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Ach, wie gut haben wir es doch heute!

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Eine Einschätzung unserer gewisslich wohlannehmlichen, lichtfreundlichen Tage mit den ehevorigen düsteren, verdrüssigen Zeiten, allermassen geprägt durch untuliche Finsternis, übellästigen Bedrang und ebenermassen härtigliche Plackerei

nachdrucksamst auseinandergelegt im belehrenden Gespräch mit dem
hochgelehrten, lebenserfahrenen und bis anhin unvergessenen Herrn

Johann Heinrich Jung-Stilling (1740-1817),
der Weltweisheit und Arzneikunde Doktor,
seit 1785 Kurpfälzischer, durch Rechtsübergang ab 1803 Badischer Hofrat,

lebzeitig bis 1803 Professor für ökonomische Wissenschaften sowie Lehrbeauftragter für operative Augenheilkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg/Lahn; davor bis 1787 Professor für angewandte Ökonomik – mit Einschluss der Tiermedizin – an der Universität Heidelberg und vordem seit 1778 in gleicher Bestellung an der Kameral Hohen Schule zu Kaiserslautern;

weiland Gründungsmitglied der Geschlossenen Lesegesellschaft zu Elberfeld, dortselbst seit 1772 auch praktischer Arzt, Geburtshelfer und ab 1775 öffentlich bestellter Brunnenarzt sowie Unterrichtender in Physiologie; der Kurpfälzischen Ökonomischen Gesellschaft in Heidelberg, der Königlichen Sozietät der Wissenschaften in Frankfurt/Oder, der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft in Mannheim, der Gesellschaft des Ackerbaues und der Künste in Kassel, der Leipziger ökonomischen Sozietät sowie auch seit 1781 bis zum Verbot sämtlicher Geheimgesellschaften im kurpfälzisch-bayrischen Herrschaftsbereich durch Erlass aus München vom 22. Juni 1784 der erlauchten
Loge \“Karl August zu den drei flammenden Herzen\“ in Kaiserslautern Mitglied,

und emsig beflissen aufgeschrieben sowie gemeinen Nutzens zu Gut ins World Wide Web gestellt, dabei alle Leser gÖttlichen Obhalts und englischen Schutzes innigst empfehlend
von
Liebmund Kirchentreu
in Salen, Grafschaft Leisenburg*

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Markus-Gilde, Siegen

Leicht veränderte Online-Fassung der Druckschrift \“Von den Leiden der Zeit\“, Klaus Pfeifer zum 17. März 1989 überreicht. – Die gewerbliche Nutzung des Textes bedarf der Einwilligung des Copyright-Inhabers, der löblichen Markus-Gilde, Postfach 10 04 33, 57004 Siegen (Deutschland)

mailto:.


Nächtlicher Spaziergang durch Urlaubsort


Herrlich ist es, wenn im Sommer
Faulenzt man am Wasserrand:
Urlaubstage froh geniessend,
Ganz der Ruhe hingewandt.

Seit dem frühen Morgen lag ich
An dem Strand bei Radolfszell;1
Döste vor mich hin und ging erst
Abends spät in mein Hotel.

Scheinbar strahlte zu viel Sonne
Heut auf meinen Körper ein.
Schlaflos lag ich drum im Bette:
Wach auch noch bei Mondesschein.

Kurz nach zwölf stand drum ich auf,
Machte frisch mich, zog mich an,
Schritt in Richtung Frauenmünster:2
Einen Rundgang ich begann.


Johann Heinrich Jung-Stilling zeigt sich


Nächst dem Haus der Ritterschaft3
Kam ein Mann entgegen mir:
Sprach mich an, wie es ihn freue,
Mir heut zu begegnen hier.

Seine Stimme – auch der Sprechton –
Machten mir gleich völlig klar:
Hofrat Johann Heinrich Jung4
Nächtens hier am Gehen war!

\“Stillings-Freunde5 heut zu treffen,
War schon immer mein Bestreben.
Drum bekomme oft ich Lust,
Mich zur Erde zu begeben.

Denn in diesen schlechten Zeiten,
Wo das Böse wütig tost,
Nützt den lieben Stillings-Freunden
Sicher etwas Himmels-Trost.\“


Bejammernswerte Lebensumstände zur Zeit von Jung-Stilling


\“Himmels-Trost kann niemals schaden\“,
Nahm ich seine Worte auf;
\“Doch, Herr Hofrat, sehen falsch sie
Wohl den neuen Zeitenlauf!

(1) Gegenüber ihren Tagen
Vieles hat verbessert sich.
Wenn sie einmal daran denken,
Wie das Wissen kümmerlich

Noch der Ärzte, als sie wirkten
Ehedem in Wuppertal;6
Wie Gesundheit jetzt die Regel:
Keiner leidet mehr in Qual.

(2) Unentwickelt waren zudem
Ja Verkehr auch und Transport:
Oft ihr ganzes Leben hingen
Menschen bloss an einem Ort.

(3) Ganz verklemmt in Leibesfeindschaft
Lebte man in Prüderie:
Sich entwickeln, zu sich finden
Konnten drum die Leute nie.

(4) Dann, Herr Hofrat, waren auch
Kriege damals schier die Regel:
Hart das Los bei Einquartierung,
Jeder Krieger doch ein Flegel.

(5) Schliesslich darf ich sie erinnern,
Wie das Recht IN PRAXI war:
Ganz nach Klassen ausgerichtet,
Drum parteiisch ganz und gar.\“


Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung ehedem verglichen mit diesem heute


\“Lasst, mein Stillings-Freund, euch sagen,
Dass ihr in Geschichte schwach!
Besser war zu meinen Tagen
Doch das Leben hundertfach!

(1) Aufgezählt habt ihr als erstes,
Wie die Leute damals krank;
Unerfahren noch die Ärzte:
Tief ins Leid der Mensch versank.

Ich mag nicht das Damals schildern:
Ihr könnt doch es nicht empfinden!
Vielmehr will ich kritisch sichten
Nur das heutige Befinden.

Ferners sei zufleiss begrenzt
Ganz allein auch noch der Blick
Auf das Land, das jetzt sich nennt
Deutsche Bundes-Republik.


Suchtabhängige gab es weiland im Gegensatz zu heute kaum


Knapp die Hälfte aller Bürger
Nunmehrig verfallen ist
Ganz dem Tabakrauch, der schädigt
Wohlergehen, wie ihr wisst.

