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Europäische Währungsunion, Grundfehler (EMU constructional fault)

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Europäische Währungsunion, Grundfehler (EMU constructional fault): Der entscheidende Konstruktionsfehler der EWU wird darin gesehen, dass Mitgliedsstaaten ihr Haushaltsdefizit anderen Mitgliedern hintenherum, verdeckt und unauffällig aufbürden können. Das geschieht auf folgendem Weg. – Œ  1  Mitglieder, die sich höhere Ausgaben leisten, als sie durch Steuern einnehmen, begeben für den Fehlbetrag Staatsanleihen. –  Einen Gutteil dieser Papiere kaufen Banken, weil sie diese bei der EZB als Sicherheit für neue Kredite hinterlegen können. – Ž   2   Haben die Banken die Staatsanleihen hinterlegt und dafür einen Zentralbankkredit erhalten, so erhöht sich die Geldmenge in der EWU gesamthaft. –    3  Steigt aber die Geldmenge, so erhöhen sich ceteris paribus über kurz oder lang auch die Preise, und zwar über das gesamthafte Eurogebiet hinweg. – Auf dieser Schiene kann ein Mitglied seine Schulden bequem über die gemeinsame Währung auf alle anderen Mitglieder abwälzen, ohne gezwungen zu sein, die Ursachen des Haushaltsdefizits unmittelbar mit Massnahmen der Wirtschaftspolitik angehen zu müssen. Auch Politiker können so ungehemmt Wahlgeschenke zu Lasten aller Mitglieder der EWU verteilen (can distribute campaigns goodies uninhibited to the disadvantage of all citizens of the EMU, as indeed it was and is until now the case). – Diese verhängnisvolle Verkettung (fatal concatenation) könnte nur gebremst werden, wenn – Œ   1  Banken, so wie im Falle der Griechenland-Krise, durch erzwungenen Schuldenschnitt (forced haircut) Verluste erleiden und sich beim Kauf von Staatsanleihen wackeliger Mitglieder zurückhalten; das aber geschieht kaum, solange diese Verluste steuersparend abgeschrieben (could depreciated tax saving) und damit letztlich wieder auf andere überwälzt werden können, –   2   Rating-Agenturen diese Staatsanleihen auf Ramschniveau (junk status) herabstufen – was ihnen bis anhin dann sofort die Schelte vieler Politiker, der EU-Kommission benebst wüster Drohungen (violent threats, culminating in warning to be banned) eintrug: die Wut richtet sich bildlich gesprochen auf das Thermometer anstatt auf das Fieber – und die EZB dadurch gezwungen ist, einen hohen Sicherheitsabschlag anzusetzen, –  3  Ž die EZB solche letztlich wertlose Staatsanleihen überhaupt nicht mehr hereinnähme und damit dem hoch verschuldeten Mitglied den Geldhahn zudrehte (cuts off the flow of money), was sie aus politischen Gründen und wegen des Gruppendrucks im EZB-Rat nicht kann. – Es ist mithin ein Irrtum zu behaupten, erst durch den Ankauf von Staatsanleihen wackeliger Mitglieder habe die EZB Krisenstaaten finanziert: das geschah auf dem beschriebenen Weg schon lange zuvor. Ohne die EZB hätte Griechenland nicht einen derart hohen Schuldenberg auftürmen können, und dasselbe gilt für Zypern oder Spanien und Portugal. – Siehe Aufkäufe, zentralbankliche, Bail-out, Downrating, EWU-Sprengsatz, EZB-Sündenfall, Goldopfer, Gruppendruck, Moral Hazard, Niedrigzinspolitik, Perpetuum Mobile, Rechnung, Schrottpapiere, Schuldendroge, Schuldenunion, Schuldentilgungspakt, Staatshaftung, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Transferunion, Umverteilung, zentralbankbewirkte, Verfassungsartikel eins, Weginflationierung, Zwangsenteignung.


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