar Schwarz zeitlebens eine sehr enge Verbindung. Es sind 168 Briefe Jung-Stillings an seinen Schwiegersohn, an seine Tochter und an Enkelkinder Schwarz aus den Jahren 1790-1816 erhalten. – Siehe mehr bei Max Geiger: Aufklärung und Erweckung. Beiträge zur Erforschung Johann Heinrich Jung-Stillings und der Erweckungstheologie. Zürich (EVZ-Verlag) 1963, S. 168 ff. (Basler Studien zur historischen und systematischen Theologie, Bd. 1) sowie Gerhard Schwinge: "freundlich und ernst". Friedrich Heinrich Christian Schwarz. Theologieprofessor und Pädagoge in Heidelberg von 1804 bis 1837 und die Heidelberger Gesellschaft seiner Zeit. Heidelberg (verlag regionalkultur) 2007, S. 15 ff. (Archiv und Museum der Universität Heidelberg. Schriften, Bd, 11). What greater calamity can fall upon a nation than the lack of engaged clergymen and clergywomen.

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