Etwa anderthalb Millionen
Rauchen täglich gar in Ketten
Zwanghaft – aber nicht gezwungen! –
Bis zu hundert Zigaretten.7

Zwei Millionen andre Menschen
Hängen ab vom Alkohol:
Fühlen erst ab zwei Promille
Lebensfähig sich und wohl.8

Esskrank dürften drei Millionen
Weiters einzuschätzen sein.
Machtlos gegen eigne Gier,
Mampfen sie in sich hinein.

Nochmals gegen zehn Millionen
Ältrer Menschen – doch auch junger –
Essen ständig sehr viel mehr,
Als geböte ihnen Hunger.

An die achtzig schlimme Leiden –
Fast die Hälfte aller Kranken –
Sind erweislich allzumal
Bloss der Fress-Sucht zu verdanken.

Solches Über-Essen findet
Heut auf einer Erde statt,
Welche gut die halbe Menschheit
Tief in Not und Hunger hat!

Mehr als dreimal Hunderttausend
Ganz der Spielsucht sind verfallen:
Müssen unfrei, hörig sich
An die Automaten krallen.

Etwa gleich gross ist die Zahl
Denen Rauschgift ist vonnöten,
Die ihr Leben und ihr Dasein
Langsam aber sicher töten.9

Weiters könnte ich euch nennen
Leiden, die sich machen breit,
Grade jetzt zu diesen Zeiten
Hierzuland als Volks-Krankheit.

Hohn scheint mir es, wenn ihr meint,
Dass Gesundheit heut die Regel.
Wirklichkeit sieht anders aus:
Hochstand zeigt der Kranken-Pegel!


Medizinischer Fortschritt führt nicht zwangsläufig auch zu einem besseren Gesundheitszustand


Dabei räume gern ich ein,
Dass die Ärzte heut mehr wissen:
Musste doch zu meiner Zeit
Viele Kenntnis man noch missen.

Raschest schritt das Wissen fort
In Physik und in Chemie:
Daraus Stoffe neu entstanden,
Auch die Strahlen-Therapie.

Sonders denk ich hier ans Auge.
Heute kann durch Laser-Strahl
Grauer Star beseitigt werden
Ohne Schnitt ja optimal.

Augenärzte nunmehr wissen
Übers Auge alles schier.
Wäre doch die Hälfte nur
Dieser Kenntnis weiland mir!

Nicht die Zahl der Pharmaka,
Nicht der Ärzte Wissensstand
Kann das Merkmal dafür sein,
Ob auch Leiden sind gebannt.

Dies allein weist aus Statistik,
Die gewissenhaft zeigt an,
Wieviel Menschen leidgequält sind:
Wie sie kranken und woran.

Sicher seht ihr all dies ein
Und erkennt, dass wahrlich nicht
Heut Gesundheit ist die Regel:
Dies den Fakten widerspricht.

Solltet ihr noch Zweifel haben:
Fragt Klaus Pfeifer,10 der wohl weiss,
Wie dermalen Menschen krank sind,
Sich vernichtigen zufleiss.

Jener liebe Stillings-Freund
Kennt sich darin sehr wohl aus:
Denn in Medizin-Geschichte
Ist er sonderlich zuhaus.


Bringt das Herumreisen die Menschen ihrem Glück: dem Wahren, Guten und Schönen näher?


(2) Ihr bedauert meine Zeiten,
Weil die Leute sesshaft waren;
Konnten nicht durch Luft und Wasser
Über diese Erde fahren.

Doch ich frage, Stillings-Freund,
Ob die ganze Reiserei,
Wie sie nunmehr weithin üblich,
Wirklich denn ein Fortschritt sei?

Macht das Reisen Menschen glücklich?
Bringt es näher sie zum Himmel?
Warum stürzt sich alles denn
Voller Gier tief ins Gewimmel?

Lasst es mich sehr deutlich sagen:
Weil verdrossen sie zu Haus,
Zieht es sie erwartungsvoll
In die weite Welt hinaus.

Hier wird dich der Trieb zu GOtt11
Jedem Wesen eingegeben –
Pervertiert, indem man lenkt
Ihn auf ‚Neues‘ zu erleben.

Unbefriedigt tief im Innern,
Freudenleer enttäuscht daheim,
Hofft man drum bei Fahrt und Flug
Auf Er=Füllung insgeheim.

Denn, mein Stillings-Freund, wer findet
Auf den Reisen auch zu sich?
Wem ist denn an Leib und Seele
Das Verreisen förderlich?

Jenen, die ‚Er=Holung‘ suchen
Irgendwo in Afrika,
Weil die Sonne und das Wasser
Anders scheinen ihnen da?

Die per Taxi sich zum Bahnhof
Fahren lassen; mit dem Zug
Dann zur nächsten Startbahn hetzen,
Wo beginnt der Urlaubs-Flug,

Ohne dass sie je bewegt sich:
Liefen wie zu meiner Zeit,
Als Verreisen mit sich brachte
Einen Fussmarsch meilenweit?

Denen, die in Hang und Drang
Mit dem Auto müssen rasen:
Die es jeden Sonntag zieht
Triebhaft über weite Strassen?12

Jenen eitlen Bildungsbürgern,
Die nach Asien müssen gehen,
Um Kultur und Religionen
Dieser fernen Völker sehen?

Jenen, die aus Ehrgeiz reisen,
Bloss damit sie auch dabei:
Können ‚in Gesellschaft‘ glänzen
Nun in Protz und Prahlerei?

Keiner dieser Gruppen nützt es
Für die Zeit und Ewigkeit,
Dass sie ruhlos sich bewegten
Durch die Gegend weit und breit.

Hoffentlich, mein Stillings-Freund,
Sehr ihr darum deutlich ein:
Glück auf Erden, Heil im Himmel
Hat mit Reisen nichts gemein!

Lasst drum, jene zu bedauern,
Die ihr Lebtag lang am Ort
Weilten, lebten, sich bewährten:
Wollten gar nicht von da fort!


Bescherte die Individualisierung und die sexuelle Freizügigkeit allen Menschen mehr Glück und Freude?


(3) Euer Mitleid für die Menschen,
Einst ‚verklemmt in Prüderie‘,
Spart für jene, die heut schmachten
Unter Triebes-Despotie.

Achtmal hundert Tausend Hefte,
Bunt bedruckt mit Schweinerei,
Kaufen jeden Monat Menschen,
Die von ‚falscher Scham‘ nun frei.

Eine unbekannte Anzahl
Videos und Filme noch
Gaffen an sich jene ‚Freie‘
Unter ihres Triebes Joch.

Täglich sendet auch das Fernsehn
Ungehemmt Pornographie.
Nie zuvor je Schmutz und Unflat
Unter Menschen so gedieh.

Surft – gleich wie – durchs Internet!
Hier wird offen dargeboten
Alles, was nur denkbar ist,
An Perversem und an Zoten.

Achtmal hundert Tausend Frauen
Vergewaltigt werden roh
Hierzuland pro Jahr durch Männer
‚Ungehemmt‘ und ‚lebensfroh‘.

Jährlich werden nun geschieden
Hundertneunzig Tausend Ehen;
Doppelt so viel Scheidungs-Waisen
Regelmässig draus entstehen.

Diese Kinder sind gefährdet
Stark durch ihre neuen ‚Väter‘:
Jeder zehnte (schätzt man) wird
An dem fremden Kind zum Täter.

Sexuellen Missbrauch müssen
Dreimal hundert Tausend leiden,
Deren ‚Väter‘ ohne Hemmung
Alle Schranken überschreiten.

Lasst mich, lieber Stillings-Freund,
Auch der Kleinen hier gedenken,
Die gezeugt zwar, doch gemordet
Ohne Zaudern und Bedenken.

Jedes vierte Ungeborne
Derzeit wird schon abgetrieben:
Seines Daseins Fortbestand
Stellt man ganz in das Belieben.

Abtreibung ist heut ein Thema
Über das man ungern spricht;
Denn man will ja ‚Selbstbestimmung‘
Für das Ungeborne nicht.

Die steht zu allein den Müttern:
Sie entscheiden, ob ihr Kind
Eine Chance kriegt fürs Dasein
Oder ob sein Tod beginnt.

Ihr spracht von dem ‚Zusichfinden‘,
Abschaffung der ‚Prüderie‘:
Fragt die Opfer heutger ‚Freiheit‘,
Hört, was dazu sagen s i e  !


Krieg und Kampfesgeist sind dermalen bei weitem mehr verbreitet wie ehevorig


(4) Sicher habt ihr darin recht,
Dass die Bürger damals litten
Unter Krieg und Einquartierung:
Dies sei völlig unbestritten.

Auch muss ich euch zugestehen,
Dass die Krieger weiland Rüpel:
Ungebildet, derb und roh,
Einquartierung daher Übel.

Aber, lieber Stillings-Freund,
J e d e r einzlne junge Mann
Militarisiert wird heute,
Seit die Wehrpflicht man ersann.

Wehrzwang und ‚totalen Krieg‘
Gab es nicht zu meiner Zeit!
Solcher ‚Fortschritt‘ machte sich
Unter Volksherrschaft erst breit!

Auch ist heute sonder Zweifel
Kampf-Geist sehr viel stärker doch!
Welcher Sektor denn des Lebens
Steht nicht unter seinem Joch?

Ihr bezweifelt dieses wohl,
Wie ich eurem Blick ersehe?
Nun: so lasst es bitte zu,
Dass ich in Exempel gehe.

Über Aggressivität,
Die sich tobt an Kindern aus,
Sprach ich vorhin ja bereits:
Sie ist allerorts zu Haus.

Fahrt, mein lieber Stillings-Freund,
Derweil über deutsche Strassen:
Zählt, wie viele Auto-Fahrer
Angriffswütig aus der Massen.12

Seht euch in den Firmen um,
Wie dort jeder jedem Feind;
Nur, dass solcher Kampf und Streit
Kaum nach aussenhin erscheint.

Oh, man weiss ‚human‘ zu fechten!
Nicht mit Schwert und Feuerwaffen;
Andre Spitzen und Geschosse
Hat man hier zum Krieg geschaffen:

Unglimpf, Schmähung, Lästerrede,
Arglist, Lüge, Hechelei,
Anonyme Briefe, Rufmord,
Kränkung, Ohrenbläserei.

Geht auf einen Schulhof auch,
Wenn am Morgen Pause dort:
Übungsplatz für Mord und Totschlag
Ist geworden dieser Ort.

Selbst in Kirchen und Gemeinden
Herrscht derweil oft vor ein Ton,
Zeugend klar von Bissigkeit:
Unterdrückter Aggression.


Ursachen der versteckten und offenen Aggressivität innert aller Bereiche der Gesellschaft heute


Letztlich sehe ich zwei Quellen
Dieser Angriffs-Wütigkeit,
Die der heutigen Gesellschaft
Prägung und Gestalt verleiht.

Einmal wirkt das Irrbild ein,
Das man sich vom Menschen macht.
Sieben Dinge lasst mich nennen,
Die hier kommen in Betracht.

Erstens steht der falsche Glaube,
Dass der Mensch im Grunde gut.
Angeboren sei ihm nämlich,
Dass er stets das Beste tut.

Zweitens wähnt man, das Charakter
Lediglich die Folge wäre,
Was an Einfluss auf ihn kommt
Aus der Umwelt-Atmosphäre.

Drittens fliesst aus diesem Irrtum:
Glaube an die Machbarkeit
Jedes Menschen durch die Umwelt,
Die Charakter ihm verleiht.

Viertens lehrt man aberweise:
Jeder Mensch, ja jedes Kind,
Hat ein Recht sich ‚auszuleben‘,
Das als Säugling schon beginnt.

Fünftens glaubt man, dass der Mensch
‚Künstlicher Unmündigkeit‘
Leicht entrinnen kann durch Einsicht,
Die sich macht ‚vernünftig‘ breit.

Sechstens soll Konflikterzeugen
Menschen formen und befreien:
Nur in Streit und Gegensatz
Könne ‚Menschwerdung‘ gedeihen.

Siebtens folgt aus alledem:
Anders plötzlich wird Natur
Wenn der Mensch in einem Sprung
‚Selbstbefreiung‘ so erfuhr.


Egoismus und Hedonismus führen zu persönlicher Verzweiflung und gesellschaftlicher Entsolidarisierung


Dieses Menschenbild ist falsch,
Wie euch sicher leuchtet ein:
Denn ‚Konflikterzeugung‘ kann
Menschen nie von sich befrein!

Weil dies nimmermehr gelingt,
Werden Menschen aggressiv:
Hoffnungslos, verzagt und elend
Kämpfen sie nun offensiv.

Dies verstärkt die zweite Quelle:
Fernsehn meinte ich vorhin,
Dessen Denkart liegt im Grunde
Ganz auf diesem Deutungs-Sinn.

Jedesmal wird ‚Selbstbefreiung‘
Hingestellt als letztes Ziel.
Aufgehetzt auf solche Weise,
Prägt sich bald ein eigner Stil:

Menschen ohne rechte Einsicht,
Wo denn ihre Grenzen sind;
Voller Selbst-Sucht, Eigen-Liebe:
Hochmut breit an Platz gewinnt;

Irrer Meinung von den ‚Rechten‘,
Die in ’selbstbestimmtem Leben‘
Sie durch ’selbsterfahrne Freiheit‘
Eigenhändig sich gegeben;

Doch in Wirklichkeit nur Sklaven
Aller baren Lebenstriebe:
Trunksucht, Esssucht, Raucherei;
Sexualität statt Liebe.

Denn, mein lieber Stillings-Freund:
Wer die Lebenstriebe reisst
Aus dem Sinn-Zusammenhang
In die GOtt sie eingeschweisst;

Wer sie – losgelöst von allem –
So zu nutzen ist bestrebt,
Wie es selbst ihm just behagt,
Unter deren Zwang bald steht!

Und lasst es mich deutlich sagen:
Nichts zählt Satans Leid und Qual
Gegen sinnentbundner Lüste
Tiefem, bittrem Fleischespfahl!

Glaubt mir daher: Menschen lebten
Frei und glücklich vorlängst mehr,
Als die Triebversklavten heute:
Umwelthörig, drum so leer.

Anteilnahme hierob brauchen
Nicht die Menschen ehevor!
Mitgefühl zollt dem Geschlechte,
Das die Freiheit so verlor.


GOttes Beistand und mitan SEiner Gnade glaubt man nicht mehr zu bedürfen


Lasst mich noch daran erinnern,
Was der Glaube klärlich lehrt:
Durch Gebet sich GOttes Gnade
Reichlich auf den Beter kehrt.13

Doch die Menschen dieser Tage
Sehn Gebet als unnütz an.
Dies verhindert, dass sich Gnade
Auf die Welt ergiessen kann.

Ohne Beistand doch des Himmels
Wird das Leben hart und schwer.
Ablehnung von GOttes Hilfe
Macht die Welt zum Tränen-Meer.


Ist der Rechtsfriede gegenüber früher nunmehrig wirklich besser gesichert?


(5) Ihr bedauert, Stillings-Freund,
Alten Rechtes schwache Kraft.
Solche Ansicht heut zu äussern
Scheint mir reichlich dünkelhaft!

Gern zwar gebe ich euch zu,
Dass das Recht zu meinen Tagen
Manchen Mangel, manches Stückwerk,
Manchen Fehlgang musste tragen.

Doch scheint mir allein entscheidend,
Ob die Menschen denn geschützt?
Ob das Recht durch seine Ordnung
Auch den Frieden unterstützt?

Bietet Recht für jeden Hilfe?
Ist vor Rechtsbruch man gefeit?
Herrscht im Handel und im Wandel
Für die Bürger Sicherheit?

Diese Fragen kann ich wohl
Ganz für meine Zeit bejahen:
Selten bloss Gesetz-Missachtung,
Ungerechtigkeit geschahen.

Lese jetzt ich die Statistik,
Stellt es sich ganz anders dar!
Nie die Rechtskraft des Gesetzes
Schwächer als wie heute war!

Einbruch, Diebstahl, Tätlichkeiten,
Mord und Vergewaltigung
Quälen, wie noch nie zuvor,
Grausam die Bevölkerung.

Öfters wird jetzt eingebrochen,
Mehr gestohlen auch pro Tag,
Als zur Zeit, als dieses Land
Unter fremder Knechtschaft lag.

Wahrlich: die Franzosenheere
Waren damals eine Plage.14
Doch verblasst ihr Wüten ganz
Vor den Schurken heutzutage.


Tägliche Strassenschlachten und ihre Opfer


Und seid ihr des Lebens sicher
Wenn ihr tretet aus dem Haus?
Setzt nicht vielmehr ein das Morden
Grade auf der Strasse drauss?12

Hundertvierzig Tausendmal
Kommt zum Unfall es pro Jahr.
Wie viel fliesst daraus an Leid,
Ist mit Worten unsagbar.

Jährlich sterben auf den Strassen
Opfer in so grosser Zahl,
Dass sich dadurch leert von Menschen
Eine kleine Stadt total.

Häufig haben gar noch Glück,
Die sofort getötet werden.
Grausam ist oft das Geschick
Jener Menge der Versehrten.

Nie hat Deutschland so viel Krüppel
Wie zu dieser Zeit gesehen,
Da Verkehrs-Kampf tobt auf Strassen:
Schlachten täglich neu entstehen.

Fragt den Stillings-Freund Klaus Pfeifer,
Der Chirurg, drum sehr gut weiss,
Wie Verkehr erzeugt Verletzte
Täglich, stündlich massenweis!


„Freie“ Medien unterdrücken mit höllischer Gewalt das Wahre, Gute, Schöne


Doch, Herr Liebmund, heute wird
Nichts beharrlicher verdrängt,
Als der Kampf auf deutschen Strassen,
Den doch jeder sieht und kennt.

Wird im Fernsehn dieses Treiben
Denn entlarvt, als was es ist:
Als ein kollektiver Wahnsinn?
Hier man Aufklärung vermisst!

Dies ersparen sich die Medien,
Wo doch ‚Freiheit pur‘ regiert:
Wo man jeden Schmutz und Unrat
Breitet aus ganz ungeniert.

Sicher ist dies nur erklärbar
Mit des Teufels böser Macht,
Der die ‚freien‘ Medien listig
Unter seinen Zwang gebracht.

Deshalb wird auch GOtt verschwiegen;
Ja, man schiebt verbissen fort
Alles, was nur im geringsten
Hinweist, mahnt an dessen Wort.


Ehescheidungen als Quell von Gram und Leid


Neben diesem äussren Leid,
Das ich als Exempel nannte,
Steht noch der verborgne Schmerz,
Den man früher so nicht kannte.

Hundertneunzig Tausend Ehen
Werden jährlich hier geschieden.
Wisst ihr, wieviel Menschen so
Werden geistig Invaliden?

Nur der Jenseitsblick ermisst,
Was an Weh für Frau und Kinder,
Gram, Verzweiflung, Kummer, Trauer,
Bitternis steht stets dahinter!

Hier stellt sich erneut die Frage,
Ob modernes Scheidungs-Recht
Fortschritt sei für die Familie:
Ob es billig und gerecht?

Sicher werdet ihr erkennen,
Dass wird mancher rechtlos hier,
Bloss weil ’selbstbestimmt‘ ein Partner
Folgen möchte seiner Gier.

Spart euch daher das Bedauern
Über alten Rechtes Schwächen
Und schaut ohne Vorurteil
Auf des heutgen Rechts Gebrechen.


Anmassende Beurteilung vergangener Zeiten ist heute weit verbreitet


Überhaupt scheint dieses mir
Gut den Zeitgeist zu erhellen:
Vorschnell über ferne Zeiten
Negatives Urteil fällen!

Meistens tun just solche gern
Sich an altem Fehlgang laben,
Welche auch noch von Geschichte,
Herzlich wenig Ahnung haben.


Jung-Stilling muss von dannen und wünscht das Gesagte aufzuschreiben


Doch, mein Stillings-Freund, ich spüre,
Dass schon sehr viel Zeit verstrich.
Sicher werdet ihr verstehen,
Wenn von euch ich löse mich.

Denn ich muss noch einen Auftrag
Hier in dieser Gegend tun;
Während ihr in eurem Gasthof
Solltet auch noch etwas ruhn.

Schreibt, was ich euch sagte, nieder;
Bringt in Vers auch möglichst alles;
Denn gereimt liest man es lieber:
Schöner klingt es jeden Falles.

Bindet alles nett auch ein.
Schenkt es zum Geburtstag dann
Meinem Stillings-Freund Klaus Pfeifer,
Dass er sich dran freuen kann.\“


Gereimte Niederschrift findet sich allschon im Hotel vor


Stilling war miteins verschwunden:
Um mich her war bloss die Nacht.
Rasch lief ich in mein Hotel,
Schlich ins Zimmer leis und sacht.

Vor dem Bett lag schon ein Bogen
Dicht beschrieben mit der Hand:
Dies Gedicht, bereits in Reimen,
Auf ihm ich geschrieben fand.

Auf dem linken untren Rand
Stand: \“Mit Grüssen: Siona!.\“
Hiermit danke ich dem Engel,15
Der den Text mir reichte da!


Lästergespei wird statt Dank erwartet


Später bat mich Siona
Diesen Text aus Jenseits-Quellen
Wort für Wort – ergänzt um Noten –
Bald ins Internet zu stellen.

Freilich sagt kaum jemand Dank,
Dass die Botschaft klar und licht,
Wird eröffnet allen draussen:
Kundgemacht so der Bericht.

Nein: sie schreien vielmehr wieder,
Dies sei böse Gaukelei,
Blendwerk, Wahngebilde, Irrsinn:
Teuflisch sei die Reimerei!


Dieser Liebmund Kirchentreu
Einer sei von Satans Knechten,
Diene klar und augenfällig
Voller Lust den Höllenmächten.

Ach ihr Lieben! Euren Groll
Auf die eigne Torheit richtet,
Statt mit Fluch zu überhäufen,
Das, was Liebmund hier gedichtet.


Anmerkungen, Quellen und Erläuterungen


* Grafschaft Leisenburg = bei Jung-Stilling das ehemalige Fürstentum Nassau-Siegen (mit der Hauptstadt Siegen); –  durch Erbfolge ab 1743 Teil der Nassau-Oranischen Lande (mit Regierungssitz in Dillenburg, heute Stadt im Bundesland Hessen); –  im Zuge der territorialen Neuordnung Deutschlands durch den Wiener Kongress ab 1815 Bezirk in der preussischen Provinz Westfalen (mit der Provinzhauptstadt Münster); –  nach dem Zweiten Weltkrieg von 1946 an bis heute Bestandteil im Kreis Siegen-Wittgenstein des Regierungsbezirks Arnsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Bundesrepublik Deutschland (mit der Landeshauptstadt Düsseldorf). – Über 70 Prozent der Kreisfläche sind Wälder; Siegen-Wittgenstein steht damit an der Spitze der Bewaldungsdichte in Deutschland.

Salen = bei Jung-Stilling die ehemalige fürstliche Residenzstadt Siegen, heute Universitätsstadt mit etwa 110’000 Bewohnern, am Oberlauf der Sieg (dort 240 Meter über dem Meeresspiegel) gelegen. Die Sieg ist ein 155,2 Kilometer langer, rechter Nebenfluss des Rheins. – Die nächst grösseren Städte von Siegen sind, in der Luftlinie gemessen, im Norden Hagen (83 Kilometer), im Südosten Frankfurt am Main (125 Kilometer), im Südwesten Koblenz (105 Kilometer) und im Westen Köln (93 Kilometer).

Siehe Karl Friedrich Schenck: Statistik des vormaligen Fürstenthums Siegen. Siegen (Vorländer) 1820, Reprint Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1981 sowie Theodor Kraus: Das Siegerland. Ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge, 2. Aufl. Bad Godesberg (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) 1969 (Standardwerk mit vielen Karten, Übersichten und Rückblenden auf den Entwicklungsverlauf; leider auch in der Zweitauflage ohne Register).

Im wirtschaftsgeschichtlich bemerkenswerten Siegerland ist der hochintelligente und vielseitig begabte Jung-Stilling (siehe Anmerkung 4) geboren, herangewachsen und hat auch seine ersten beruflichen Erfahrungen als Köhlergehilfe, Schneider, Knopfmacher, Vermessungs-Assistent, Landarbeiter, Dorfschulmeister und Privatlehrer gesammelt.

1 Radolfzell = Stadt am nordwestlichen Ufer des Bodensees im Bundesland Baden-Württemberg der Bundesrepublik Deutschland. Die Stadt geht auf eine 826 errichtete Klosterzelle des seligen Radolf (Bischof von Verona/Oberitalien) zurück, der hier seine letzten Lebensjahre verbrachte. – Siehe Peter P. Albert (Hrsg.): Geschichte der Stadt Radolfszell. Im Auftrage der Stadtgemeinde bearbeitet. Radolfszell (Moriell) 1896 (mit vielen Abbildungen und Urkunden).

2 Münster Unsere Liebe Frau, 1436 begonnen und 1520 vollendet. Es enthält Wandmalereien aus der Zeit 1510–1520, den Steinsarkophag des Bischofs Radolf sowie barocke Innenausstattung. – Radolfzell war seit 1415 freie Reichsstadt, kam 1454 zu Österreich und durch die Neuordnung im Südwesten im Wiener Kongress 1814 zu Baden.

3 Ritterschafts-Haus, Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut.

4 Hofrat Professor Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), der Weltweisheit (= Philosophie) und Arzneikunde (= Medizin) Doktor. Siehe über ihn kurz zusammenfassend Gustav Adolf Benrath: Artikel \“Jung-Stilling, Johann Heinrich\“, in : Theologische Realenzyklopädie, Bd. 17. Berlin, New York (de Gruyter) 1987, S. 467 ff.

Jung-Stilling wurde bei nachtodlichen Erscheinungen häufig gesehen. – Siehe aus der Vielzahl veröffentlichter Berichte vor allem

 Treugott Stillingsfreund: Erscheinungen im Siegerland. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1987; –  Gotthold Untermschloss: Begegnungen mit Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Kalliope) 1988; –  Glaubrecht Andersieg: Allerhand vom Siegerland. Siegen (Höpner) 1989; –  Gotthold Untermschloss: Von Leistung, Mühe und Entgelt/In dieser unsrer Arbeitswelt/Gelehrt von Stilling letzthin grad/Und aufgeschrieben akkurat. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1991; –  Haltaus Unverzagt: Hat Jung-Stilling Recht? Protokolle nachtodlicher Belehrungen. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1992 (Jung-Stilling-Schriften, Bd. 2); –  Gotthold Untermschloss: Vom misslichen Befinden der Menschen früher. Eine nachtodliche Unterweisung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1994;

 Frommherz Siegmann: Das Herzstück richtiger Wirtschaftslehre. Eine nachtodliche Unterweisung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995; –  Gotthold Untermschloss: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995; –  Glaubrecht Andersieg: Vom Sinn des Leides. Eine nachtodliche Belehrung von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 sowie –  Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling und vermittels zutätiger englischer Gunst wortgetreu sowie gereimt wiedergegeben. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996.

Zum Wiedereintritt Verstorbener in diese Welt siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Theorie der Geister=Kunde, in einer Natur= Vernunft= und Bibelmäsigen (so) Beantwortung der Frage: Was von Ahnungen, Gesichten und Geistererscheinungen geglaubt und nicht geglaubt werden müße (so: mit Eszett). Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1808 (Reprint Leipzig [Zentralantiquariat der DDR] 1987, S. 220 ff.

Die \“Geister=Kunde\“ von Jung-Stilling blieb bis heute in zahlreichen Ausgaben im Buchhandel; siehe Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Bibliographie. Siegen (J. G. Herder-Bibliothek) 1993, S. 104 (Register, Stichwort \“Theorie\“).

Gegen dieses auch ins Niederländische, Schwedische, Französische und Englische übersetzte Buch erschien: Abgefordertes Gutachten einer ehrwürdigen Geistlichkeit der Stadt Basel über Herrn Dr. Jungs genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1809. – Jung-Stilling wehrt sich gegen die Basler Gutachter in der Schrift: Apologie der Theorie der Geisterkunde veranlasst durch ein über dieselbe abgefasstes Gutachten des Hochwürdigen (so, also mit grossem Ha) geistlichen Ministeriums zu Basel. Als Erster Nachtrag zur Theorie der Geisterkunde. Nürnberg (Raw’sche Buchhandlung) 1809 (weitere Nachträge erschienen nicht). — Das Originalbuch hat im Titel \“Geister=Kunde\“ (mit dem bis 1902 üblichen Doppel=Bindestrich), die darauf bezüglichen Werke schreiben meistens \“Geisterkunde\“ (in einem Wort).

Zu Basel seien nach dem Verkauf der \“Theorie der Geister=Kunde\“ tausendmal soviel Gespenster erschienen denn zuvor, behaupten die Verfasser des Gutachtens. Das veranlasste weitere Schriften gegen Jung-Stilling, so etwa die Broschüre von Johann Jacob Faesch: Predigt über den Gespenster=Glauben, nach Timotheum IV., V. VII. Gehalten in der Kirche St. Theodor, den 9ten Weinmonat 1808. Auf hohes Begehren und dem Wunsche mehrerer ansehnlichen (so!) Zuhörer gemäß zum Druck befördert. Basel (Schweighausersche Buchhandlung): eine Jung-Stilling bös herabsetzende, brandmarkende Schrift.

Gleich in zwei Bänden erschien: Geister und Gespenster in einer Reihe von Erzählungen dargestellt. Ein nothwendiger Beitrag zu des Hofraths Jung genannt Stilling Theorie der Geisterkunde. Basel (Samuel Flick) 1810. Als Verfasser gilt der freisinnige Basler Buchhändler und Romanschriftsteller Gottlob Heinrich Heinse (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Reiseschriftsteller gleichen Namens).

Siehe auch Johann Heinrich Jung-Stilling: Geister, Gespenster und Hades. Wahre und falsche Ansichten, hrsg. von Gerhard Merk. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1993 (Jung-Stilling-Studien, Bd. 1). Dort auch die Titelblatt-Kopien der genannten und anderer Schriften gegen Jung-Stilling und seine \“Theorie der Geister=Kunde.

5 Stillings-Freund meint –  Gönner, Förderer, später –  Verehrer und Anhänger (\“Fan\“: vom lateinischen FANATICUS = begeistert, entzückt) von Jung-Stilling. Der Ausdruck stammt von Jung-Stilling selbst. – Siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte. Vollständige Ausgabe, mit Anmerkungen hrsg. von Gustav Adolf Benrath, 3. Aufl. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1992, S. 213, S. 441, S. 513, S. 536, S. 566. – Auf der anderen Seite gibt es aber auch  \“Stillings-Feinde\“, siehe ebendort, S. 316.

6 Jung-Stilling wirkte vollberuflich als Arzt, Geburtshelfer und (seit 1775) auch als öffentlich bestellter Brunnenarzt von 1772 bis 1778 in Wuppertal-Elberfeld. Zeitlebens blieb er im Nebenberuf als Ophthalmologe tätig; er galt noch im Greisenalter als einer der geschicktesten Augenchirurgen seiner Zeit; an die 3 000 Menschen befreite er durch Operation aus der Blindheit, etwa zehnmal so vielen Menschen dürfte er augenärztlichen Rat angedient haben. Ein Honorar verlangte er nicht.

Siehe hierzu vor allem Gerhard Berneaud-Kötz: Das ärztliche Wirken Jung-Stillings in Alt-Elberfeld (1772–1778), in: Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins in Wuppertal, 45. Heft (1992), S. 149 ff. sowie Gerd Propach: Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817) als Arzt. Köln (Institut für Geschichte der Medizin der Universität Köln) 1983, Gerhard Berneaud-Kötz: Kausaltheorien zur Starentstehung vor 250 Jahren. Eine Auswertung der Krankengeschichten und Operationsprotokolle von Johann Heinrich Jung-Stilling. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 36 ff., Gerhard Berneaud-Kötz: Jung-Stilling als Arztpersönlichkeit, in: Michael Frost (Hrsg.): Blicke auf Jung-Stilling. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1991, S. 19 ff. und vor allem auch Klaus Pfeifer: Jung-Stilling-Lexikon Medizin. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996, S. 9 ff.

7 Im Jahr 2005 wurden in Deutschland knapp 20 Mrd Euro für Tabakwaren ausgegeben.

8 Im Jahr 2005 betrug der Umsatz an alkoholischen Getränken in der Bundesrepublik Deutschland 23 Mrd Euro. – Mit durchschnittlich zwölf Liter reinen Alkohol pro Jahr liegt der deutsche Konsum in Europa neben Frankreich an der Spitze. Nach vorsichtigen Schätzungen machen die Kosten des Alkoholkonsums für die Gesellschaft ungefähr das Doppelte der jährlich rund 10 Mrd. Euro aus, welche die Branntweinsteuer dem Staat einträgt. – Jede sechste Kündigung hat mit Alkohol zu tun; etwa ein Drittel aller Unfälle kommen unter Alkoholeinwirkung zustande, und zwar am Arbeitsplatz wie auf der Strasse. Die Zahl der Abhängigen wird 2005 auf rund zweieinhalb Millionen Menschen geschätzt. Mehr als doppelt so viele Menschen werden zwar nicht süchtig, schaden aber durch den Alkoholkonsum erheblich ihrer Gesundheit.

9 Im Jahr 2004 wurde die Zahl der Drogenkonsumenten in Deutschland gesamthaft auf 300 000 geschätzt; davon sind 80 000 als Drogen-Abhängige zu erkennen; siehe Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2005. Geesthacht (Neuland) 2006. Dort auch weitere Statistiken.

10 Obermedizinalrat Klaus Pfeifer, Doktor der Medizin, Arzt für Chirurgie, geboren am 17. März 1924 in Siegen, der Heimat von Jung-Stilling. Er wies sich durch verschiedene Veröffentlichungen als Fachmann auf dem Gebiet der Medizingeschichte aus. Daneben lieferte er wichtige Beiträge über das Leben und Wirken von Jung-Stilling; so edierte er vor allem das \“Jung-Stilling-Lexikon Medizin\“ (siehe Anm. 6) und besorgte die \“Jung-Stilling-Bibliographie\“ (Anm. 4 (c)). Im Jahr 2000 erschien sein Werk: Medizin der Goethezeit. Christopf Wilhelm Hufeland und die Heilkunst des 18. Jahrhunderts im Verlag Böhlau. Das Werk wurde von der Kritik sehr beifällig aufgenommen.

11 Jedem Menschen eignet von Natur aus ein Streben (als eine angeborene, dauernde Neigung: als innerer Drang [APPETITUS INNATUS]) nach Glück (auch Glückseligkeit, Seinsvollendung, Vervollkommnung, Selbstverwirklichung genannt; im Griechischen eu)daimoni/a [Eudämonia], im Lateinischen BEATITUDO, im Englischen bliss). Diese Aussage ist –  eine Erfahrungstatsache und –  ein unbestrittener Lehrsatz der Philosophie aller (sonst auch uneiniger!) Schulen.

Glück = Abwesenheit aller Übel (wie Krankheit, Hunger, versagte Anerkennung durch die Gesellschaft) und Besitz alles Guten. Das Gefühlserlebnis des Glücks ist die Freude (im Lateinischen GAUDIUM oder LAETITIA, im Englischen happiness)

Gut = alles was angemessen oder geeignet ist, einen Menschen zu vervollkommnen, nämlich seinem Streben nach Glück tatsächlich zu dienen. Das Gute ist wahr (es entspricht der vorbildlichen Idee im Verstande, etwa: wahres Gold, wahre Freundschaft) und schön (es erweckt Gefallen als etwas, in dem man befriedigt ruht).

Beständiges Glück vermag auf Erden nicht erreicht zu werden. Denn (fast) jedes leibliche Bedürfnis ist ein Wiederholungsbedürfnis; dasselbe gilt auch für nicht-leibliche Bedürfnisse (wie Bildung oder Geliebtwerden). Erst in GOtt als dem höchsten Gut (SUMMUM BONUM) kann die dauerhafte Glückseligkeit erlangt werden.

Dass GOtt das höchste Gut des Menschen sei, wird durch die Vernunft erkannt. – Denn der Begriff des höchsten Gutes des Menschen fordert notwendig

 dass es ein durch sich selbst vollkommen genügendes und allein um seiner selbst willen begehrenswertes Gut sei,

 dass es in sich selbst die Gewähr ewiger, unveränderlicher Dauer trage und wesentlich jedes Übel auf immer ausschliesse (\“NEQUE ULLA ALIA HUIC VERBO, CUM BEATUM DICIMUS, SUBIECTA NOTIO EST, NISI SECRETIS MALIS OMNIBUS CUMULATA BONORUM COMPLEXIO\“ [Marcus Tullius Cicero: Tusculanae Disputationes, 5, 10]); denn der Mensch als ein dem Geiste nach unsterbliches Wesen kann nur durch ein solches Gut ganz befriedigt werden; und dass es

 das dem Menschen angeborene Streben nach Glück vollkommen zu stillen imstande ist.

Es ist nun leicht ersichtlich, dass die Güter dieser Welt weder einzeln noch zusammengenommen die geforderten Eigenschaften haben. So bleibt, da doch der von GOtt dem Menschen einerschaffene Drang (APPETITUS INNATUS) nach vollkommener Glückseligkeit nicht ungestillt bleiben kann – das widerspräche GOttes Weisheit und Güte – das unerschaffene Gut, GOtt, der als das höchste Gut des Menschen seine Vollendung und Glückseligkeit ausmacht.

Siehe auch Jung-Stilling-Lexikon Religion, hrsg. von Gerhard Merk. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. 32, S. 64 f. sowie weiterführend Walter Brugger (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch, 23. Aufl. Wien (Herder) 1998.

12 Siehe hierzu ausführlicher Freimund Biederwacker: Vom folgeschweren Auto-Wahn. Protokoll einer nachtodlichen Belehrung durch Johann Heinrich Jung-Stilling und vermittelst zutätiger englischer Gunst wortgetreu sowie gereimt wiedergegeben. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1996. Auch als Download-File abrufbar unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling>

13 \“Wir können versichert seyn, daß der Herr jedes gläubige Gebet erhört, wir erlangen immer etwas dadurch, was wir ohne unser Gebet nicht erlangt haben würden, und zwar das, was für uns das beste ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte [Anm. 5], S. 474.

14 Im Zuge des grande événement von 1789 (der Französischen Revolution) wurde Europa fast ein Vierteljahrhundert lang mit Krieg überzogen, worunter auch Jung-Stilling vielfach zu leiden hatte; siehe Johann Heinrich Jung-Stilling: Lebensgeschichte (Anm. 5) insbes. S. 482 ff.

15 Schutzengel von Johann Heinrich Jung-Stilling. Er zeigte sich diesem zu dessen irdischer Zeit, nahm ihn von dort ins Jenseits mit und schrieb auch für ihn. – Siehe Heinrich Jung-Stilling: Szenen aus dem Geisterreich, 7. Aufl. Bietigheim (Karl Rohm Verlag) 1999, S. 220 ff. (S. 279: \“Siona hat mir Lavaters Verklärung in die Feder diktiert\“).

Der Name Siona bedeutet letztlich \“die Himmlische\“; siehe die genauere, weitläufige Erklärung dieses Namens bei Philipp Paul Merz: THESAURI BIBLICI PARS SECUNDA, NEMPE ONOMASTICON BIBLICUM SEU INDEX AC DICTIONARIUM HISTORICO-ETYMOLOGICUM. Augsburg [Veith] 1738, S. 1161 ff. sowie bei Petrus Ravanellus: BIBLIOTHECA SACRA SEU THESAURUS SCRIPTURAE CANONICAE AMPLISSIMUS, Bd. 2. Genf (Chouët) 1650, S. 627 (hier auch einige seltenere übertragene Bedeutungen wie etwa \“ORNAMENTUM TRACTUS\“ oder \“GAUDIUM TOTIUS TERRAE\“ und \“LOCUS PERFECTISSIMAE PULCHRITUDINIS\“). Beide bis heute kaum übertroffene Werke erfuhren viele Nachdrucke und Übersetzungen in mehrere Sprachen

Jung-Stilling fasst den Engel als weiblich auf. Er spricht Siona an als –  \“unaussprechlich erhabene Tochter der Ewigkeit\“ (Szenen aus dem Geisterreich, S. 219), die ihn \“immer ungesehen umschwebt\“ (ebenda, S. 271) –  \“göttliche Freundin\“ (ebenda, S. 223) bzw. \“göttliche Lehrerin\“ (ebenda, S. 228), dankt der –  \“erhabenen Dolmetscherin\“ (ebenda, S. 241), die ihm –  als Engel – oft ungesehen – \“immer liebvoll zur Seite ist\“ (Johann Heinrich Jung-Stilling: Chrysäon oder das goldene Zeitalter in vier Gesängen. Nürnberg [Raw’sche Buchhandlung] 1818, 1. Gesang, Versabschnitt 3), –  den Gedankengang leitet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 282), aber

 Jung-Stilling auch vom Jenseits berichtet (Szenen aus dem Geisterreich, S. 308) und –  Jung-Stilling (der im Chrysäon Selmar heisst; wohl in Anlehnung an den Rufnamen Selma seiner zweiten Ehefrau) auf einer \“Himmels-Leiter\“ zum Sehen führt (Chrysäon, Prolog, Versabschnitt 2; siehe auch Versabschnitt 8) sowie –  zu seiner verstorbenen Tochter Elisabeth (Lisette, 1786–1802) und zu deren Mutter (Jung-Stillings zweiter Ehefrau Selma von St. George, 1760–1790) geleitet (Chrysäon, 4. Gesang, Versabschnitt 2 ff.), –  ihn aber auch von himmlischen Höhen \“in müdes Weltgewühle\“ zurückbringt (Chrysäon, 3. Gesang, Versabschnitt 87).

Siehe zum Verständnis der Engel im religiösen Denken von Jung-Stilling auch Gerhard Merk (Hrsg.): Jung-Stilling-Lexikon Religion. Kreuztal (verlag die wielandschmiede) 1988, S. XX f., S. 30 ff. sowie Gotthold Untermschloß: Vom Handeln im Diesseits und von Wesen im Jenseits. Johann Heinrich Jung-Stilling gibt Antwort. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995, S. 16 ff. und zum Gesamten Martin Landmann: Ahnungen, Visionen und Geistererscheinungen nach Jung-Stilling. Eine ausdeutende Untersuchung. Siegen (Jung-Stilling-Gesellschaft) 1995 als Download-File unter der Adresse <http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/stilling> abrufbar.— Vgl. zum Grundsätzlichen Paola Giovetti: Engel, die unsichtbaren Helfer der Menschen, 8. Aufl. Kreuzlingen, München (Hugendubel) 2003 sowie im Internet die Adresse


What greater calamity can fall upon a nation
than the lack of engaged clergymen and clergywomen!



Über Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk

Gerhard Merk (* 8. Mai 1931 in Mannheim) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Lehrbuchautor.

  • 1931 Geboren in Mannheim
  • 1955 Diplom-Volkswirt, Universität Heidelberg
  • 1956 Diplom-Handelslehrer, Universität Mannheim
  • 1957 Dr.rer.pol., Universität Heidelberg (Thema der Dissertation: „Die Investitionsfunktion“)
  • 1958 Konzernleitung Fried. Krupp, Essen, Zentralabteilung Verkauf, Fachabteilung Marktforschung
  • 1964 Dozent an der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule, Siegen
  • 1972 Professor an der Universität Siegen
  • 1996 Pensionierung; weiterhin in Lehre und Forschung an der Universität ohne Bezahlung tätig.

Verheiratet seit 1964 mit Dr.rer.nat. Martha Merk-Jansen, Apothekerin aus Aachen, verstorben am 30. Juni 2010.

Zwei Kinder: Irene (Diplom-Physikerin, Diplom-Informatikerin, Dr.rer.nat.), Judith (Industriekauffrau, Diplom-Kauffrau).

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